^mi^ B RAR I ci o,.,iMij.- ■^. #^- %^ %. V- \ £-■ V. '^•. cn £ — to *■. ? 'iMOSHü'A's S3idvaan Libraries smithsonian institutio T 2 -.■ CO Z ,• ^^.^ LIBRARIES S. c H O x„ ^^ s <^ UJ -$/x> '^'»•^t INSTITUTION NOIiniliSNI NVINOSHiIWS S3ldVaai (/3 — t/5 .'iNosHii/JS S3iavyan Libraries smithsonian institutio H I- z >- _ ■y:.-% '^jafvqS tu > : to _ to INSTITUTION NOIiniliSNI NviNOSHiiws S3iavaai iNosHiii^s' aan libraries smithsonian institutio ^n ^ - (ft — ^ O NSosv»^ _ Z _J z INSTITUTION NOIiniliSNI NVINOSHimS S3iavdai i ,^^:^^ ^,.- X C/) o 4<, ,#^:. .^■^ ■^ /^V' I ^; h%i_ / NOIiniliSNI i' CO \ 5 B RAR! ES SMITHSONIAN INSTITUTIC ..iS 7?/ X '^ CO ' ^- (/5 RAR I ES SMITHSONIAN INSTITUTION NOIiniliSNI .MVINGSHilWS S3iavya ■.¥ ';\ o: /?v m ^ c/) ■ Z CO z viNOSHims S3iavdan libraries smithsonian institutic CO = v> — ^^^'i f: A R 1 E S 2 ■..-,'- i ^ 1 UTIÜN V ^ z o to inii I II ^ I ) \. 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DIE WALÜVERDERBNISS oder dauernder Schade, welcher durch Insektenfrass, Schälen, Schlagen und Verbeissen an lebenden Waldbäumen entsteht. Zugleich ein Ergänzungswerk zu der Abbildiiiii»; und Beschreibung der Forstinsekten Dr. J. T. C. RATZEIU RG, Königl. Geheimen Rcgiernngs - Käthe und Professor an der Königl. Preufs. Forstakadeiiiic, Kitur des Koiheii Adlerordcns III. Classe mit der Schleife, der Frao- lösisehen Ehrenlepon und des Kaisorl. Russ. St. Annen-Ordens lll. Classe, der Kaiserl. Akademie der Wissensch. zu St. Petersburg correspondirendera. der K. K. Leopoldinisch -Karolin. Akad. der Naturforscher (Cognora. Gleditsch), der Societe Unncenne de Lyon, der mark. öcon. Gesellsch. in Polsdaro, der schles. Gesellsch. für vaterl. Cultur, des schles. Forstvcreins, der Kais. Gesellsch. zur Bcförd. der Waldwirthsch. in Rufsland, des Gelehrten-Coniit«» des K. Minist, der Reichsdomaincn zu St. Petersburg, der Forstscction der K. K. schles. mähr. Gesellsch. zu Brunn, der oberbess. Ge.sellsch. für Natur- ond Heilkunde, der naturforschenden Gesellsch. zu Amsterdam, Dresden, Emden, Mainz, Mo.scan und Prag, sowie des Harzes und des Osterlandes, der eutoniolog. Vereine zu Berlin, Stettin und St. Petersburg, sowie des botan Vereins für Brandenburg und angrenz. Länder, wirklichem correspondirendera und Ebrenmitgliede. ZWEITER BAND. TANNE, LÄRCHE, LAUBHÖLZER, UND ENTOMOLOtilSCHER ANHANG. Mit 21 Tafeln in Farbendruck und Lithographie, 5 Kupfertafeln und vielen Holzschnitten. BERLIN. NICOLAISCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG. (A. Effert * L. Lindtncr.) 1868. iq. 92) gebilligte Nonien- clatur, im Zusammenhange mit seiner trefl'lichen, unsterblichen Systematik (s. „eulomulog. Anhany^). Von der Onomatomanie der Neuzeit bin ich überhaupt noch nicht angesteckt worden, trete ihr vielmehr bei vielen Gelegenheiten entgegen, und zwar, um nicht für ganz antediluvisch zu gelten, mit Gründen, wie z. B. gegen die so leichtsinnig provocirte Pimts- Verwirrung (II. p. I j u. s. f. Noch sind unter den Forstmännern solche Grundsätze ziem- lich bewährt; wird nicht aber die Zeit kommen, wo die Sündfluth ihre Schranken durch- bricht?! Das dürfte dann aber auch der Untergang der wahren Naturgeschichte sein (siehe C V. ßär's Motto in Bd. 1., Rückseite des Titelblattes). Die Literatur benutzte ich in einer dem Zwecke angemessenen Ausdehnung, d. h. es wurden mehr forstliche als naturwissenschaftliche Schriften citirt (s. auch entom. Anhangj. Die Namen der Autoren wurden — bis auf die allgemein gebräuchliche Abkürzung Linn. (für Linne) — stets ausgeschrieben, die Titel ihrer Schriften aber abgekürzt — hoffentlich immer verständlich. Anfangs beabsichtigte ich, sänimtliche Titel noch einmal vollständig und in alphabetischer Ordnung, zu wiederholen. Jetzt finde ich aber, dafs sie zu viel Kaum in Anspruch nehmen würden, und ich verspare mir diese Arbeit auf eine fernere, gelegenere Zeit, dehne sie dann auch etwas weiter aus. Ich würde dann auch über die Eigenthümlichkeiten eines jeden Schriftstellers, und einer jeden Schrift besonders, sprechen können: was gewifs, da die Naturforscher die Forstmänner zu wenig kennen — und vice versa — , erwünscht sein würde. Etwas ist in dieser Richtung schon an vielen Stellen des Textes gethan. So scheide ich denn von der mir seit Decennien lieb gewordenen Arbeit freudig und mit dem beruhigenden Bewufstsein, dafs ich Alles, was ich seit beinahe 40 Jahren bei Vor- lesungen und auf Excursionen im Walde, der im Sommer wie im Winter mem Lieblings- aufenthalt ist, erworben und durch Leetüre und Studium der geeignetsten natur- wie forst- wissenschaftlichen Schriften weiter verarbeitet habe, jener zuwende und durch dieselbe zu- nächst mit trefflichen alten Commilitonen in geistigem Verkehr bleibe. Wenn sie demnach vielleicht auf einigen Beifall der geehrten Leser rechnen darf, so bitte ich diesen auch auf die theueren Freunde und hiesigen Collegen, sowie auf Fachgenossen, die mich brieflich und mündlich unterstützten, zu übertragen, und nicht minder der thätigen Buchhandlung zu ge- denken, in welcher der neuen Besitzer erprobter Kunstsinn mehr den Beifall des Publikums als den Geldgewinn im Auge hatte. Ihnen verdanke ich es, dafs die vorzüglichsten Drucke- vm reien und die besten künstlerischen Kräfte Berlin's, auf welche unser Vaterland stolz sein kann, herbeigezogen wurden. Leider nimmt die Zahl solcher geschickten und aufopfernden Männer, ohne welche die Naturgeschichte nichts Erfolgreiches unternehmen kann, eher ab als zu. Die materielle Richtung unserer Zeit, die vermehrten, dem Staate durch politische Bewegungen erwachsenden Ausgaben machen es demselben unmöglich, so, wie zur Zeit der Herausgabe der Ehrenberg'schen Symbolae physicae, grofse, öffentliche Ateliers zu unterhalten. Die Herausgabe kostspieliger naturhistorischer Kupferwerke ist da- her jetzt erschwert, wenn nicht fürstliche Munilicenz (wie z. B. bei der unübertrefflich schönen, ebenfalls in Berlin erschienenen v. Barnim'schen Reise) mitwirkt, oder Ministerien sich der Wissenschaft und Kunst so kräftig annehmen, wie es das mir vorgesetzte Hohe Mini- sterium thut. Ganz besonders fühle ich mich verpflichtet, hier noch des jetzigen Oberland- forstmeisters Herrn 0. v. Hagen zu erwähnen, der, selbst gediegener Schriftsteller in unse- rem Fache, auch die Bedürfnisse desselben bestens kennt, und mich stets bereitwillig mit Rath und That bei meiner Arbeit und in Erlangung der dazu nöthigen umfangreichen Materialien unterstützte. Neustadt-Eberswalde, im Dezember 1867. Der Verfasser. Inhalt. Dritte Holzart: Tanne, Wcifs- oder Edeltanne (Pi«ws Pirea Linii., Sapin.). §. 1. Aoufseres der Tanne, Wcrtli und Namen dersellien p. 1— 3. — §.'2. Anatomie, Physiolo(?ie, Pathologie p. 3—8. — §.3. Verzweigungs- und Verwallungsfchler p. S — 12. — §.4. Die Feinde der Tanne p. 12 — 13. A) Verzweiguiigsfehler der Tanne. I. Insekten. 1) Der grüne Tannen Wickler (Tortrlx hislrionana). §. 1. Betheiligung verschiedener .Vrten p. 13—14. — §. 2. Literatur, briefliche Nachrichten und .Sendungen p. 14 bis 1.5. — §. 3. Der Frafs nach Zeit, Verbreitung und hemmenden oder begünstigenden Einflüssen p. 15 — 17. — §. 4. Specielle Beschreibung gefressener Wipfel und Zweige p. 17-18. — §. ö. Anatomie, Physiologie und Pathologie p. 18— 11). — §. 6. Forstliche Bedeutung, Vorhersage und Begegnung p. 19—20. 2) Der rothköpfige Tannen Wickler (Tortrix rußmitrnna) p. 21. 3) Der Tanuenknospen Wickler (Tortrix nigrkana). §. 1. Geschichte und Biolojjie p. 21—23. — §. 2. Frafs, forstliche Bedeutung, Begegnung p. 23—24. 4) Die Tannenmotte (Tinea abielella). §. 1. Feststellung der Art p. 24. — §. 2. Beschreibung des Frafses p. 24— 2J. — J. 3. Vorhersage und forstliche Bedeutung, Begegnung p. 25. n. Vierfüssler. 5) Vcrbeifsen der Tanne. §. 1. Beschreibung der verbissenen und reproducirtcn Pflanzen p. 25— 2G. — §. 2. Anatomie, Physiologie und Patho- logie p. 2G. — §. 3. Forstliche Bedeutung, Vorhersage und Behandlung p. 2G — 27. B) Verwallnngst'ehler der Tanne. I. Insekten. 6) Der Fichtonrindenwickler (Tortrix dorsann) p. 28. 7) 1 1 e r T a n n c n b e u 1 e n g I a s s c h w ä r m e r (Sesin cephiformi.i). §. 1. Leben und Verbreitung p. 21). — §. 2. Beschreibung des Frafses, Anatomie, Physiologie und Pathologie p. 30 bis 32. — §. 3. Forstliche Bedeutung und Vorhersage p. 32—33. II. Vierfüssler. 8) Schälen, Schlagen, Fegen. §, 1. Fremde und eigene Erfahrungen. Zweifelhaffes p. 33 — 35. — §. 2. Anatomie, Physiologie, Pathologie p. 35- 37. — §. 3. Bedeutung und Vorhersage p. 37 — 38. ^ Inhalt. Vierte Holzart: Lärche (Pinns Larix Linn., Meleze). §. 1. Werth der Lurche, Systematik, Literatur p. aS— 42. — §. 2. Aeufseres p. 43—47. — §. 3. Anatomie, Physio- logie, Pathologie p. 47—53. — §. 4. Verzweigmigs- und Verwallungsfehler p. 53—56. — §. 5. Die Feinde der L;irche p. jG-5S. A) Verzweigungsfehler der Lärche. I. Insekten. 1) Die Lärchen motte (Tinea laricineUa). §. 1. Allgemeines, Biologisches-p. 59. — §. 2. Frais und Reproduetion p. 59—01. — §. 3. Bedeutniig, begünstigende und hemmende Einflüsse, Begegnung p. 61—62. 2) Der graue Lärchenwickler (To/^Wx/nnKo/oHfO. §. 1. Verbreitung, Leben ]). 62. — §. 2. Forstliche Bedeutung und Begegnung p. 63— G4. 3) Die Lärchen-Rindenlaus (Chcrmes Lan'dx) p. 64- 65. IL Vierfüssler. • 4) Verbeil'sen. §. 1. Aeufseres, Formveränderungen p. 66—67. — §. 2. Anatomie, Physiologie, Pathologie p. 67. — §. 3. Bedeutung und Vorhersage p. 68. B) Verwallungsfehler der Lärche. I. Insekten. 5) Der Lärchenrindenwickler (Torlrix Zeheann). §. 1. Vorkommen, Verbreitung, Biologisches p. 68-69. — §. 2. Beschreibung des Frafses p. 69—70. — §. 3. Ana- tomie, Physiologie und Pathologie p. 70— 71. — §.4. Bedeutung und Vorhersage p. 71 — 72. II. Vierfüssler. 6) Wildschälen, Fegen nuil Schlagen. §. 1. Beschreibung nach änfscren und inneren Folgen, Oertlichkeit u. s. f. p. 72—77. — §. 2. Forstliche Bedeutung und Vorhersage |i. 77 — 79. 7). Ringeln und Plätzen durch Eichhorn (Sduni.':) p. 79— 81. Zweite Abtlieilung. 1) i e I i a 11 i) h ö 1 z e v. §. I. Allgemeine Bemerkungen p. 82— 86. — §.2. Beschreibung des Aeufsern bei den Laubhölzern p. 86— 94. — §. 3. Anatomie, Physiologie, Pathologie, Technologie p. 94—115. — §. 4. Feinde der Lauhhölzer p. 115—122. — §.5. Ver- zweigungs- und Verwallungsfehler p. 122-126. - §. 6. Verbeilsen, Schälen. Benagen p. 127-129. - §. 7. Witterungseinflüsse p. 130—134. — §. 8. Vorhersage und Behandlung der beschädijjten Laubhölzer p. 134—137. Indalt. XI Erste Laubholzgattnni);: Eiclie (Qiiercus pediinciilalii und liubiir). §. I. VeischiedciK- Rcspreclnin<; der Eicho p 137— Ml. — §. 2. Aeiifseres, Species. Klima p. li>-W) — § S Anatomie, Physiologie, Pathologie p. llö-l.')0. — §. 4. Kcintle p. I.'jO— 152. A) Verzweigungsfeliler der Eiche. I. Insekten. 1} l>cr Eicheinvickler (T„rlrix viriJuna). §. 1. Verhreitiini;. Fials. Keproductioii p. LW-IÖJ. - §. ■>. Anatomie, Physiologie, Pathologie p. 155— 15G. — §.3. Vorhersage p. 15(3 — 15S. 2) Prozcssiousranpe, Goldafter, Ringelspinncr Tß"«'/'.'/' /'rorewio/iea, chr>/sorrlmea, „custria) p. 158— IGO. 3) Der Ochsen köpf, Gellikopf, Mond vogel ( Bom/yx burepluth). §. 1. Früheres und Späteres p. Ifil. — §. 2. Eigene Beobachtungen p. Ißl— 162. 4) Der Eiche n Weichkäfer (Canihnrix vhscura). k. I. Namen p. 1G2— 1(;3. — <;. 2. Oertlicbkeit, Vorkommen, Zeit der AngrifTe p. lGo-l(;4. — §. 3. Frafs und Ue- production p. 1G4. 5) Die Knoppergalhvcspe {Cynips Querciis ralyns auior. oder hungarica Ilrt.) p. 1G4 — l(!,i. II. Vierfüssler. # G) Verbeifsen. §. 1. Beschreibung p. IGG. — Jj. 2. Vorhersage und Behandhing p. IGT— 1G8. B) Vcrwallungsfeliler der Eiche p. 1G8— IG'J. Zweite Laubholzgattiing: Buche, Rothhiulie {Fagus sylvalica). §. 1. Verschiedene Besprechung p. 1G9-171. — S- 2. Aeulseres, Leben und Er/.iohun..' p. 171-17G. _ );). a. Ana- tomie, Physiologie, Pathologie p. 177-182. —§. 4. Die Feinde p. 182— 185. A) Verzweigungsfehler der Buche p. 1S5— 18:». I. Insekten. 1) Der Maikäfer (Melohmilia rulr/ans). §. 1. Auffindung und Bedeutung p. l'JO. — §. 2. Frafs und Heproduction p. 190— l'J2. 2) Der Rothschwanz (Biiiiihj/r pmUbunda). §. 1. Aeufseres, Reproduction, Bedeutung p. 192-19.3. - S- 2. Anatomie, Physiologie, Pathologie p. 194-195. II Vierfüssler p. 195—196. B) Verwalhing.sf'ehler der Buche p. r.i7--i98. I. Insekten p. 198. XII Inhalt. ' II. Vierfüssler. 3) SchUlea und Schlaffen p. 199. 4) Mäusenagen. §. 1. Arten. Fremde und eigene Erfahrungen p. 200—202. — §. 2. Verbreitung, Futter, Begünstigung und Hem- mung p. 202 — 204. — §.3. Die Xagestellen und ihre Auffindung im Walde p. 204 — 205. — §.4. Anatomie, Physologie, Pathologie p. 205 — 208. — §. 5. Bedentung, Vorhersage, Behandhing p. 208 — 212. Dritte Laubholzgattmig: Haynbuche, Weifsbiiche (Carpimis Betulus). §.1. Bedeutung nnd Beschreibung p. 212 — 214. — §.2. Feinde und ihre Bedeutung, Prognose n. s. f. p. 214 — 216. Vierte Laubliolzi>;attmif>;: Birke {Betlila alba). §. 1. Verschiedene Besprechung p. 21G — 220. ■ — §. 2. Aeufseres Verhalten p. 220 — 223. — §. 3. Anatomie, Phy- siologie, Pathologie p. 224 — 226. — §. 4. Feinde p. 226 — 227. — §. 5. Verzweigungs- und Verwalhingsfehler p. 228 — 230. 1) Der grüne Lauliholzrüsselkäfer (CurcuHo argentatus). §. 1. Einleitendes p. 230. — §. 2. Frafs und seine Folgen p. 230 — 231, — §. 3. Anatomie, Physiologie, Pathologie p. 231-232. 2) Stammverwüster (Käfer, Falter, Aderflügler). ^ A) Falter p. 233. — B) Käfer p. 233—235. Fünfte Laiibholzgattnng: Erle (^Alnus glutinosa und incana). §. 1. Allgeraeines p. 2o6 — 237. — §. 2. Aeufseres p. 237 — 242. — §.3. Inneres p. 242 — 243. — §.4. Feinde p. 243 — 244. — §. 5. Verzweigungs- nnd Verwalhingsfehler p. 245 — 247. 1) Der Erlenrüsselkäfer (Cincu/ic Lupuihi), §. 1. Geschichtliches p. 247. — S. 2. Generation und Ueberwinternng p. 247 — 248. — §. 3. Oertlichkeit nnd Holz- art p. 248. — §. 4. Frafs, Eutwickelung und Reprodnction p. 248 — 249. — §. 5. Bedeutung und Vorhersage p. 249 — 250. 2) Der Erlenblattkäfer ( Chri/somela Alni) p. 250. Sechste Laubliülzc;attnn<2;: Rüster oder Ulme (Ulmiis effiisa oder pedimculata imd suberosa sammt campestris). §. 1. Unterschied des Botanischen und Forstlichen p. 251 — 252. — §.2. Vcrlireitung p. 253 — 254. — §.3. Aeufseres Verhalten, Reprodnction p. 255-258. — §.4. Anatomie und Physiologie p. 258— 261. A) Verzweigungsfehler der Rüster. I. Insekten. 1) Die Sammet-Rüsternblattlaus (Ap/äs lanugimsa). §. 1. Namen, Verbreitung p. 261—262. — §. 2. Beschreibung p. 262. — §. 3. Anatomie nnd Physiologie p. 263. — §. 4. Bedeutung nnd Vorhersage p. 262 — 263. Inhalt. XIII II. Vierfüssler. §. 1. Verbeifsen und seine Folsen p. 203— -.'04. — §. i. Anatomie p. 2G4. B) Verwallungslehler der Rüster p. 2(;4— 266. I. Insekten p. 2CG— 267. II. Vierfüssler und Menschen p. 207— 269. Siebente Lanbliolzmittiuia;: Esche (Fraxiniis excelsior). §. 1. Aeufseres p. 269 — 271. — §. 2. Anatomie, Physiologie und Pathologie p. 271 — 272. — §. 3. Feinde p. 272 bis 273. — §. 4. Verwallungs- und Verzweigungsfehler p. 273 — 275. I. Insekten. 1) Der Pflasterkäfer, spanische Fliege CLytta vesicaloria) p. 275 — 270. 2) Die Hornisse (Vespa Crabro). §. 1. Verbreitung p. 276 — 278. — §. 2. Henehmen der Hornissen beim Schälen und im Zwinger p. 278 — 279. — §.3. Beschreibung der durch die Hornissen angerichteten Zerstörungen an den Eschenzweigen und Aesten p. 279 — 280. — §. 4. Anatomie und Physiologie p. 280—282. — §. 5. Forstliche Bedeutung, Vorhersage und Vertilgung p. 282 — 283. n. Vierfüssler. 3) Wild (Schälen, Schlagen, Verbeifsen) p. 283— 285. 4) Mäusenagen p. 285. Achte Laubholzgattmio;: Aliurn {Acer platanoides und Pseudoplatainis). §. 1. Xamen, Unterscheidung p. 286. — §. 2. Bedeutung, Verbreitung p. 286 — 288. — §. 3. .Aeufseres p. 288 — 291. — §. 4. Anatomie, Physiologie, Pathologie p. 291 — 293. — § 5. Verzweigungs- und Verwallungsfehlcr p. 293 — 295. — §. 6. Feinde p. 295—296. 1) Die Ahorneule (Xortua Accrix) p. 296 — 298. 2) Der Ahorn -Bockkäfer (Ceramhyx dilumtus). §. 1. Bestandsverhalten p. 299. — §. 2. Insektenbestiramungen p. 299 — 300. — §. 3. Verhalten des Bockkäfers im Stamme p. 300— 301. — §.4. Bedeutung und Vorhersage p. 301— 302. Xeiiiite Laiibhulzgattiiiig: Pappel (Populus mehrere Species). §.1. Bedeutung p. 302— 305. — §. 2. Verbreitung und luterscheidung p. 305 — 308. — §.3. Anatomie, Physio- logie, Technologie p. 308— 310. — §.4. Feinde p. 310— 311. — §.5. Verzweigungs- und Verwallungsfehler p. 311— 313. Zehnte Lanljhnlzgattnni;-: AVcide (Salix mehrere Species). §. 1. Bedeutung und botanische Behandlung p. 313—316. — §. 2. Aeufseres und Inneres p. 310-318. — § 3. Feinde p. 318-320. XIV Inhalt. 1) Wei ilenhol z -Gailmiicke (Ti/ntla ICeridomi/inl saliciperda). §. 1. Verbreitung, Oertlichkeit und Literatur p. 3'2ü — 321. — §. 2. Erkennung und Bescbreibung des Frafses und des ersten MückenangriiTes p. 322 — 323. — §.3. Anatomie und Physiologie p. 323^326. — §.4. Bedeutung, Vorhersage, Behandhing p. 32G — 327. Elfte Lauliholzoattune;: Linde (Tilia eiiropaea Liuii.). §. 1. Allgemeines, Stellung, Werth, Species, Verbreitung u. s. f. p. 328 — 330. — §. 2. Aeufseres, Reproduction p. 330 — 332. — §. 3. Anatomie, Physiologie p. 332—334. — §. 4. Feinde p. 334 — 33G. — §. .5. Verzweigungs- und Verwal- lungsfehler, Vorhersage p. 336—339. 1) Kaupen- und Afterraupenfrafs p. S3y — 340. 2) Lindenborkenkäfer (Bosiriclnis Tiliae). §. 1. Vorkommen, Benennung p. 341 — 342. — §. 2. Frafs, Bedeutung, Vertilgung p. 342—343. Zwölfte Laubliolzgcittung : Hasel {Corylus Avellana Linn.). §. 1. Bedeutung, Verbreitung. Beschreibung p. 343—345. — §. 2. Feinde und Krankheiten p. 345—346. 1) Der Haseln-Bockküfer (Ca-ainhyx linearis) p. 346 — 347. Entomologischer Anhang als Nachtrag zu den drei Bauden der Forstiusekten. Allgemeines p. 349—352. Erste Haiij)tal)theiluiig-. Die Insekten mit vollkommener Metamorphose (Metabota). Erste Ordnung: Käfer oder Seheideniliigler {Cukopto-a Linn.). Erste Reihe der nützlichen Käfer. Familien der Blatlhms- und Laufkäfer, Kurzflüglcr und Kculenhürnirje p. 352 — 356. Zweite Reihe der schädlichen Käfer. Familie der Sügehümirjen, besonders die »lattungen Annhiitm, Cant/inris, Ebücr, Buprestis p. 356 — 363. — Familie der Blatthüniigen, besonders Gattung Mehlontlm p. 363 — 365. — Familie Melooidea, besonders Meloe, Lytta p. 365—366. — Familie der Rüsselkäfer mit Curmlio Linn. p. 366 — 374. — Familie der Borkenkäfer mit Bostrichus, Hi/lesinus, Eccoptogaster, Plati/pus p- 374— 389. — Familie der Bockkäfer mit C«Y;;«/._v.r Linn. p. 3S9— 391. — F^miUe der Blattkäfer mit Chri/somela Linn. p.391. Inoai.t. XV Zweite Ordnnng: Falter oder Scliappenfliigler (Lepidoptera Linn.). Gattungen Papi/io l.iiin. und Sphinx Linn. p. 392. — Gattung Sesia Fabr., Glnsschwärmer p. 392 — 398. — Gatung Boinhi/x Linn., Spinner p. 399 — 403. — Gattung Noctua Linn., Eule p. 403 — 407. — Gattung Ceometra Linn., Spanner. Erste Abtheilung: Xadelholzspanncr p. 407. — Zweite Abtheilung: Laubholzspanner p. 408 — 409. — Gattung Tnririx Linn., Wicller. Erste Abthei hing: Nadelholzwickler. Erste Unterahtheiluug: Kiefernwickler p. 409 — 410. Zweite Unter- abtheilung: Fichten- und Tanuenwickicr p. 410 — 414. Dritte Unterabtlieihing: Lärchenwickler p. 41.5. Zweite Abtheilung: Laubholzwiekler p. 416— 417. — (iattung Tinea Linn., J/o«-» p. 418— 423. Dritte Ordnung? : Aderllügler oder Wespen {Ilt/menoptem Linn.). Gattung Tenthedo Linn., Blattwespen p. 423 — 425. — Gattung Sirex Linn., Hobictspen p. 42.5. — Gattung Irliummon Linn., Schlupfwespen p. 42G — 429. — Gattung Furmica Linn., Anieistn p. 429 — 431. Vierte Ordnung: Zweiliiigler (Diptera Linn.). Allgemeines p. 431 — 432. — Gattung Tipula Linn., Mücke p. 432 — 436. — Resume p. 43i'i. — Forst- und .lagd- Insekten mit Oes/i us und Lipoptenu p. 437. Zweite Hauptabtheiliing-. Die Insekten mit unvollkommener Metamorphose [Ametahola). Allgemeines, Ordnung der Netzflügler, Ordnung der llalbflügler {Ihmiptern Linn. I und Ordnung der Geradflügler (Orthopiera Linn.) p. 438 — 440. Bilderweiser separat für Stein- und Kupfertafeln, dann für die Holzschnitte und schliefslich noch eine gesonderte Hinweisung auf die für Verjüngung wichtigen Reproductionsformen p. 441 — 4.5(5. Register p. 4.57 — 464. Man beachte geßlligst die in demselben noch angebrachten Noten. Druckfehler. Seite 3 Z. 14 V. 0. 1. 39 Z. 6 V. u. 1. 47 Z. 20 V. u. I 56 Z. 4 V. u. 1. 77 Z. 9 V. u. 1 95 Z. 20 V. 0. 1. 119 Z. 16 V. 0. 1. 126 Z. 22 V. 0. 1 132 Z. 7 V. 0. 1. 136 Z. 18 T. n. 1 151 Z. 8 V. 0. 1 152 Z. 10 V. u. 1 173 Z. 15 V. u. 1. Z. 14 V. u. ! 207 Z. 2 V. 0. I 213 Z. 18 V. 0. 1 Z. 19 V. 0. 1. 218 Z. 10 Y. u. 1 256 Z. 19 V. u. I Ärvc statt Arme. Anführuns statt Aiifahrung. Y" statt t't"- fnsreUiin statt Jasrelina. Erstere statt Letztere. Herbstholz statt Herbstfrafs. Fig. 2 statt Fig. 4. Blattmenge statt Blattriage. 1865 statt 1866. Waldbaues statt Waldbaumes, cörulea statt cörulia. VerkümmerQ statt Verkämmen. Trappgesteine statt Trtiffgesiein. hätte statt hatte. Anfassen statt Anfressen, schlangenförmig statt schwanenförmig. Wurzelstücke statt Wurzelstöcke. Bodenfordenmg statt Bodeuförderung. Fälle statt Falle. Seite 272 Z. 24 v. - 315 Z. 21 V. - 316 Z. 21 V. - 322 Z. 14 V. - 326 Z. 13 V. 354 Z. 20 356 Z. 11 363 Z. 8 370 Z. 7 Z. 17 373 Z. 2 377 Z. 11 379 Z. 1 385 Z. 20 400 Z. 11 425 Z. 2 u. 1. Fig. 16 statt Fig. 6. u. 1. Rundung statt Wunden 0. 1. Saudschellen statt Sandschellera. 0. 1. nun statt um. 0. 1. entfernteren statt entlarvteren. V. 0. streiche das Komma hinter (Cara)bus V. u. 1. Biiprestis ähnlichen. V. 0. 1. ( 'etonia statt Cilonia. V. o. 1. hausten statt hauten. V. 0. 1. Stück statt Stock. V. u. streiche das Komma hinter unregelmäfsig. V. 0. 1. vittatus statt viltatus. V. 0. 1. , dieser" hinter Fehlens. V. 0. 1. Lauprecht statt Lanprecht. V. 0. 1. pityucaiiipa statt processioiiea. und 3 V. u. 1. „als irrige Hypothese". P. S. Borkhausen schreibt sich im ersten Bande seiner Forstbotanik Borckhausen, daher in meinen Citaten zuweilen das c mit untergelaufen ist. Dritte Holzart: Tanne, Weiss- oder Edeltanne. ( Piniis Picea L i n ii. *) , Sapin. ) §. 1. Acnilseros der Tanne, Wertli uiul Xainen derselben. Der Forstmann würde der Ttinite den letztem Platz unter den Nadclliölzern anweisen, da sie wegen Vollliolzigkeit des Stummes wohl im Masscngehalt der Fichte gleichkommt, ihr aber in Brenn- kraft und als Bauholz nachsteht, auch weniger Stockholz giebt und häufig von Frost leidet. Dan-et^eu hat sie als Kutz- und Werkholz auch wieder grolse Vorzüge. Das weilse und harzlose Holz wirft sich nicht, reifst auch nicht so leicht und hat überdies wegen der schönen Farbe und des durch die Mark- strahlen erzeugten Seidenglanzes grolsen Werth für Anfertigung zierlicher Sachen, Spielzeug, Resonanz- böden etc. Auch macht Pfeil die Widerstandskraft alter Tannen gegen Stürme und Borkenkäfer gel- tend, sowie den Umstand, dafs die Tannen nicht angelacht werden können und Unfug der Art damit nicht getrieben werden kann (kril. Bl. XVII. I. p. 160). Auch Botaniker und Naturfreunde, obgleich sie die hohe physiologische Bedeutung des interessanten Baumes wenig kennen, schätzen die Tanne., denn die Nadeln haben ein so schönes Smaragdgrün, dais das dnrc'h dieselben gebrochene Licht dem der Buchenwi'ddvr gleicht und auch eine ähnliche Flora unter dem Schirme der Stämme versammelt wird. Ich habe reine Tannen-Bestände in Schlesien gesehen und beschrieben (meine Reisen, ■/.. B. p. 215—219). — Scnft (Veget. Eisenach's p. 26) beschreibt nur gemischte Bestände und deren Flor. Auch das feine, wohlriechende Harz der Tanne, welches bei der nahe verwandten balsamea den wohlverdienten Namen hervorrief, gehört zu den werthvollen Erzeugnissen und verschaffte uns überdies die classische Abhandlung von v. Mo hl — auch ein Werth, den ich auf die Tanne lege. Wenn wir indessen berücksichtigen, dafs als Nutzholz die Tanne von der Fichte ersetzt wird, also zu Schachteln, Zündhölzchen u. dergl. jetzt grölstentheils Fichtenholz genonunen wird: so dürfen wir uns nicht wundern, dals in den Augen der Praktiker die Tanne an Werth verliert, dafs also in •) Ich folge in den Benennungen, wie im I. Bande, auch hier Linne schon deshalb, weil sonst die auch in die En- tomologie eingeführten Namen umgekehrt werden müfsten. Ich nenne die Weiß- oder Eddtanne: Pinus I'ina; leider hat man das später umgekehrt und diese P. Ahies, und die Firhtf. P. Pirm genannt, sagt aber dennoch Pisodes Pictae für den Tann.ii- Rüsselkäfer, linsir. jlhieti.i für den kleinen Fichten- liorkenküfer ! ! Ich bin entschieden, d. h. nach dem ersten Gesetze der No- menclatur, der Priorität des Namens, im Rechte, und nenne unter meinen Änsichtsgenossen nur den gelehrten Link (Familie Pinus in Berl. Akad. i827), welcher Folgendes sagt: .Linne, veranlafst durch einige bedeutende ältere Schriftsteller, nannte die Fichle Pinu.s Ahies, und die französischen und englischen Schriftsteller sind ihm gefolgt, welches besser war, als eine Sprachverwirrung zu machen. In Deutschland änderte Du Roi diesen Namen in P. Picea. Manche Schriftsteller sind ihm gefolgt, andere, z. B. Willdcnow, haben den alten Namen mit Recht lieibehalten.' Es ist nur zu bewundern, dafs Link bei der l'jiterscheidung seiner beiden Gattungen Picea und Ahic: die Sache, ganz gegen seine eignen Grundsätze, d. h. nicht weiter als bis Linne zurückzugeben, umkehrt. Wer also nicht die Autorität beachtet, weifs nicht, ob er bei Nennung eines Namens, z. B. fremder Arten, Fichten oder Tannen vor sich hat. So steht bei v. Trautvetter Picea obovnta Ledeb. oder Abie." obovnta Rupr. Der Name Tanne wird bei Forstmännern gewöhnlich für AVfe/roiuit gebraucht, aber auch von Manchem für die Fichte, wie z. B. von v. Middendorff, der dann, wenn er die Weißtaime meint, Julcltanm- sagt. II. 1 2 Dritte Holzart: Tanne. der Verbreitung die Fichte zu-, die Tanne abnimmt. Ueberdies hat die Erziehung der Tantie, dieser so eigenthümlichen Schattenpflanze, welche in den ersten 50 Jahren oft nur wenige Zolle Dicke er- langt, einige Schwierigkeit — nach Pfeil die gröfste unter allen Nadelhölzern — , und man giebt die Nachzucht in manchen Revieren lieber auf, als dals man zu Gunsten des Wildpretts, welches die jungen Tanneti vorzüglich liebt, experimentirt *). Eine seltene Vorliebe für die Tanne zeigt man in den Mili- tairgrenz-Forsten des österreichischen Staates, weil hier die deutschen Nadelhölzer, ohnweit der türki- schen Grenze, schon ihre südlichste Verbreitungsgrenze ßnden und nur noch die Tanne in einer Höhe von 1200 — 3500 Ful's freudig und massenhaft vegetirt und daher dort einen greisen Gebrauchswcrth bat. Ueber die seltsame, barbarische Art, den Ta/Hfc?«- Nachwuchs, dessen Unterdrückung man unter der Buche fürchtete, zu conserviren, berichtet v. Lekow in Schles. F. Jahrg. 1862, S. 120. Die Buchen werden, damit sie absterben, geringelt, aber wie? Durch einige Kompagnien Grenzer, welche mit Aexten an die zu opfernden Buchen gehen und hier Rinde und Splint herunterhauen, gelegentlich aber auch da, wo gar keine Tannen wachsen ! ! Dabei kommen auch andere Hölzer vor die Axt, und es soll interessante physiologische Erscheinungen, wie Linden, Ahorn und Riistern grofse Lebenskraft beim Ausheilen der Wunden zeigten, gegeben haben. Die Tanne bat so vieles mit der Fichte gemein, dafs ich, was besonders Reproduction im All- gemeinen, Vollholzigkeit und deren Theorie betrifft, auf jene verweise; sie leistet sogar noch mehr als diese, was besonders aus §. 3 deutlich hervorgehen wird. Hier erwähne ich indessen schon der die Stammsprossen der Laubhölzer nachahmenden Ausschläge, welche nach Verletzungen oder gänz- licher Wegnahme des Wipfels an jugendlichen Stämmen überall hervorbrechen. Den wichtigsten, auch für die Erziehung beachtenswerthesten Unterschied finden wir in der Wurzel, welche tiefer geht. Nach Hart ig (Cult. 29) spaltet sich der starke Wurzelstock bald unter der Oberfläche in 3 — 5 starkästige, schräg in die Tiefe dringende Herzwurzelstränge, indessen sehen wir auch oft starke Pfahlwurzeln (s. Holzschnitt p. 11). Das Verwachsen der Wurzeln mufs aber trotzdem sehr leicht sein, weil die Tanne so oft dergleichen zeigt, und in Folge davon die Stockverwallung häufig, wie ich sie später im Holzschnitte zeige, eintritt. Die Gestalt des Wipfels alter Tannen, wie sie uns, obwohl in sehr verschiedenen Formen, in manchen hübschen Bildern (z.B. in Schachts Baufn p. 333, oder normal in den Verhandl. d. Schles. Forstver. v. Pannewitz's Sophientannc') vorgeführt werden, weicht etwas von der der Fichten ab: er bildet selbst in normalen Exemplaren eine stumpfere Pyramide, hält also das Mittel zwischen Kiefern- und FichtenioTva , nachgeahmt sehr oft an Kiefern durch den Frais des Markkäfers (s. Taf. 4). Die hier an verschiedenen Stellen in Holzschnitten und auf Taf. 37 gezeichneten, mit der Sophientarme har- monirenden Stämme geben die normale Form bis in's mittlere Alter, während die Bäume im höheren Alter eine ganz andere Form annehmen, indem die Krone, wie sie Rofsmäfsler zeichnet (Wald ad 330) nicht mehr den spitz ausgezogenen Wipfel der Fichte behält, sondern in einem breit scbirmförmigeQ endet, gleichsam einem colossalen Adlerhorst ähnelt (s. auch Lärche). Schachts Bäume zeigen wieder *) Der Boden soll zwar kräftig sein, aher was Feuchtigkeit betrilTt, so halte ich die Tatme nicht für so wählerisch, dafs sie, wie II artig meint (Cult. p. ol) — und auch Reum in seiner Forstbotanik — , „in einem Hoden, der etwas mehr als frisch sei, bald im Wüchse nachliefse." Ich habe die schönsten Tannen im oberschlesischen Moorboden mit Ledum und Spliiu/num zusammen gesehen (forstnatur. Reisen p. 229). Ich möchte sogar glauben, dafs die Edeltannen durchweg F euchtigkeitspflan- zen seien. Darin bestärkt mich v. Middendorff's Bericht (Sihir- Gew. p. 551) über die Pichta „auf feuchtem Boden". Sie ist zwar eine Sibirische Edeltanne (Pinus sibirica), ist aber der unsrigen so nahe verwandt, wie die Sibirische Lärche Aer Europäischen. Ihre technischen und klimatologischen Eigenschaften bringen sie auch der Europäischen (P. Picea) nahe, indem sie der Lärche und Fichte in ihrer Verbreitung nachsteht. Middendorff sagt in dieser Beziehung: „Am Jenis'ey reicht sie kaum bis 07^" und ist mithin das zweite der dortigen Nadelhölzer, welches vor dem Polarklima zurückweicht." In Sibirien sind also die dort heimischen T^ärchen, Fichten und Tannen modificirte Species, und nur Kicjer zeigt sich dort mit allen Eigenschaften der unsrigen ausgestattet. §. 1. Aeusskuks der Tanne, Wehtu ind Xamkn dkiiselben. 3 einen ganz anderen Charakter: sie repräsentiren den äulsersten Grad des lückigen, unterbrochenen Wipfels mit beginnender Spielsbildinig*). Die Quirle sind denen der Fichte äiinlieh, täuschen aber aucii Ijcim Zälilen der Absätze der Zwischenquirle, insofern die Zweige dieser letzteren so stark sind, dafs man in ilinon einen Quirlzweic zu sehen glaubt, dessen Gegenzweig ausgeblieben ist, wie auf Taf. 34, wo Fig. 2 nur fi Jahresabsätze in F. C. nachwies. Hier nuifs man stets die Knospens])uren (Schuppenaiisätzc) aufsuchen**). Uebrigeus kommen die (^nirlknospen alle in Einer Eliene hervor, oft nur 2 gegenüberstehende, beson- ders in der Jugend, zuweilen bis 4, selten mehr, die Wipfelknospe umgebend und dann den Quirl von Weitem am sichersten andeutend (zurückgebliebene Taf. .SG, Fig. 7). Sie nähern sich viel mehr der wagerechten Stellung als die Fichieiiüste und geben besonders jüngeren Stämmen von Weitem ein eignes Ansehen. Die zerstreuten Zweige der Zwischenquirle sparsamer als bei der Fichte (s. dort) und auch zuweilen wirkliche Nachtriebe. Benadelung daher weniger drückend, als die der Fichte. An den jungen Zweigen, noch im 2. Jahre deutlich, findet sich eine kurze, fast zottige Be- haarung, ähnlich der der Anne. Die Nadeln flach ausgeraudet — am Kronenaste oft spitz — , auf der Unterseite mit 2 weil'sen. die Spaltöfihungen führenden Streifen und llarzgängen, die Oberseite ganz grün. Den Kronenast umgeben sie abstehend von allen Seiten, an den Zweigen sind sie 2 zeilig. jedoch oft so stark nach oben gewendet, dals sie fast einseitswendig, wie bei der Fichte, werden. Am Stamme bleiben sie höchstens 6 Jahre; an den Zweigen sah ich sie 10 Jahre stehen (Forstgarten). Sie fallen also doch früher ab als Fichtennadeln. Von Bürstenuadeln spricht §. 3 und Vcrbifs. Die Keim- linge mit ihren (meist 6) flachen Kotyledonen sind öfters abgebildet (z. B. Schacht, Rofsmäfsler). Bei Hartig (Cult. Taf. 103) steht aber Taa:iis dabei. Kein anderes Nadelholz wird durch Verzweigungs- und Verwallungsfehler so verändert, wie die Tanne, und daher mufs man stets den norm.ilen Bau vergleichen, wenn irian die Abweichungen, •wie ich sie bei hislrionana, Sesia, besonders beim Schälen speciell beschreibe, beurtheilen will. §. 2. Anatomie, Pliysiolugie, Pathologie. Die Anatomie ist, was die Ermittelung der wesentlichen Charaktere betrifi't, einfach, d. h. die Tanne, obwohl sie den allgemeinen Typus der Nadelhölzer hat, unterscheidet sich schon lupisch •) Adlerhorst, Walzenform und Lückenhaftigkeit des Wipfels hranchen nicht immer im Alter einzutreten und werden durch Umstände (exponirtc Lage, rntergrnnd etc.) bedingt. Es können auch uralte Bäume die geschlossene spitze Pyramide behalten, wie dies die im geschlossenen Bestände ca. öüüjährige, noch jetzt lebende, fast 160' hohe, 6' dicke Üophientanne im Forstrevier Cudowa (vermessen von Zebe und auf ca. 22 Klafter geschätzt) zeigt. *•) Ich weifs aus Erfahrung, dafs auf .Ausstellungen, wo mau gern mit recht kräftigen Pflanzen prunkt, 5 — fijährige Pflanzen für 3 — 4jährige ausgegeben wurden, weil recht kräftige Zwischenquirlzweige getrieben waren. Zur Regel gehören eher recht kurze Triebe und enge Jahrringe (oft im Kern 50 auf 1 — 2" Durchmesser), als das Entgegengesetzte. Unbegreiflich, wenn Borckhausen (Forsthot. I. 283) von 36jährigen Bäumen spricht, welche bei 90 — 100' Höhe unten 3' Üurch- messer hatten. Wir haben im Forstgarten durch Ilochholz gegen Süden geschützte, 20' hohe, üppig vegetirende (durch Moosbedeckung des Sandbodens getriebene) Stämme, welche jetzt (auno 1SG7) 33 Jahre alt sind, also nicht vou Itth-yn verbissen wurden (s. dort), auch nie einen Insektenfr.ifs, mit Ausnahme einzelner Näschereien der Sfaiküfer und kleiner Wickler, auszu- bauen hatten. Sie geben eine ganz gute Vorstellung vou dem Entwicklungsgange der Tanne überhaupt, wenn man auch auf die unterdrückten Stämme sieht. Einzelne derselben, aber kaum 20 pCt., sind allerdings jetzt schon abgestorben, aber nur die im tiefsten, für Luft undurchdringlichsten, zugleich eine dumpfe, multrige Luft unterhaltenden Schatten stehenden. Die meisten unterdrückten haben aber noch hübsche Trielie gemacht, in den (iOer Jahren noch 6— S" lauge, als ob sie sich mit Gewalt aus ihrer Verborgenheit hervorarbeiten wollten. Einige solche, ca. 4' hohe kerzengrade Siämmchen, die ich noch bei der allgemeinen Anatomie der Laubhölzer (§. 3) weiter beschreibe, hatten in den ersten 20 Jahren nicht mehr als 8' Höhe erreicht. An diesem Absätze sieht man höchstens 14 strohhalmdicke Zweigclchen, die man zu Quirlen zu ordnen nicht im Stande ist. Bilder solcher mehr oder weniger deutlich den Jugendwuchs charakterisirenden Stämme waren instructiv, wür- den hier aber den Umfang der Arbeit nnberufen vcrgröfscrn. 1» 4. Dritte Holzabt: Tanne. durch den Mangel oder wenigstens Undeutlichkeit der Harzcanäle des, solcher Gestalt auch sehr weifsen Holzes, und durch die Gegenwart der Steinzellen in einer nicht mehr zu jungen Rinde. Was nur mikroskopisch zu sehen ist und von den Anatomen als charakteristisch empfohlen wird, hat gröisere Schwierigkeit, wird wenigstens von ungeübten Beobachtern nicht sofort erkannt werden. Ich habe über allgemein wichtige Eigenschaften schon Bd. I. bei den „Nadelhölzern" §. 1 ad ü. ge- sprochen (besonders p. 92 die Harzverhältnisse vergleichend Ijerührt und Taf. 34 und 35 illustrirt), auch bei der Lärche den Vergleich in manchen Punkten wieder aufgenommen, und gehe nun zur speciellen Zergliederung. 1) Das Holz. In der Bildung der Zellen (Taf. 34, 36) erkennt man sofort den echten Nadel- holz-Charakter. In den Markstrahlen wird auch der Ungeübte sogleich die Uebereinstimmung aller Zellen hinsichtlich der kleinen Poren, gegenüber den grol'sporigen Mittelzellen der Kiefern., finden. Auch die grol'se Zahl der Zellen, welche zuweilen bis 20 steigt, sieht man leicht. Ich begreife daher nicht, wie Schacht die Markstrahlen bei Tminc ziemlich lang nennen kann, während er die der Lärche lang nennt. Als leicht bemerkbar empfehle ich die interessanten Abweichungen, welche mit Erzeugung der Harzgallen verbunden sind, und die Untersucbiuig der Krummstilbe bei den Schälhölzern. Feiner und fraghcher ist schon die von Hurtig {Cult. p. 35) angegebene Doppelporigkeit an den den Mark- strahlen zugewendeten Holzfasern, da dieselbe, wie H. selber sagt, auch bei Fichte erscheinen kann. Fein sind auch die Harzverhältnisse, die ich schon hier berühre, wenn ich auch etwas weitläufigere Betrachtungen später in die Note verweisen muls. Schacht, der doch gerade eine Vorliebe für die Tanne hatte, konnte nur in Kiefer, Fichte und Lärche Harzgänge finden {Baum 187). Ich habe sie auch in der Tanne gesehen ; auf dem Tangentialschnitte immer einzelne nicht linienförmige, 1 Ingrige, sondern auch sogenannte grofse, d. h. ovale, mehrlagrige Markstrahlen, die entweder dunkel sind, oder in der Mitte ein grol'ses Loch haben: Oeflnung des horizontalen Harzcanals. Merkwürdig, dafs auch Mohl der Tanne die Harzcanäle im Holze ganz abspricht {Bot. Z. 334) *). Das Harz ist für das Leben des Baumes wdchtig und spielt auch bei Raupeufral's (histrioiiana) und Schälstämmen eine bisher unbekannte Rolle. Uebrigens habe ich Markstrahlen und sclljst Plolzzellen, ganz oder in einzelnen Zellen, auch braun, also doch mit Harz gefüllt gefunden, namentlich im Holze von Krummstäben wildschäliger älte- rer Stämme (Taf. 36, Fig. 8''). Höchst eigentliünilich und nirgends beschrieben sind die Harzgallen. Ich konnte ihrer Bd. I., p. 92 nur flüchtig erwähnen, da ich sie eben erst bekommen hatte. Ob sie überhaupt dieselben sind, wie Nördlinger's Harzgallen, welche p. 482 auch bei Ta^^ie erwähnt wer- den, ist mir zweifelhaft. Gesehen mufs sie N. wohl nicht haben, sonst hätte er sie wegen ihres ganz abweichenden Aussehens beschrieben. An meinem handgrolsen Holzstücke liegt eine runde, glänzende bernsteingelbe, feste Scheibe von Gröfse und Dicke eines Zweithalerstückes inmitten des Holzes und zwar auf einer Weh'sholzschicht: es scheint, als wenn die vorhergehende Braunholzschicht dadurch ab- gesprengt und verzehrt worden wäre**). Eine Trennung der Holzschichten wird auch bei Lärche *) Ob vor der Mündung solcher Markstrahlcanäle auch in der Bastschicht noch Harzcanäle liegen, wage ich nicht zu behaupten, da die Holzcanäle zu unregelmäfsig sind, (ienug, es sind in der Rinde Rarzbehälter, und zwar in der innern, wie in der äufsern; weitere Specialitäteu ihrer Stellung dürften hier auch unwichtig sein, sie werden ja auch durch meine Be- schreibung aller pathologischen Verhältnisse erhellt. **) Dies Stück stammt aus Arnstadt in Thüringen, wo viel aus dem Gebirge kommendes Holz gebrannt wird. Als ich eines Tages im September 1864 über einen Hof gehe, wo Holz gehauen wird, sehe ich auf der schneeweifsen Fläche eines Holzscheites jenen gelben Harzfleck, der, obgleich das Holz noch nicht lange gefällt war, schon Bernsteinhärte und Durchsich- tigkeit hatte. Die Holzhauer, welche ich befragte, erachteten dies auch für eine Seltenheit, sagten aber, man achte genau dar- auf, da diese Harzgallen, so lange sie noch frisch und flüssig seien, als Arznei sehr geschätzt W'ären. Von einer Infiltration kann hier kaum die Rede sein, vielmehr dürften folgende Umstände für Desorganisation der Membranen (I. 91) sprechen. 1) Der Fleck ist ganz circumscript und rund und an den Rändern das Holz wie ausgenagt, und 2) hat das Holz der Umgegend keine BraunfärbuBg, die auf Zuleitung von Harz von fernher hindeutete, und 3) sind die anatomischen Verhältnisse der Umgegend von der Art, dafs man daraus auf locale Anomalie zu schliefseu berechtigt ist. Man sieht hier — also auf der, überdies §. 2. Anatomie, Physiologie, Patuologie. 5 (s. dort) bewirkt, obijrloich hier das Harz ganz flüssig ist. Ueber walire, grofse, vertikale Ilarzcanäle mehr bei histrionami und besonders im §. 2 des Wildscliälcns : in beiden Fällen zeigen die patholo- gischen Canäle mit ihrer Umgebung merkwürdige Verscliiedeiiiieiton (Taf. 3(5. Fi^r. 8"). Was ich noch vom Holze zu sagen habe, betrifft zwar eine ili Isbildung, aber sie kann doch so häufig vorkonnncn, dals man sie, besonders in gewissen Jahren, fiir Normalbildung halten könnte. Ich meine die durch Spätfröste verursachten Verdoppelungen, die ich im Jahre 1866, dessen Charaktei-istik ich bei den Ijaubhölzern weiter nachzusehen bitte, so häufig fand. In unserm Forstgarten und auch an Schlesichen Tannen, die ich wegen Schäluntersuchungen erhielt (Taf. 36, Fig. 7"), gab es aufser Laubhölzern auch unverfrorene Tannen, und, da an diesen der Jahrrin"- nor- mal w^ar, so mufs ich die abnorm verdoppelten von jenem Frostereignils herleiten. Auf die 65er Breit- faserschicht folgt nämlich, wie gewöhnlich, Ivundfaser (Fridilingsholz), indessen nicht allmälig in das folgende Herbstholz verlaufend, sondern nach 6 — 12 Reihen plötzlich eine Störung durch eine Netz- zellen-lt cihe andeutend, welche ich um die ganze Peripherie des Triebes verfolgen konnte, nach welcher daiui der übrige Jahrring wieder seinen normalen, gereiht zelligen Verlauf nahm. Li einem kräftigen Kronast hatte z. B. im drittletzten Absatz der Vorfrostabsatz 10 — 12 Zellenreihen, der Nach- frostabsatz (iO — 70. Jene Theilungs- oder Netzzellen-Linie rührte von einer Abnormität der Zellen her und war noch sicherer an einem Absatz der Markslrahleu zu erkennen, die hier plötzlich gegabelt (Gabelstrahlen) auftraten, bald die Gabel nach der Innen-, bald nach der Aulsenseite des 66er Ringes wendend. Unter Netzzellen verstehe ich, dafs dieselben hier nicht so regelmälsig gereiht sind, Verdickungen besonders in der Gegend der Gabelanfange zeigen, u. s. f. Auch ist sehr auffallend, dals ein- zelne Oe ff nun gen sich hier zeigen, die doppelt und dreifach so grofs sind, wie gewöhnliche Zellen- durch deutliche Spiialstrcifiing der Uolzzellen (contra Schacht p. 1S8) ausgezeichneten Tangentialflfiche, auf welcher der Ilarz- fleck an der Grenze von Braun- und Weifsholz ausgebreitet ist — zwar auch normale Jlarksfrahlen: die meisten aber sind ganz abnorm oval und lassen 40 — ÖO Zellen, in deren Mitte oft der Harzcanal noch besonders markirt ist, sehen, oder es laufen 2 Reihen parallel neben einander her. Nicht alle haben einen üarzcanal in ihrer Mitte, sonst hat derselbe ein bedeutendes Lumen (3— G mal so grofs wie die andern Zellenöffnungen). Auf dem Radialschnitte sieht man, merkwürdiger Weise, keine Braunfärbung, die auf Harz deutete, sondern nur einzelne Markstrahlen erscheinen da, wo der Harzcanal in der Mitte verläuft, etwas dunkler. Gehe ich mit meinen Schnitten einige Jahrringe weiter nach aufsen, so bemerke ich keine der erwähnten .\no- malien. Offenbar hängt hier die Harzgalle mit der Vergröfserung der Markstrahlen zusammen. Auf dem Radial- schnitt sind selbst in dem kranken Ringe die Reihen der Holzzellen nicht gestört und sie kommen erst unmittelbar an der Stelle der Galle in Unordnung: hier zeigt sich eine Scene, die ich am ersten mit der bei Birke beschriebenen und gezeichneten Tergleichen möchte, d. h. man sieht hier ein unregelmäfsig maschiges Zellgewebe, w'elches sich bis in die nächste Weifsholz- schicht erstreckt. Harzcanal-Oeffnungen, wie sie sonst bei normalen andern Nadelhölzern erscheinen, sah ich inmitten die- ses kranken Gewebes, wie auch in der nächsteu Herbstholzschicht, die dann aber sehr braun, sonst normal gebaut war. Iias kranke Gallengewebe liefs sich nur unvollkommen beobachten, da es ganz voll Harz steckte, welches sich nur unvollkommen entfernen liefs. Ich sprach vorher von Infiltration. Bei andern Gelegenheiten ist eine solche wohl anzunehmen, wenigstens erwähnt ihrer H. v. Mohl in seiner trefflichen Abhandlung über die Gewinnung des venetianischen Terpenthins (ßot. Zeil. v. J. 1859, p. ä40J. .In den älteren Jahrringen der Nadelhölzer kommt das Harz auch als infiltrirte Substanz vor, welche die Zellenmem- branen durchdringt, parthienweiso die Höhlungen der Prosenchy mzellen vollständig ausfüllt und sich in Spalten des Holzes ansammelt. Ks tuulet dieses uicht nur bei denjenigen Nadelhölzern Statt, welche Uarzcanäle im Holze besitzen, sondern es kann eine solche Infiltration der älteren Schichten auch bei solchen vorkommen, welchen sowohl die senkrechten als die horizontalen Ilarzcanäle fehlen, wie die Tanne zeigt, bei welcher häufig nicht nur die abgestorbenen, im Stammholze stecken- den Ueberreste von Aesten, sondern auch die inneren Ilolzscbichten des unteren Endes der noch lebenden älteren Aeste voll- ständig mit Harz getränkt sind. Da dem Holze der Tmwe die harzerzeugenden Organe fehlen , so mufs das die abgestorbenen innern Holzschichten infiltrircnde Harz von der Rinde oder von den Blättern abstammen. Auf welche Weise dieses Harz zu den inneru llolzschichlen gelangt, ist schwer zu sagen; es wird aber kaum zu bezweifeln sein, dafs die .■Vblagerung desselben in Verbindung mit dem -Aufhören der Vegetation in den innern Ilolzschichten und in der damit in Verbindung stehenden Ver- minderung des wässrigen Zellsaftes in den Zellen derselben steht." Ich komme bei der Lürrh- ( §. .> grofse Note) wieder auf das Verkicnen der im Holze bleibenden Stumpfe der abgehauenen Aeste, und bemerke hier nur noch, dafs Pfeil dasselbe auch schon bei Tanne kannte (krit. Dl. i7. 1. p. 16) — wieder physiologisches Verdienst! € Dritte Holzaut: Tanne. inündunTen ; überdies sind einige von einem Kranze kleinster, meist dunkler (verstopfter) Zellen um- geben und es scheint demnach, als wenn Absonderungen hier vorgingen - rudinientiire Harzcanäle? Grund genug also znr Erklänmg der Brüchigkeit, welche ein feiner Schnitt unterm Mikroskop in der Gebend der Netzzellenlinie oft zeigt. Wenn ich von der Tangentialseite aus bis in diese Schicht der Gabelgegend ging, fand ich das Ausgehende der Markstrahlen auch verändert: sie erschienen mir zellenreicher, öfters oval, oder auch geschwungen, und öfter mit einem deutlichen Harzcanal in der Mitte. — Ein dunkler Schatten läuft öfters inmitten eines Jahrringes kreisförmig: man hüte sich, ihn für Verdoppelung zu halten. Ich komme nochmals auf die Ursachen zurück, die ich mit dieser eigenthümlichen Bildung in Zusammenhang gebracht habe, Frost war es sicher diesmal, der einen kurzen Stillstand der Ve- getation, eine Intermission erzeugte. Glücklicherweise gab es auch einzelne erfrorene Fichten, sogar Lärchen, und ich konnte an diesen dieselben Erscheinungen, wie bei Tannen wahrnehmen, und zwar mit manchen interessanten Modificationen. Endlich bringe ich damit auch den Befund einer vor Jah- ren untersuchten Kiefer in Verbindung, bei welcher der letzte Ring verdoppelt war, Gabelstrahlen etc. hatte. Wahrscheinlich war aiich dies ein Product der Spätfröste, denn ein Sjähriger Wipfel einer Frost-Kiefer anni 18G6 von Hrn. Hochhäusler zeigte dieselbe Bildung. Ich mul's daher schon jetzt, zugleich im Hinblicke auf Frost-Lärchen, für alle Nadelhölzer das allgemeine Gesetz der eigenthüm- liehen „Weifsholz-Verdoppelung mit Gabelstrahlen" hier aussprechen. An der H. 'sehen Kiefer war der 66er King fast stärker als der 6.5er, denn er hatte ca. 20 Zellenreihen vor und 60 nach dem Froste angelegt. In dieser Stärke fand sich wieder die Wirkung der Blattmenge (I. 118 und Taf. 1", Fig. 5), und zwar ausgehend von 16 Scheidentrieben des Jahres 1866, welche einen wahren Besen bildeten und während ihrer Entwickelung erfroren waren, so dal's : der Triebe normale, dann am letzten J erfrorene, immer kürzer werdende (stufige) Nadeln zeigten. Den ersten Fall von Weil'sholzverdoppelung an der Kiefer hatte ich auf Rechnung der gleichzeitigen Johannistriebe ge- bracht; ich komme aber davon zurück und deute auch jenen auf Frost, der mir damals entging. Denn die seitdem wieder untersuchten Johaunisringe zeigten nicht Verdoppelung, wohl aber stets grofse Breite, so noch kürzlich ein non plus ultra eines Fichtentriebes mit 20 Johannistrieben (deren längster bis 6") und 150 Zellenreihen des Oberringes, aber sehr wenige Harzcanäle*). *) Ich möchte bei dieser Gelegenheit meine neuen Entdeckungen mit kurzen Namen belegen und zunächst hier den Begriff von Doppelringen in Anspruch nehmend, die Erscheinung beim Nadelholze , Weifsholz-Verdoppelung' nennen, für die älteren aber, welche Rund- und Breitfaserschicht repetirt, „Ring-Verdoppelung" sagen. Bei meinem A7e/inischnitt ist der 1. Ring grofs und normal, aber gröfstentheils aus Braunholz bestehend. Beim 2. und 3. ist die (durch Gabelung der Mark- strahlen angedeutete) Intermission an verschiedenen Stellen eingetreten, selbst mit Wiederholung der Reihen von llarz- canälen, was zu erwähnen nicht überflüssig sein dürfte. Die Modificationen, deren ich vorher bei den FiD.st-Firhien erwähnte, sind so wichtig, dafs ich an sie einige physiolo- gische Betrachtungen, selbst mit Herbeiziehung des Laubholz -Frostes, knüpfen möchte. Der 66er Ring hatte nämlich bald seine normale Breite, wie es ja bei erfrornen wintergrünen Nadelhölzern meistens der Fall ist; bald aber war er schmaler. Letzteres fand sich au einigen jungen Fichten, welche zwar eiuen neuen Wipfel getrieben hatten, aber an einzelnen Seitenzwei- gen, die ich eben untersuchte, auch nicht einen einzigen neuen Trieb bekommen hatten: die bis Ende Mai getriebenen kleinen Blattbüschel hingen geschwärzt noch im December an allen Zweigelchen eines 3jährigen Seitenastes, und aufserdem waren im August nur 3 kümmerliche Ersatztriebe entstanden. Die normale Ringbreite des ersteren Falles fand sich nur da, wo im Juni noch einige kräftige Zweige erschienen waren, besonders aus Terminalknospen, welche vor dem Froste noch schlafen. Da diese verspätete Terminalentwickelung bei den Tannen Regel ist (s. I. p. 85, 217), so suche ich darin auch den Grund, warum sämmtliche von mir untersuchte G6er Ringe der Tanne die normale Stärke hatten. Vergleichen wir nun damit den Laubliuh-'Frost, so ergiebt sich folgender Unterschied: 1) hat er nur selten Verdoppelung zur Folge, und 2) erzeugt er immer einen schwächeren Ring, der nur bei sehr grofser Blattfülle einem normalen Ringe sich nähert. Theorie: Beim Laub- holze trat anno 1866 bis zum Treiben neuer Knospen und Blätter eine Pause der gänzlichen Holzunthätigkeit ein, deren Be- deutung Unger ahnungsvoll prognosticirte (1.29), und erst später eütstand der 66er Ring, der also klein bleiben mul'ste. Beim Nadelholz entstand gar keine Pause, und die Cambialthätigkeit wird nur für einige Zeit verwirrt — Netzzellen nannte ich die Linie, weil sie mehr einem Netze als einer geordneten Zellenreihe ähnelt: es sind Altnadeln genug da, um den Holz- §. 2. Anatomie, Physiologie, Pathologik. 7 2) Die Kinde. Sie ist aiisgezeiclinet durch Harz rcic-litlnnii, Lederkorkbildung und, in Folge einer Metamorphose, durcli Entstehung einer Steinhorke, wofür die Braunfleckigkeit in junger Kinde zurücktritt, im Verhältnil's zu andern Nadelhölzern (I. p. 90). Diese Eigenschaften zusammen unterscheiden die Tanwew-Kinde von den Kinden aller übrigen Nadelhölzer, wie auch der Laubhölzer, denen sich die Tanne in dieser Hinsicht jedoch mehr als ein anderes Nadelholz nähert. Unter den Laubhölzern nämlich hat die Buche auch Lederkork- und Steinzellen, wie die Tanne, aber sie hat Bast- bündel und Harz fehlt ihr. Der Harz reichthum ist das wichtigste Merkmal, und dies hängt mit der Lederkorkliiidung zusammen. Nachdem nämlich schon im ersten Jahre die Epidermis abf'e- storben und durch dünne Periderm-Schichten ersetzt ist, wird dies letztere alljährlich von innen her nachgebildet, ohne dal's ein Abblättern der ältesten Schichten, wegen lederartiger Dehnbarkeit derselben, nach aul'sen erl'olgte. Die meisten Anatomen wollen hier also auch nicht den Ausdruck „Borke" gel- ten lassen. Ich bin jedoch mit H artig dafür, auch bei der Tanne von Borke zu sprechen. Der Schutz, den hier die Lederhüllc ausübt, manifestirt sich am Stamme auch sofort dadurch, dals die Harz- canäle, welche in grol'smündiger Keihe schon im ersten Jahre da sind, auch bleiben, während sie bei andern Nadelhölzern und auch bei der abblätternden Wurzel der Tanne bald verloren gehen. Was ferner mit diesen Harzbehältern geschieht, scheint mir nicht ganz sicher ausgemacht, wird aber von Schacht so aufgefafst. Die (vertikalen, mit Harz und Luft gefüllten) Canäle, welche bis zum 70 — -SOsten Jahre bleiben, nennt Schacht (Baum 211) Harzgänge. Sie sind dann in der Kegel unkenntlich geworden und das Harz hat sich in gröfsern Zellenlücken gesammelt. Diese nennt Schacht „Harz- beulen"*): «runde Erhebungen der Kinde, welche sich gegen einen mäfsigen Druck elastisch veriial- ten und geötthet ein weil'ses, dickflüssiges Harz entlassen-. Wie veränderlich dieses Verhalten der Kiude, sowie das der bald glatten, bidd (im höheren Alter) borkigen Kinde überhaupt ist, lälst der tamienkundige Autor gleich folgen, indem er den Namen „Glastannen" für alte, noch glattrindige Stämme anführt, und von den „Borke uschuppen " der andern Classe sagt: „ihr nicht abblätternder Lederkork ist mit einer glatten, weifsen Oberfläche versehen, widircnd bei Fichten die viel kleineren, abgerundeten, schildförmigen Borkenschuppen noch mit kleinen, abblätternden Periderma - Schüppchen bedeckt sind." ring nach kurzer Unterbrechung fortzusetzen, und ihre Mitwirkung bei dieser Arbeit wird auch durch diesen pathologischen Procefs wieder erwiesen (vgl. Taf. 16, Fig. 3J. Kommt später noch ein kräftiger Neutrieb hinzu, oder deren mehrere, so wird der Ring um so vollständiger. *) Auf die Ansicht von der Natur und Entwickelung dieser Organe wollten wir schon verzichten, wenn nur wenigstens die Uebereinstimmung von Namen einigermal'sen die gleichwerthigen Organe andeutete. Leider vermissen wir diese auch hier, wie bei mancher andern Gelegenheit. Was unser verehrter Freund und Fachgenosse Hartig .Terpen- thinblasen" (Jahrtsber. v. lü'-il , p. Iö4 und später C'uU.p.36) nennt, ist wahrscheinlich nicht dasselbe, was Schacht unter Uarzbeulen versteht. Mo hl glaubt in Ilartig's Terpenthinblasen nicht ätherisches Gel annehmen zu müssen (1. 1. 330). Leider fehlt aber noch in anderer Beziehung Uebereinstimmung in den Angaben der genannten drei Ilerren, und dieser mufs ich, da sie den praktischen Nutzen betrifft, noch besonders erwähnen. .Schacht nimmt seine Harzbeulen nur in älteren Bäumen an (s. Text), und Ilartig läfst sie, wie es auch anderwärts scheint CCu/(. /). 5C_), schon (oder nur?) in jüngeren Bäumen entstehen. H. v. Mohi (Dvt. Zeit. p. o41) sagt Folgendes: .Aus dem Umstände, dafs bei diesen Bäumen die Uarzcanälc in die Borke übergehen, erklärt sich die Thatsache, dals die Weifstanne nur im mittleren Alter auf Terpenthin benutzt werden kann, in- dem bei zu jungen Bäumen die Uarzbeulen noch nicht vorhanden, bei alten Bäumen wieder verschwunden sind. Daher kann (wie Duhamel 1. c. L 10 anführt) ein Baum nur während der Zeit, in welcher er einen Durchmesser von 3 — 10" besitzt, auf Terpenthin benutzt werden. Natürlich kann bei alten Bäumen, bei welchen der untere Theil des Stammes mit Borke über- zogen ist, der obere, noch jugendlichere Theil des Stammes auf gleiche Weise Terpenthin liefern, wie bei jüngeren Bäumen der untere Theil des Stammes." Gegen diese Mohl scheu Bestimmungen würde ich jiur einwenden, dafs sie den Zeitpunkt der Terpenthinbenutzung nicht genau genug angeben. In der Ebene — wie z. B. in unserm Forstgarten — zählen 3 — 4" starke Bäume höchstens 30 — 4Ü Jahre, und es giebt lOzöllige, welche auch nicht viel älter sind. Diese haben, wenn sie wüchsig sind, erst geringe, gewil's nicht nützbare Andeutung von Blasen, und nur bei unwüchsigen bilden sich kleine, ärmliche Blasen, die auch wohl glänzen und das Harz in kleineu, klaren Perlen auf der Rinde absetzen, — Krankheitszeichen! Am sichersten er- scheint mir demnach die S chacht'sche Angabe von 70— ^0 Jahren: ein Alter, in welchem wüchsige Stämme auf Normalboden am gesundesten sind und nie Terpenthin geben, ohne krank zu sein. 8 Dritte Holzart: Tanne. Hiermit wäre also die wichtigste Eigenschaft der Rinde, nämlich ihr Verhalten zu dem Inhalte an Harz, welches einen so wichtigen Handelsartikel ausmacht — Strasbiirger Terpenthin oder Canadi- scher Balsam., was ziemlich dasselbe ist (s. auch Lärche) — , für jetzt hinreichend erledigt, und ich habe dann nur das Pathologische noch beim Schälen kurz zu erwähnen. Es bleibt dann aber noch ein anderer, Eingangs schon erledigter Punkt, der den Namen Steiaborke hervorrief, übrig. Der Name rülirt von Hartig her und ich nuils ihn, obgleich 6r ihn bei der Tatme (CuH. p. 36) nicht in Anwen- dung bringt, dennoch auf diese beziehen. Irgendwo anders wird aber, wie ich mich erinnere, auch die Tonne in der Reihe der Hölzer, welche Steinborke haben, angeführt. Die Tanne stimmt also in zwei Punkten, nämlich der Bildung des Lederkorkes und der Steinzellen, mit der Buche überein (s. dort). Bei jener bilden sich, wie bei letzterer, allmälig helle, schon lupisch auf Querschnitten erkennbare Zellen aus, welche sich bis zum späten Alter, an Schällappen der Tanne schon viel früher, so vermehren, dafs die Rinde auf Horizontal- wie Vertikalschnitten wie gepflastert aussieht. Ihre stei- nige Härte — denn die Armzellen-Natur beider Tatme (Hartig und Sc hacht) erscheint mir nicht so erheblich — veranlafst zu der Annahme eines den Schutz befördernden Nutzens. Jedenfalls sind sie, an ihrem braunfleckigen Kern bis in die äulseie Rinde kenntlich, metamorphosirte Organe, welche aus Siebröhren entstehen und den Charakter von festen Bastzellen, die der Kiefer und Fichte fehlen, bald annehmen und sich früher oder später zu kleinen Gruppen oder Nestern ordnen. Harti g (Jrt/t;-. p. 134 und Cnlt. p. 36) sagt hier Riudengefäfse. Schacht (1.1.210) im WesentHchen dasselbe: „an Statt der verschwindenden Siebröhren treten Gruppen stark verdickter und versetzter Zellen auf, die wahrscheinlich (!) aus oder in ihnen entstanden sind." Gewils sind sie nichts anderes, als die von den Pharmakognosten „Bastfasern" genannten Organe der Chinarinde, in welchen das Lumen Anfangs noch vorhanden ist (Phöbus, cinchonolog. Notizen p. 15), weiter nach aul'sen aber schwindet, also in verschiedenen Zonen! — Die pathologischen Veränderungen besonders beim Wildschälen nachzusehen. Ueber das Mark, welches man schon lupisch untersuchen kann, sagt Hartig noch einige Worte, verbindet dabei aber die Charakteristik der Fichte und Tanne: beide haben, aljweichend von den lan"-streckigen Markzellen, kurze, dickhäutige, und in diesen Schichtzellen allein scheidet sich Stärke ab. §. 3. Verzweigungs- und Verwallungsfehler. Beide gehen bei der Tanne oft Hand in Hand. Im Grunde weifs man ja bei keinem der krank- haft veränderten Hölzer sicher; ob man mehr auf das Innere oder mehr auf das Aeufsere geben soll, ob z. B. bei der Entstehung neuer Harzcanäle im Holze dieses primär die Ursache ist — vielleicht Dehnung durch veränderte Ringform — , oder erst durch den Wipfel und seine abnorme Ernährung dazu disponirt wurde. Die Wirkung der erfrorenen Maitriebe auf die Doppelringe der Tanne setzt jenen Reflex aul'ser Zweifel. Verzweigung und Verwallung werden hier daher als Anhang zur Physio- logie und als Einleitung zu den Feinden und den durch sie hervorgerufenen Beschädigungen vereint vorgetragen, und zwar gerade hier; denn es zeigt keine Holzart mehr Neigung zu Abweichungen, die man halb zu den gewöhnlichen Erscheinungen rechnen mufs, als die Tanne: sie schliefsen sich au die schon in §. 1 erörterten und später wieder zu besprechenden lebhaften Reproductionen au. Der Forstmann mul's hier Scharfsinn tnid Erf:ihr\nig aufbieten, um in allen Fällen von Abnormitäten die Winke der Natur zu verstehen, z. B. bald das Holz zu schonen da, wo das Verderben nur scheinbar ist, bald aber auch wieder zur rechten Zeit selber zu vernichten, wo nichts mehr mit Vortheil gerettet werden kann. Einige Beispiele mögen den Sinn dieser kurzen Worte näher darthun. So beschreibt uns v. Massow (Schles. F. Jahrg. 1847, S. 106) die herrlichen, 3 — 5 Klaftern gebenden Baumriesen des auch in meinen „ßeisew" (p. 3t4 f.) geschilderten Schlesischen Reviers Carlsberg als aus unterdrückten Pflanzen hervorgegangen, die in den ersten 100 Jahren selten die §. 3. Verzweigungs- und Verwalllncsfebler. 9 Höhe von 10 — 15' und den Stammdurchmesser von 6 — 12" überschritten und dann einen dunkel braunrotlien, sehr festen und scliweren Kern zeigten, der sich aber nach dem Fällen bald vom übrigen Holzköriier trennte. Auf solci)e Erfiiirungen ful'send, ermahnt er zum sorgfiiltigen Schonen des auf den Schlägen stets vorfindlichen Töwnew-Anflugs, wenn solcher auch noch so verkrüppelt und unschein- bar ist; denn schon meist im 4. Jahre nach der Freistellung zeigt sich der Anfang eines Höhentrie- bes*). Dagegen In'lrcn wir auch wieder von besonders in luiregelmäl'sigem Plänterbetriebe (des Zobtens) vorkommenden Ptlan/.eii. die meistens zu lange im Druck gestanden haben (Wegen er in Scliles. F. J. 1830. S. 330). Hier werden ähnliche Vegetationsverhältnisse die Erklärung gelten . die ich beim Verbeifsen besclirieben und abgebildet habe. Je mühsamer manche Künnnerer, wenn sie nur gesunde und reichliche Benadelung haben, sich aus Dickungen hervordrängen müssen, desto schöner und kräftiger inid früh gereinigt erscheinen später die Stämme (meine .,ße(sen" auf dem Riesengebirge S. 425). Wie schlecht mul's daher gerade der Tanne die plötzliche Entnadelung des Wipfels bekommen (s. hislrionana'). Was für einen Contrast geben ferner die bei uns in Pflanzgärten erzogenen Tannen, noch dazu, da sie hier, ohne schützenden Oberbaum, oft von Spätfrösten hart angegrifl'en werden, wie z. B. auf den Saatkämpen des Neustädter Forstgartens. Sie erreichen daselbst allerdings in 20 — 30 Jahren schon eine ansehnliche Höhe, sehen auch sehr stattlich aus, zumal im Schluls erzogen. Wie bald hat es damit aber ein Ende, besonders wenn man denkt, durch Verpflanzen ihnen einen bessern Wachsraum zu verschafien. We- nigstens hat man jetzt das ^'ergnügen, allerlei seltsame Bildungen zu studiren und auch hier wieder das Gesetz vom Gleichgewicht abermals bewährt zu finden. Am interessantesten waren mir 12jährige Stämme, welche im Jahre 1861, als sie schon trieben, verpflanzt wurden. Einige derselben kümmer- ten im Pflanzjabre am meisten und brachten nur Bürstennadeln (vgl. über diese Verbeifsen 55. 1 Schluls). Andere trieben 2 Jahre ziemlich kräftig imd blieben im 3. Jahre auffallend zurück. Dafür brach ein anderer ganz blalsgrflner Trieb (Nachtrieb, wahrscheinlich aus Proventivknospen) an an- dern Stellen hervor, nämlich am 58er bis 61er Holze (Nachtriebe). Ich habe aber bei normalem "Wüchse nie gesehen, dafs das alte Holz noch nachträglich so treibt: immer entwickeln sich die Zwi- schenquirl-Knospen, z. B. des 62er Triebes, wenn der 63er schiebt. Zurückbleibende Kjiospen ver- trocknen. Unter den Verzweigungsfehlern s])ielen mehrere Deformitäten noch eine Rolle, welche auch bei andern Hölzern vorkommen und mit Hexen und Schlantjen in Verbindung gebracht werden, die aber bei der Tanne theilweise eine besondere Erklärung gefunden haben. Der Hexenbesen habe ich schon (1.42) weitläufig gedacht, auch nachher noch ein prachtvolles, durch Göppert's Güte be- sorgtes Exemplar, welches eine grofse Kiste ausfüllte, selber erhalten. Die Mitwirkung von kleinen Pilzen ist hier aufser Zweifel gesetzt, obgleich sie hier immer noch für Secundärwirkungen gehalten werden könnten. Nachher sandte auch Hr. Hochhäusler solche Zweige. Es giebt dergl. Exemplare, welche grofse Aehnlichkeit mit dem auf Taf. 38, Fig. 2 al)gebildeten Zweige haben. Die aus der Keule entspringenden Zweigelchen sind 3 — 4jährig und stehen theils einzeln, theils in mehreren, von gemein- schaftlichem Punkte ausstrahlenden Büscheln. An letzteren, die überdies am Hexenbesen schwammig sind, haben die Nadeln auf der Rückseite die kleinen, gereihten, gelblichen Pilzflecken, welche fast den Eindruck, wie die braunen Häufchen (sori) auf den Blättchen der Farrenkräuter machen. Der Name Schlangentanne existirt noch nicht; es giebt aber in der That dergleichen und zwar beschrieben von v. Holleben (Thar. Jahrb. Bd. 2, S. 98 f.). Ursachen des sonderbaren „gedrehten •) Pfeil mitersucht die Physiologie der plötzlich /.unehmcnden Jahrrinjic auf seine Art, d. h. er vergleicht Jea Einflufs der Benadeliinp von Tnnnc nnd Fickie mit dein der nadcl- und zweigarmen Kiefer. Bei Tatmc und Fichte werden ganze Massen G — lOjähriger Nadeln und lange dauernder Zweige, die bis dahin im .Schatten unthfitig waren, plötzlich für den Zuwachs wieder wirksam. Daraus die Lehre für die Taxations - Instruction: „nicht bestimmte Zuwachsprocente im baubaren Uolze, die nicht überstiegen werden sollen, vorzuschreiben" (kril. Bl. XVII. 1. p. 168/.). II. 2 10 DitiTTE Holzart: TAN^^:. Ansehens" waren damals nicht aufzufinden. Kürzlicli erhielt ich durch Hrn. Hoch hausier eine Schlangen-FJcÄ/e, welche, wenn man sie aus den für die Versendung zerschnitteneu Zweigen zusammen- setzte, einer langästigen Traueresche glich. Ich komme nun zu den fehlerhaften Verwallungen, welche uns wieder eine andere Reihe interessanter, auch für Physiologie wichtiger Erscheinungen bieten und theils von der Natur selbst ein- geleitet, theils durch menschliche Eingriflfe veraulafst werden. Ich schlielse hier Schälen (wie vorher Verbeifsen) noch aus, und erlaube mir bei den Erklärungen nur einzelne Seitenblicke auf jene. Im Ganzen weils ich auch, hinsichtlich der ursächlichen Momente, wenig Neues zu dem im Eingange die- ses Paragraphen Geäufserten hinzuzufügen. Die Rolle, welche das Holz in seinen Uebergängen von Papierschichten zu fingersdicken Lagen spielt, ist wohl ebenso sehr eine von höheren Einflüssen ab- hängige, wie die der Rinde, welche ebenso schnelle Uebergänge von Papierglätte zu rissiger Borke bildet (Beispiel aufTaf. 38 zu finden). Einflüsse von Harz bald vorhanden (s. Schälverwallung), bald, wie beim Fenstern, fehlend. Hier habe ich also zunächst Sesia vor Augen gehabt, mein Auge schweifte aber auch weiter umher, wie namentlich zu den grofsartigen Keulen vcju Knappe (Schles. Forslver. Jahrg. 1844 und 1842. Taf. i abgebildet) — etwa das, was wir bei dem Holzschnitte später an dem Wurzelknoten sehen. An einem 45' hohen Stamme reichte die Verdickung von ca. 8' bis 28' Höhe. Ob hier Insekten wohnten, wird nicht gesagt, sondern nur angeführt, dafs der Keulenabschnitt des Stammes zu Nutzholz nicht brauchbar gewesen sei, vielmehr wegen fest verwachsener Holzfeseru durch Pulver hätte gesprengt werden müssen. Dagegen sind meine Keulen (Taf. 37) noch Kinder, aber auch sie stempeln die Tanne durch ihr Erscheinen zum originellsten l^aume, machen einzelne In- dividuen zu wahren Pflanzen-Cretins! Hier schliefsen sich am besten Stockverwallung und Stamm Verwachsung an. Für beide liefert die Tanne die auffallendsten Beispiele, ja früher war um- von ihr die Stockverwallung bekannt (Hartig in Botan. Zeit, von 1858, p. .'iJO und meine Abhandlung in Veihandl. des Schles. Forslver. 1800. p. 130 und J. 1862) und auch jetzt noch wissen wir von keinem andern Baume, dafs er neben diesem Geheimzuwachs auch Triebe aus dem Stocke, vielleicht gar Stämme (s. Stock) bildete, wie sie auch unsere physiologische Sammlung aufzuweisen hat (Göppert, ,.Ueberwallutu/'\ Taf. III. Fig. 15). Es ist in diesen und andern Schriften und im mündlichen Vortrage der berühmtesten Forst- männer (v. Berg, Nördlinger, Pfeil) und Botaniker (A.Braun) schon so viel für Zusammenhang von Zehr- und Nähr stamm beigebracht, dafs es kaum noch weiterer Beläge für diese Ansicht bedurfte, ja ich halte sie nicht einmal für Ausnahmefälle, welche die Vertheidiger der isolirten Stock- verwallung etwa geltend machen möchten, für berechtigt — die Cytoplastik leistet hier nichts! Um indessen die Theorie von allen Seiten durch die forstliche Praxis zu beleuchten, führe ich hier noch desfallsige Mittheilungen eines aufmerksamen Forstmannes, des Hrn. Ilochhäusler an. „Verwallung (auch an Fichten, Lärchen, Weymouthskiefern] ereignet sich nur auf noch bestandenen Flächen, wo blos einzelne Stämme herausgeschlagen wurden. Sobald die Nährstänuiie gefällt werden, hört die Verwal- lung gewöhnlich schon im '2. Jahre auf und die Stöcke werden trocken. Auf schon in früheren Jahren kahl abgetriebenen Flächen wird nie ein noch vegetirender Stock gefunden. Am leichtesten erfolgt die Verwallung, wenn das Holz aulser dem Wadel im Saft gefallt wird und die Wurzeln recht stark und kräftig sind*). Die Stammverwachsung ist nichts als eine Vereinigiuig von Zehr- und Nährstamm und wohl geeignet, das eben erwähnte Verhältnifs der Stockverwalinng zu bekräftigen. Ich habe von solchen Verwachsungen schon im ersten Bande (z. B. p. 26) bei Gelegenheit der Saftcirculation gesprochen, komme hier aber wieder darauf zurück, weil der Berichterstatter (Akademiker Ruprecht zu St. Peters- *) Eine Illustration wird hier am liesten hergehören. Ich gehe sie nach einer Zeichnnng von Hoehhiuisler, auf welcher Nähr- und Zehrstamm dargestellt sind, wie ich sie noch nirgends sah. Wnrzelverwachsimg hat an o Stellen Statt ge- funden. Die Verwallungsmasse tritt bereits über die Ränder der Hiebsfläche hinaus. §. 3 VEnzwFiGiNGS- l:^D Verwai,i.in(;skee)leh. 1 1 biirg) die Sache besonders ausführlich vorge- trarjenniidaucli iliu.strirt liat — eineCopio gebe icli neben (br 8t<)ekver\v;iliung*). Im Parke von l';i\vl(iwsk wächst eine starke Tanne in Begleitung einer seliwiieliereu. weiche aber wahrsclieinlieii gleicii alt nnd nur durch Un- terdrückung im Wüchse zurückgeldieben ist. Letztere schwebt, von mehreren Aesten des starken Stammes getragen, inmier noch vege- tirend in der Luft, denn ihr Bein wurde vor Jahren abgesägt. — Ruprecht läfst den „rohen Saft" ans dem starken Stamme durch den untersten, mit dem Schwebestamm verwachsenen Zweig in jenen übertreten, aber ihn ausgearbeitet nicht wieder oder nur zum geringen Theile auf demselben Wege zurückfliefsen. Nur gegen den letzten Passus Heise sich einwenden, dal's, da der Schwebe- stamm noch seine Krone hatte, in dieser die Ausarbeitung erfolgen und der präparirte Saft daher auch in seiner Rinde ebenso, wie in allen Normalstämmen herabsteigen mufste. Es konnte auch nur dieser präparirte sein, ^ , ^^ der die Anschwellung des Stummels bewirkte, /~X ^^^W ""'^ ^'"^' ^'o^"*^i'""'i<'''keit in diesem Falle: "^ ' dal's jeucr noch i)is über den untersten Zweig hinaus und nicht in diesen hinein iz'ms. Denn an unserer (von v. Wassers ch leben gezeichneten) Zaiidiammer- A'if/er, die noch steht und ihren Fufs hat, ist letzterer im Laufe der Zeit abgemagert, während die Verbin- dungszweige dicker geworden sind, wahr- scheiidich weil der absteigende Saft durch diese hindurcii in den stärkeren Stamm trat. Schliefslich erwähne ich hier noch der Frost-Tannen, deren anatomische Auffassung in §. 2 geliefert wurde. Der denkwürdige Spätfrost des Jahres 18G6, welcher fast in ganz Deutschland bis zur Donau seine verheerenden Spuren zurückliefs, verletzte unter den Nadelhölzern am meisten die Tannen, ja diese sollen schon einige Jahre vorher in der Schweiz stark von Spät- frösten Erelitten haben {Journ. snisse JS06, p. 23). Die kleinsten 3 — l'ijährigen Pflanzen unseres Forst- *) Der .Schwebestamm {>,) wurde 178ö gepflanzt und lt>3-l entrifs ihm eine Säjre das Hein. Kr liaUe also, als er im Jahre 1858 gezeichnet wurde, bereits 24 Jahre schwebend vegetirt, weil er, wie Ruprecht sagt, schon vorher mittelst des un. tersten Zweiges mit dem Stamme A verwachsen war. In der Zeichnung bedeutet h' den nach dem Absägen übrig gebliebenen und ebenfalls seit 24 Jahren verwallfen Stock. Die aufsteigende Verwallungsmasse hatte in der Zeit aber ,uoch nicht den Rand der Wundtläche erreicht" (1. 1. p. \ii). 2* 12 Dritte Holzart: Tanne. gartens litten am meisten. Am Kronenast waren zwar nur die Seiten knospen des Quirls erfroren und der (später kommende) Mitteltrieb erhalten — also 2 Jahre ohne Quirl ! An den Seitenzweigen da- gegen waren meist Seiten- und Mittelknospen erfroren und die ganze Verzweigung kränkelte. Die Reproduction durch Ersatztriebe war selten, gegenüber manchen (gleichzeitig erfrornen) Fichten, an welchen das junge Gelbgrün überall an Spitzen und Seiten die Johannistriebe schon von Weitem verrieth. §. 4. Die Feinde der Tanne. Auf der Tabelle No. II. meines dritten Bandes sind nur 14 Insekten bei der Tanne genannt. Die Zahl hat sich jetzt verdoppelt, jedoch hauptsächlich nur durch Berücksichtigung solcher Arten, welche, besonders von Nördlinger, als gelegentliche Besucher angetroffen worden sind. Ich habe sie in Parenthesen hier beigefügt. Auffallend ist hier besonders der Mangel an Borkenkäfern, da nur cnrcidens unter der Rinde und lineatus im Holze als sehr schädlich und gewöhnlich vorkommend angesehen wer- den können. Vielleicht läfst sich in der festen, lederartigen Rinde, die im höhern Alter überdies Harz- beulen, die den Borkenkäfern widrig sind, entwickelt, der Grund finden. Die in Band III. 204 be- schriebene Läusekrankheit (Chermes Piceae) hat sich immer wieder, auch im Forstgarten vom 30. Jahre an, gefunden, aber ohne Betheiligung von Borkenkäfern. Unter den polyphagischen Insekten sind im Ganzen mehr Arten, welche zwischen Fichte und Kiefer (wie Curciil. violac. und mehrere Borkenkäfer), als zwischen diesen und der Tanne wechseln, wie histrionana, hercyniana, welche beide durchaus nicht an Kiefern gehen, während piceana wieder an Tannen und Kiefern, alneteUa dagegen an Trieben nur an Tannen und Fichten gefunden wurde. Die dorsana an allen, jedoch häufig nur au Fichte, am seltensten an Kiefer. Chronische Insekten gäbe es demnach nur 4 (mit dorsana deren 5) hier zu beschreiben. Diese sind aber auch interessant und verwickelt genug, da ihre Lebensweise bisher fast unbekannt war, ja die als abieteUa beschriebene Raupe kann noch gar nicht einmal mit voller Sicherheit als hierher gehörig angesehen werden. Die Borkenkäfer, wie den weiter imten zu erwähnenden Rüsselkäfer, wird man am sichersten, wie bei den übrigen Nadelhölzern, zu den acuten rechnen, obgleich gerade die Tanne mehrere Jahre von cnrvidens bewohnt sein kann, ohne dafs sie gleich eingeht. Ich habe mehrmals sichere Nachrich- ten darüber eingezogen, namentlich aus Plänterwäldern Böhmens, wo man die von einzelnen Familien angegriffenen, sonst noch kräftigen Stämme schonte, so lange sie noch grün waren. Ohne Gefahr ist dies Schonen nicht. Ein Gegenstück bringe ich von Hrn. Forstrath Braun. Seine Fichten wurden kürzlich von Hijlesin. micans bedroht; er liefs, obgleich auch hier Beispiele des Ueberlebens da sind (Forslins. I. p. 218), dennoch alle angegriffenen Stangen heraushauen. Herr Graf Matuschka ist auch für den acuten Charakter der vom Borkenkäfer verursachten Krankheiten. I. In oder an Nadeln, Blumen oder Früchten. F. Phal. Bomhijx dispar, Monacha. „ (Geometra piniaria?). „ Tortrix hercyniana, histrionana, rujimiirana. K. Melolonlha? II. In oder an Knospen, Trieben oder Stämmchen. F. Phal. Tinea abietella? y, Tortrix nigricana. K. Curculio Pini, varitis und Hercyniae (a. Wurzelknoten nach Hörnig), cunicular.? §. 4. Die Feindr der Tanne. 13 III. In oder an Stämmen. A. Sirex Gigas. Spertrum. TJ Phal. \octiia qutulra. Sesia cephiformis , Tortrix darsana. H. Chermes Piceae. K. Bostrichus (Abielis, chalcographus N.). „ curridens , lincalus, Piceae, „ {pityograpkus N.), pusilliis. Ciirciilio Piceae*). Ilylesiniis (micaiis), pallialns. Lymexylon dermesloides N. IV. In oder an Wurzeln. F. Noctua valligera (Hr. Grapow). G. Gryllits Gryllotalpa. K. Curculio Pini. Melolontha vulgaris. Das Wild spielt unter den Feinden der Tanne eine wichtige Rolle; besonders erhalten wir durch Schälen und Schlagen wichtige Aufschlüsse über das Leben dieses Nadelholzes und seinen pathologisch abgeänderten Bau (s. dort). Ganz besonders ist unter den Feinden noch zu erwähnen — der Frost! Ich habe ihn wegen der dadurch hervorgerufenen Fehler schon im vorigen Paragraphen erörtern müssen und erwähne hier nur noch, dafs keine Kegel ohne Ausnahme ist. Nach Wilsky nämlich wäre die Fichte am meisten erfroren, nicht die Tanne (Schles. Forstver. 1866, p. 18). Ueber schädliche Nager berichtet hier Niemand — ob nur zufällig? A) Verzwcigungsfelilcr der Tanne. I. Insekten. 1) Der grüne Tannenwickler (Tortrix histrionana). §. 1. Betheiligung verschiedener Arten. Früher war nur histrionana, deren Namenbegründung im 2. Theile (Forstins.) nachzusehen, als sehr schädlich bekannt und piceana nebst hercyniana wurden als unbedeutende Mitfresser bei der Tanne •) Unter den nicht besonders numerirten Feinden der Tanne ist dieser Rüsselkäfer einer der interessantesten. Ich habe ihn bereits (Forstins. I. p. 146 und Taf. V. Fii/. J, auch Taf. Vf. Fig. 6) nach Insekt nnd Frafs vollständig beschrieben und abgebildet, konnte aber damals noch nicht zu sicheren Nachrichten über seine Bedeutung gelangen. Diese fanden sich neuerlich nach und nach ein und bestätigen zunächst die Bedeutung des Käfers als Bestands- und nicht als Culturverderber. Sie kamen ans Schlesien von Herrn Oherf. Osw. Grunert in (Jrafenort und Herrn Förster Hochhäuslcr. Nach beiden würde der Tannen-Rüsselkäfer acute Krankheiten verursachen. 'Herr H. sagt, dafs die befallenen Tannen (starke Bäame) gewöhnlich ihre grünen Nadeln bis nach Entwickelung der überwinternden Larven behielten, dafs man aber rechtzeitig an Herausnahme derselben durch den Sp'^rht erinnert werde. Vertilgung durch Fangapparate wollte nicht glücken, aber an den Stöcken frisch gefällter Tannen liefs sich der Käfer im Frühjahr in Menge sammeln. H Tanne. A) Verzweigungsfehler. I. Insekten. aufgeführt. Letzteres ist auch jetzt ,noch wahr. ludessen sind neue Fresser, die wahrscheinlich der Tanne ganz aliein angehören und früher nur übersehen wurden, hinzugekommen, so iiigricaiia und ruß- milrana. Letztere lebt, wie hislrinnana, von Nadeln, ist also praktisch mit jener Eins, etwa so, wie bei der Kiefer sich lituraria zur piniaria verhält. Aber nigricana lebt in den Knospen , unterscheidet sich daher wesentlich und kann, wie Hr. Houhhäusler zeigt, selbständig auftreten. Sie läfst sich jetzt, da ich sie kenne, auch aus früheren Berichten (Buk), in welchen von Knospeuzerstörung die Rede ist, mit ziemlicher Sicherheit herauserkenuen, es müi'sten denn noch andere ständige Knospen- bewohner auf der Tanne leben, wie das wohl mit der Judeichiella*} der Fall sein könnte, da diese der knospenbewolmendeii Bcr(/ieUa sehr ähnlich ist. Der abielella will ich hier schon erwähnen, aber das, was ich speciell von ihrem Angrift' auf Tannen weifs, erst unter den folgenden Nummern beschreiben. §. 2. Literatur, hrief liehe Nachricliteii und Seuclungeu.' ■ Davon hier besonders zu sprechen, ist wegen der Neuheit des Gegenstandes, der in meinen Forstinsekten nur eben erst angeregt, nöthig und wegen der mannigfachen dadurch erklärlichen L-r- thümer, die sich vielleicht schon weiter verbreitet haben, als mir bekannt ist. Aufser der Schmetter- lingsbeschreibung in verschiedenen systematischen Lepidopteren -Werken, in welchen überdies wohl noch einige diagnostische Unsicherheit herrscht, ist nur wenig über diese Mickler gedruckt**). In meinen Forstinsekten Bd. IL, p. 22S — 2JO5 sind die ersten von Saxeseu herrührenden Nach- richten, die immer noch als Ausgangspunkt für Systematik, Biologie und forstliche Bedeutung gelten müssen, gedruckt. Später habe ich diese in den Waldcerderbern (5. Auflage) erweitert, jedoch mit Rück- sicht auf Vertilgung, einen Fehler begangen, der in einer 6. Auflage schon verbessert wird. Ich hatte nändich hier die Nachrichten aus den Verhandlungen des Scliles. Forstrereins Jahrg. 1859, p. 260 f. auforenommen. Der hier von Tramnitz gebrauchte Name dorsana ist nur ein Schreibfehler: die Nach- rieht aber, dafs in den schon abgestorbenen Beständen Vertilguugsfeuer angezündet worden wären, beruhte auf einem Mifsverständnifs, welches ich bereits in Grüne rt" s forstl. Blättern, H. V. S. 1/9, be- richtigt habe, und zwar nach Hrn. Koch's gefalligen brieflichen Mittheilungen dahin: dal's die Feuer in den noch grünen Beständen entzündet worden seien, um durch den wolkendichten Rauch den Raupen zu schaden. In dem eben erwähnten Grnnert' sehen ausführlichen Aufsatz habe ich auch die Schul tz'sche Controverse erörtert. Hr. Forstmeister Schultz hatte nämlich, da er als Karlsbader Badegast im Jahre 1862 dort mit mehreren angesehenen deutschen Forstmännern den Raupenfrafs sah, anfänglich denselben nicht für die Ursache des Tatmentodes erkennen können, sondern dieselbe in Wurmtrock- nifs zu finden geglaubt. Dies spricht er auch im Jahrg. 1862 des Schles. Forstver. p. 73 aus; es folgt dann aber gleich auf p. 74 ein Nachtrag, worin Schultz, ganz unabhängig von der übrigen Gesell- schaft, die primäre Tödtlichkeit des Tannenwicklers, wie sie Koch immer behauptet hatte, ein- räumt, und zwar nach gründlichen Untersuchungen, die er bis in die Ellenbogener Waldungen aus- gedehnt hatte. Aufser einigen anderen früheren, durch die neueren Nachrichten werthlos gewordenen Aufsätzen *) Es liegt nur ein von Hrn. Olior-Forstrath Jiuleich gezogenes .Stück vor, welclies im eiitoinol. Anhange unter den Matten weiter zu beschreiben ist. **) In die naturgeschichtlichen Hiichcr haben sich diese Tannenverderlier noch gar nicht Eingang verschafft, man mufs sie noch nicht für so wichtig gehalten haben. Selbst mein verehrter Freund l.eunis, der so guter Insektenkenner ist und auch das Leben und die Schädlichkeit in seiner trefflichen Synopsis berücksichtigt, hat hier zu meiner Verwunderung nichts. Es ist hier allerdings p. 557 eine nigrinma angeführt, aher nur die Kabri eins' sehe, die wegen ihrer Unsicherheit schon nicht mehr von neueren Systomatikern citirt wird. Grüner Tannknwickler. >;. 2. I.itkrvti it, ititiKiaiciiF. NACimiciiTHN ind Sendingkn. 15 von mir, ist mir ein authentischer nur noch bclianiit in Sniolers Vereinsschrifl W. und 20. lieft, und zwar von Kocli selbst. Die brieflichen Nachrichten, welche ich von diesem Herrn eriiielt (noch vom Jahre 1861^) sind aber neuere und ich übergehe deshalb die Vereinsschrift, liei der Versaiimüung der Naturforscher in Karlsli.id im Jahre lS(J"i wurde viel über den Gegenstand gesprochen, aber nichts gedruckt. Aul'scr meiner Correspondenz mit den genannten Herren erwähne ich noch einiger andern schätzbaren Iniet'lichen, später zu bi nutzenden Mittheilungen von den Herren Fnrsträthen (lintl und Judeich und Urn. Buk. welcher im Jahre 18Ö7 (als Forstcandidat) im Auftrage des abwesenden Hrn. Gintl die lieobachtnngen zu Pürglitz leitete. Für die üebersenduug frischer Zweige und Wipfel, an welchen icii zur Zeit der Verpuppung im Juni und Juli eigene Untersuchungen und auch im Winti.-r nacii v<}llendetem Fraise die Schädlichkeit desselben prüfen und abbilden konnte, bin ich den Herren Judeich und Koch besonders daukl)ar. Aul'serdem untersuchte noch Hr. Judeich, unter Benutzung von Taimen aus verschiedenen Gegenden Böhmens und sachkundiger Mittlieilungen des Hrn. Oberf. Schön bach in der Sachs. Schweiz, und theilte mir alle seine gezogenen Falter und Ichneumonen mit groi'ser Liberalität mit. Vielleicht vereinigen sich nie wieder so viele glückliche Um- stände, um einen schwierigen Gegenstand, der auch durch Diagnostik und Nomendatur verwirrt wurde, seiner Aufklärung näher zu bringen. Dabei kamen mir auch die H ochh äusle rsclien Mittheilungen (s. ni(iricaiia) gerade zu Statten und erlangten auch negativ einen Werth . indem sie zeigen, dal's kisirioitana sich nicht bis zu dem benachbarten Schlesien erstreckte. §. 'A. Der Frafs nach Zeit, Vcrbreitunii' iiiid lieunnenden oder bep;ünstiiien- deii Kiiiilüsscii. Die weite Verbreitung des Tannentcickicrs wurde schon durch Saxeseu (1. c. p. '22'J) nachge- wiesen. Die oberflächlichen Nachrichten indessen, welche er aus fernen Gegenden erhielt, deuten sciiein- bar auf Seltenheit des Insekts. Dafs dies nur scheinbar sei, möchte ich daraus abnehmen, dals da, wo jener unermüdete und gewissenhafte Forscher selber sammeln und beobachten konnte, nämlich im Harze, die lüslrioriana nicht so selten sich zeigte, obgleich sie hier gar nicht einmal ihre wahre Futter- ptlanze, die Tanne, fand, sondern nur die Ficlile, auch, wie ich glaube, nicht einmal ihre wahre klima- tische Heimath. Saxesen nämlich fand den Wickler am ganzen westlichen Harze von den höchsten Punkten des Kahlenberges bis an die Vorberge des Harzes, meist an jungen 12 — 80jährigen, viel- leicht auch stärkeren Fichten. In wenigen, aber bezeichnenden Worten drückt er schon das Wesent- lichste des Fral'ses aus, und da dies ciironologisch später (namentlicii von Koch) angefochten worden ist. sr- wiujden und die Jahrringe lassen nicht iunuer aus dem vermindertcMi Zuwachs erkennen, wann die sonst bekannten ]nsektenl)escliädigungen stattgefunden haben.- Wir erkennen piiysiologisch darin wieder die wirksame Thätigkeit der Altnadeln, welche nicht alle abgefressen sind, und können in dieser Be- ziehung wieder einen Vergleich zwischen Frais und Frost anstellen (s. auch Lanbh.). Den Rinden kör per an den entnadelten Trieben fand ich auffallend dick, schwammig und harzreich. §. 6. Forstliche Bedeutung, Vorhersage niid Begegnung. Es wird hier dreierlei zu untersuchen sein: geschichtliche Nachweisung des Frafses, Begründung seiner Bedeutung und Mittel dagegen. In der Geschichte der Waldverderbnifs spielt der Wickler noch keine grofse Rolle. Erst einmal, in den Fünfziger Jahren, ist er sehr schädlich geworden, wenig- stens sicher nachgCAviesen. Wahrscheinlich ist diese grofse und gefährliche Verbreitung auch nur einmal in diesem Jahrhundert vorgekommen, denn sonst wurden luis Forstmänner oder Naturforscher, da sie eine so interessante Holzgattung nicht ganz übersehen konnten, wohl davon erzählen, nament- lich der sachverständige Bechstein*), der inmitten der Tannen lebte. Verheerungen in Tn»/«;« kamen wohl vor, aber immer nur durch Borkenkäfer. Es ist wohl anzunehmen, dafs hinter einem Raupenfrafs pich eine Wurmtrockniis, die in Folge desselben heimlich auftritt, versteckt, aber nicht hinter der Wurmtrocknil's ein Raupenfrafs, den ein Jeder bemerken mul's. Jedenfalls ist der Wicklerfrafs in Tannen nicht häufig, vielleicht nur in sehr trockenen Jaliren, wie die Fünfziger sie boten und dadurch so viele Fichten- und /ü'c/e/vf-Raupen begünstigten. Sonst tritt er. wie Saxesen sagt, nur „unmerklich schädlich" auf. In der zweiten Frage, nach Begründung der Schädlichkeit, hal)en wir schon etwas mehr Sicher- heit, da sie schon aus der Natur der Tanne, die wir neuerlich immer besser kennen gelernt haben, hergeleitet werden kann. Die Geschichte des Karlsbader Frafses ist von Seiten der Erfahrung so wichtig. Sie lehrt zwar, dafs zahlreiche und bedeutende Forstmänner sich dort gegen die Tödtlichkeit erklär- ten (s. meinen §. 2 und Schles. Forsiter. Jahrg. 1862, p. 74), dal's aber der eingcweilitere Forstmeister Schultz, nachdem er länger beobachtet hatte, jene einräniiite , da eingeschlagene und im Absterben •) Bcchstcin spricht zwar ( Foralinseclol. JStH. p.3.')4) von einem W'irkhr, welelier im .lalirc ISOOaiiftlem Thürinpcr- waldc massenhaft vortrekommen sei und besonders die AA'ipfel der \Vcißi. IV. Fip. 37. Raupe nnd Falter) ist unsere liisimninmi aber nicht im Entferntesten "herauszuerkennen. Wenn man dies Nicbterkenncn auch auf Rechnung der damals noch so mantrelhaften Kunst schieben wollte, so würden docli auch die biologischen Angaben Becbstcin's ..Verpuppung unter dem Jloose und Harken desselben als Vcrtilgungsmittel' durchaus gegen histrionann sprechen, ßecbstein kritisirt noch seinen Vorgänger Zinke (Im Ur.wnjitn Forstmaime). 3* 20 Tanne. A) Verz\veigi'nüsi-eui.er. 1. Insekten. becrriffeno Tannen nirlit eine Spur von Horkoiik ;i tVr Z(Mo;t(Mi. Meine Abbildungen sollten also tlureinvoü die Keijel, d. li. ein naeli wiedcrliolteui intensivem Fraise erfolgtes Absterben, also i)riniäre Fral'stolgen zeigen. So waren „allein in den Ellenbogener Forsten seit 2 Jahren über 3000 Klaftern aufffearbcitet worden, luul noeb uielir wollte Hr. Koeli vor o Jahren deshalb aufgearbeitet haben'' (1. i. p. 75). Wie ist dies nun zu <>rklären':' WiUirend Fichten und hicfern von Kaupen last ganz kahl ge- fressen werden können, ohne einzugehen, so sterben Tannen sehoii naiii dem Verluste einer kleineu Portion Nadeln?! K'h glaube hier, aul'ser der (Lieht-) Eniptindliehkeit der Holzgattung, auch noch andere oomplieirte Verhältnisse aiuiehmen zu müssen, nämlich Kaupen begünstigende Witterungsein- tUisse vuid Fernhalten von Schmarotzern, wodurch der Frais nu'hrere Jahre hintereinander dauern konnte. Auch die Mitwirkung anderer Wickler, nani(>ntlich des verderblichen h'nospemcicklers (s. ni- iiricana) kennen wir jetzt mit Gewilsheit. Fin einma 1 iger Frais dürfte die Tannen noch nicht tödten, dazu sind sie zu zähe und reproductiv, inul wenn blos einzelne Triebe und Zweige absterben, wie dies deutlich als Zeichen eines älteren Fral'ses, der zeitig aufh;')rte, au den Känmen zu sehen war (wie na- mentlich in dem Gin tl" scheu Falle) : so geht dadurch noch nicht der ganze Stamm verloren, er kann also auch wohl einen wiederholten Frais unter Umständen bestehen. Auch macht das Alter des Holzes einen grofseu Unterschied, denn nach Aussage aller hier genannten Beobachter „ist das aus- gewachsene Holz nicht so cnipfiiuUich, als jüngeres bis zu 50— (50 Jahren" (auch nach Koch's Brief p.O). Hr. Giutl schrieb mir: „Obgleich die Hälfte bis 4 der äul'sersten Zweige vom letzten imd vor- letzten Jahrestriebe völlig entnadelt waren, so zeigten sich doch nach dem nächsten Winter die Knospeu vöUisi frisch." Au den Wipfeln, welche ich im Frühjahre IStJS untersuchte und auf Taf. 34 veran- schaulichte, waren die Knospen meist todt und ein Wiederergrttnen au diesen Zweigen, die überdies durch unnatürliche Krümmung der Triebe, sowie durch Farbe und verschrumpfte Obcrtlächo (Rinde) derselben eine schlechte Prognose lugnindeten, war unmöglich (vgl. §. 4 und §. 5 wegen des Schattenbedürfnisses). Wie überall, so wird auch hier der Boden und die Kraft der Bestände bei der Prognose zu berücksichtigen sein. Kli theile hier noch schliel'slich die wieder den scharfsichtigen Praktiker bezeichnenden Aeufseruugen eines Briefes vom Jahre 18()2 (des Hrn. Forstmeisters Koch), mit, der die schlechteste Prognose stellte, und dazu wohl durch die localen Verbältnisse berechtigt war: „Wo der Wickler sich eiiuiuil testgesetzt hat, verläl'st er seine Station nicht eher, als bis die Bäume durch das wi eder holt e Abfressen der jüngsten Kronentheile so geschwächt sind, dafs sie ab- trocknen. Dadurch tödtet .er die Bestände oluu^ Unterschied der Standortsverhältnisse. Minder kräf- tiLre starben nach dem zweiten Fraise schon ab. Bessere Bestände halten sich länger, gehen aber end- lich auch «jewils ein, weil dieser Wickler die eiiuual bewohnten Stämnu^ nicht eher verläfst, als bis deren .Vnsschlagstahigkeit erloschen ist. und weil der Kau[ie die immer schwächlicher werdenden Triebe am meisten zusa-xen." Daher wird von ihm auf schien n i ge s Abtreiben gedrungen. Er erwähnt eines Falles, in webhem das rechtzeitige, von ihm vorgeschlagene Abholzen einer südlichen Lehne, wodurch die Verbreitung hätte beschränkt werden können, unterblieb: nun starb nicht blos diese, son- dern noch ein gut Stück Holz mehr abl Die als Vertilgungsmittel versuchte Rauchentwickelung in den noch grünen Beständen wurde bereits in §. 2 nach Koch's Anleitung beschrieben. Es ist das ein Mittel, welches mau auch gegen andere kleinere Raupen, besonders gegen die in den untersten Zweiten (der Lärche) fressende pinicolana versuchen sollte. ROTHKÜPFIGER TaN.NENWICKLEB. 21 2) Der rothköpfige Tannenwickler ( Tortrix nilinülraiia). Da überhaupt erst seit wenigen Jahren diese Art benannt ist und man auf sie aufmerksam ge- mafht wurde, so ist eine genaue Bekanntschaft mit Verbreitung und Lebensweise noch gar nicht zu verlanffen. Verkennen wird man sie von jetzt an nicht wieder, da schon die Raupe durch ihre Koth- köpfigkeit sich auszeichnet ( vergl. Supplement- Kupfer) und man, mit gleichzeitiger Rücksicht auf den rolhen Kopf des Falters, den oben gewählten Namen passend finden wird — wieder ganz analoge Verhältnisse, wie zwischen lituraria und piniaria. Die Erkennbarkeit der Raupe setzte micii schon seit mehreren Jahren in Stand, sie leicht luiter den Vorräthen der Itislrionana, welche ich mit Tannenzweigen von IIHrn. Ju df-ic h und Koch lebend erhielt, herauszufinden. Ich glaube also ziemlich bestimmt versichern zu können, dafs sie eine ganz ähnliche Lebensweise wie hislrionana führt, nur ungleich seltener als diese ist — höchstens 10 pCt. der Raupen ausmachend. Vielleicht darin der wesentlichste Unterschied, dal's nifimitrana sich nach Hrn. Schönbach im Boden verpuppen soll, was ich freilich im Zwinger und bei so wenigen Exem- plaren nicht wahrnehmen konnte. Das Wattengespinnst der rußmitruna ist noch fester als das der andern, auch stecken die Raupen darin fester und lassen sich nur schwer unversehrt herausziehen, während hislrionana beweglicher ist und in Räumen, wo sie mit Frafs cingezwingert fremd ist, unruhig umherwandert. Während der langen Postreise meiner Sendungen hatte sich hislrionana oft so ver- loren, dafs ich sie an den Zweigen nur sparsam vorfand. In der letzten Sendung von Hm. Judeich*) vom 12. Juni waren die jungen Triebe der Tanne welk und blafsgrün, meist Wirkung des Frostes vom 3. Juni. Die Spitzen der Triebe steckten zum Theile noch unter den Ausschlagsschuppen. Die äulser- sten weichen Nadeln sind mit Wattengespinnst fest versponnen — etwa kleine Röhren von Dicke einer Stricknadel oder eines schwachen Pfeifenstiels bildend — und im Innern befinden sich Koth. zerfressene Nadeln, und auch die in der Bildung bcgrifi'enen Knöspchen zerstört, ohne dals ich Raupen vorfand. 3) Der Tannenknospenwickler (Tortrix nigricana). §. 1. Gescliichte uiul iiiulogie, Dafs auch diese Art neu ist, zeigt 2. Abtheiluiig. Eine Raupe in Knospen der Tanne, die auf nigricana zu deuten wäre, hat man längst gekannt, wie ich schon in §. 1 der hislrionana bemerkte. Wahrscheinlich ist sie auch schon in die Tannen des Neustädter Forstgartens eingewandert, wie ich •) Diese Sendang mit Töplitzer Raupen erhielt ich durch Güte des lim. Oberforstralhes Judeich, der sie wie- derum von Hrn. Olierförsler Schönbach und zwar mit folgenden Notizen Lekomtnen hatte, die sich indessen auf Leide Raupen, die Hr. Schönbach sehr sicher unterschied, bezogen: Die Zweige mit den Raupen waren am 3. Juni, nach einem Nachtfröste, gebrochen. Auch vorher hatten kalte Nächte die Vegetation schon zurückgehalten, ond dies war aach wohl der Hauptgrund — wenn auch gleichzeitig ein Ceberlcben oder eine Ueberfruchtung der Wickler — , warum im Jahre 1S63 am 4. Juni die Raupen kaum die erste Häutung überstanden hatten — neben allerdings fast ausgewachsenen Raupen — , während im Jahre 1862 am dieselbe Zeit schon die ersten Falter im Zwinger erschienen waren. I>azu bemerkte Hr. Schönhach, dafs jetzt auch an ganz tief stehenden Zweigen Raupen gefunden wurden, während sie im vorigen Jahre nur in den obern Baampar- tien vorkamen. 22 Tanne. A) Verzweigüngsfehlkr. I. Insekten. aber nur aus einzelnen zerstörten Knospen vermutlien kann. Vermuthlich hat auch Hr. Schönbach diese Art vor sich gehabt, als er in dem in der Note erwähnten Briefe sagte: „Auch Knospen sind ausfefressen und zwar ist oft von einer Knospe zur andern ein förmlicher Gang gemacht. In einigen solcher Knospen fand ich die abgestreifte erste Haut der Raupe." Dafs dieser Knospenbewohner nigrtcana sei, habe ich zuerst von Hrn. Förster Hochhänslcr erfahren, der den Schmetterling schon vor mehreren Jahren erzog. Noch in den neuesten systematischen Werken (z. B. v. Heinemann's Schmelterl. p. 165) heifst es: „Wien, Böhmen, Schlesien, Regensburg im April bis Juni um Fichten.^ Die Zucht gelingt im Zwinger schwer und möchte wohl daraufhindeuten, dafs die Raupe sich vom Baume herabspinnt und an der Erde sich verpuppt. Letzteres behauptet Hr. Hochhäuslcr mit YoUer Bestimmtheit: er fand die Puppen unter den Stämmen, auch woiil im Moose und in Nadelstreu versponnen, und zwar, wie er sagt, „in gröfserer Zahl hier als an den Knospen vers]M)nncn, was nur sehr einzeln vorkam." Auch ich habe eine Puppe in einer ausgefressenen Knospe gefunden, sie vcr- kinnnierte aber und ich erhielt keinen Schmetterling. Ob die stärker zugesponnenen Knospen, wie ich solche Taf. 35, Fig. 2 darstellte, vorzugsweise für das Verbleiben der Puppe eingerichtet sind?*) Für die Feststellung der Generation dürfte folgender Befund brauchbar sein. Im Spätherbst des Jahres 1863 erhielt ich von Hrn. Hochhäusler wieder viele Tannenzvveige mit befallenen Knospen. Die darin enthaltenen Räupchen mochten wohl beinahe halbwüchsig sein und die Knospe war im In- nern schon weifs austapeziert und ziemlich hohl, sonst aber noch grün. Auswendig sah man noch kei- nen Koth, sondern nur die weifse, zuweilen bräunelnde und dann schwer bemerkbare und nur mit feinem Löchelchen versehene Gespinnstdecke, meist nur auf der einen Seite der Knospe (wie in Fig. 1 am Zwillinfszweige). Diese Decke ist, wie Fig. 2 (vergr.) zeigt, eine Art von Vorhalle, welche besonders nach dem Winter wichtig wird und einen Schutz für die Wanderung des Räupchcns in die zweite, im Herbst noch nicht angefressene Knospe bietet. Die Räupchen — ich fand zuweilen deren 2 in Einem Knos- penquirl — sind träge und lassen sich nur schwer unverletzt herausziehen. In andern Sendungen vom März und April war die Raupe um so viel gröfser in den Knospen, dafs ein Wachsen derselben wäh- rend des Winters kaum bezweifelt werden konnte, wenn nicht die gröl'sern und kleinern durch begün- stitfte oder verkümmerte Generation, wie in dem Seh önb ach 'sehen Falle (s. Note), ei-klärt werden sollten. Im Frühjahre waren dann die Knospen auch schon weiter inwendig zerstört, auswendig schon mit versponnenen Kothkrümeln behangen (s. Fig. 2), luid im Innern hatten sich Koth- und Harzkrümel angesammelt, wie Fig. 3 aufgeschnitten zeigt. Wenn man diese Veränderung, welche sich vom Herbst bis zum Frühjahre ereignet und gewifs durch frostfreie Tage gefördert wird, berücksichtigt: so mufs man auch annehmen, dals die ganze fer- nere Eutwickelung in den beiden Monaten April und Mai — die ja beispielsweise auf andere Knospen- wickler, wie Buoiiana, so überaus kräftig wirkt — vollbracht wird, und dals, da auch Hr. Hoch- häusler die Flugzeit im Juni luid Juli annimmt, eine 1jährige Generation die Regel ist**). *) In den eisten Junitagen ISlU sandte mir Hr. Ilochliiiusler wieder ausgefressene Knospen in Menge. Weder Larve noch Puppe war darin und es dürfte dieser negative Befund abermals ein Beweis der Verpuppung am Boden sein. Da- her auch die Seltenheit des Falters, dessen Puppen so schwer zu lieschafTen sind, in den Sammlungen. **) Hoch hausier, der jetzt auch für die Einjiihrigkeit ist, wollte Anfangs eine 2jährige Generation haben, und zwar folgendermafsen: „Der Wickler fliegt im Mai oder Juni und legt jedesmal 1 Ei zwischen die Knospenschuppen. Das Hänpchen erscheint vor dem Herbst, überwintert in der Knospe und bleibt hier bis ungefähr zum August oder September, bis es sicli an einem Faden zur Erde herahspinnt und sich in Moos ode( Erde verpuppt." Dagegen war jedoch folgendes einzuwenden: Man begreift nicht, was die Raupe, wenn sie einmal ausgewachsen ist, was ja sicher spätestens schon im Mai der Fall ist, noch 3 bis 4 Monate in der leeren, trocknen Knospe macht. Es wäre ein vollständiger Stillstand in der Entwickehnig, der wenigstens in dieser warmen Jahreszeit nie vorkommt. Die Bunlinna wird ja erst im Juni fertig und eilt dann doch noch zu Ver- puppung und Flug. Alle Analogien sprechen also gegen eine Zweijährigkeit, aulser resinana: diese Raupe ist aber auch gröl'ser und hat viel schwerere Arbeit! Tannenknospenwickler. § 2. Kbass, forstlicue Bedeltcnc, Begegninc. 23 Tnitzdcm kömiti' eint' Zwcijälirij^kcit als A usii ali iii c ciiitnteii, wie das ja aiicli l)ii aiidiTii Insekten, inimentlicli dein versteckt lebenden CiirciiUo l'itil vorkomuit, und als „Ueberjährigkelt'' auch bei vielen Schmetterlingen beobachtet ist. Wenn die v. lle in eniann "sehe Angabe eines April-Fluges wahr wäre, so würde sie uucli nur durcli Z\veij;ihrigkeit zu erklären sein*). §. '1. Knils, fürstliche JJcclciituug, liegcgiiuiig. Nach Hrn. IIo clih äusler's Wahriiehnunigen ist die Kaupe in Schlesien sehr häufig und dürfte wohl zu den merklich schädlichen für die Tanne zu rechnen sein. Aus der Geschichte der sehr schädlichen histrionaiia haben wir schdu ersehen, dals nigricana auch dcirt mit hilft, also auch einen Antheil an den Verwüstungen derselben hat, und vielleicht einen recht bedeutenden, wenn mau bedenkt, dafs viele Knospen, deren Erhaltung nach der Nadelzerstörung doppelt wichtig wäre, nun durch nujricana augegriffen und zerstört werden. Dazu kommt noch, dafs man gegen dies Insekt auch gar nichts luiternehmen kann und dal's schnelle Beseitigung solcher Stänune, welche eine Weiterverbreitung des Insekts durch Besamung befürchten lassen, bei beiden Insekten das einzige sichere Begegnungs- mittel ist. Nach Hrn. Ilochhäusler kommt der Knospenwickler fast durchgängig auf allen Boden- classen vor und nimmt gut geschlossene, wie räum bestandene Tannen gleich gern an, am liebsten aber die Altersclasscn von 10 — .30 Jahren. Unter letzteren sind manche Tannen so mitgenommen, dals die Verzweigung eine sehr verkrüp})elte wird, da meist alle 3 Knospen eines Triebes verloren gehen. Zu den schon in §. 1 gelieferten Beschreibungen zerstörter Knospen, welche ich nach lloch- häusler'schen Sendungen entwarf, füge ich hier noch die ganzer Zweige, mit Zugrundelegung eines besonders charakteristischen, auf Taf. 35 abgebildeten. Das Insekt hat hier, wie in vielen andern nach- gewiesenen Fällen, mehrere Jahre hintereinander, oder mit Unterbrechung eines einzigen, gewirthschaf- tet und die Zweige haben bereits ihre normale, schTme Fächerform eingebüfst, häl'slichc Krüinnnu)gen angenommen und durch Neigung zu unnatürlicher Knospen-Kutwirkelung den Ilöhenwuchs gefährdet. Dafs hier in den beiden aufeinander folgenden Jahren 1859 luul 1S(>0 die Quirlknospen des Ilöhcn- triebes ausgefressen wurden, sieht man an der Trockenheit und Oeffming der ersteren. In jedem Jahre blieb eine, unterhalb des Quirls entspringende Knospe verschont, und zwar immer nach Einer Seite, so dafs der Zweisi sich ganz nach links hinüber zieht. Nachdem das Jahr 1861 ungestört vorüber- gegangen war, trat das Insekt wieder im Jahre 1862 auf und wählte sich am vorliegenden Zweige einen ganz ungewöhnlichen Sitz, iiändich an schwachen Seitentrieben (Fig. 1 das oberste Zwillings- Zweigpaar rechts). Die Entstehung dieses Zwillings, wie des etwas tiefer (rechts) stehenden Einzelzweiges ist überdies eigenthündich und hängt vielleicht mit der Knospenzerstörung des Jahres 1860 zusammen. Es war hier nämlich auch ein(! Knospe des Quirlraumes im Jahre 1860 und 61 ausgefressen und dadurch wahrscheinlich erst die Entstehung der dicht danelien befindlichen Knospen des Zwillings hervorgerufen, der daim aber erst 1862 trieb, nun auch gleich wieder mit Brut belegt wmde. Ueber Xdcitlrirbe ohne Insektenfrafs s. §. 2 der Tanne. An den 8 — 10jährigen Tannen des Neustädter Forstgarteus, die noch nicht mehr als Ij' Höhe erreicht hatten, war hier und da eine schwarze Knospe ausgefresseu. Einige Pflanzen hatten eine wahre Besenform angenommen und u. A. eine unterhalb des kleinen Wipfelspielses 4 neue Triebe ge- macht, aus denen wahrscheinlich ein Lexc/f/cr-Wipfel**) sich gebildet hätte. •) Kill April-Fliij; erscheint mir nur deshalb wieder fraf;lich, weil ein soleher das Alisetzen der Kier au vorj ährifrcn Knospen nölhig machen würde, nährend doch die Regel das Ablegen an diesjähri (jcn, im Slai und Juni zugän^flichen Knospen ist. *•) Ich fiflaube, dafs dieser iVickkr mit eine L'rsache der Entstehunjr von Lcuc/iitr -\Vip(e\n ist. Solche kommen ua- menllich in den /im»!«.«- Beständen Schlesiens in wunderbarer Schönheit und Regelinäl'sigkeit — gewöhnlich mit 3 — 5 Armen, die meist in einer Höhe von 10 — 20' entspringen — vor. Den Neustadt er Frafs entdeckte ich erst im Jahre 18G5. Aus der Trockenheit nnd dem Orte der Knospen zu schliefsen, mul'sten letztere in den Jahren 1863 und ll^G-l gefressen worden sein. 24 Tanne. A) Verzweigungsfebler I. Insekten. Man verwechsele mit ausgefressenen Knospen aber nicht ausgetrocknete. Letztere haben oben auch eine Oeßhung, aber inwendig niclit Koth, sondern vertrocknete Nadelspuren, zuweilen neben denselben einen jungen Trieb, der aus der Tiefe der trocknen Knospe kommt. 4) Die Tannenmotte (Tinea abielella). §. 1. Feststellung der Art. Zu den interessantesten Neuigkeiten gehört das Vorkommen einer mir zuerst durch Hrn. Förster Hochhäusler aus Schlesischen Weifstannen mitgetheilten Raupe, welche ich, obgleich die weitere Be- stätigung durch ausgewachsene Raupen und Puppen noch nicht erfolgt ist, für abielella halten mufs. So abweichend das Vorkommen in einer andern Holzgattung, als der bisher für die Futterpflanze ge- haltenen, auch ist, so sind wir bei der merkwürdigen abielella doch schon an Vagabundiren gewöhnt und auch daran, dafs das Lisekt den Beobachter längere Zeit auf die GeduldjDrobe stellt. Sonst findet sich im Verhalten der mir übersandten Raupe und in der Zeit nichts, was gegen abietella spräche. Hr. Hochhäusler war verwundert über meine Ansicht, denn es war ein so reiches Zapfenjahr vorher gewesen, dafs man eine ursprünglich als Zapfenmotte bekannt gewordene Art doch eher in Zapfen als in Trieben hätte erwarten sollen. §. 2. Beschreibung des Frafses. Das Uebel wurde au mit dem K. Reviere Reichen au (Schutzbezirk Wittgendorf) grenzen- den „Privatbüschen" entdeckt. Es waren 10 — 20jährige TanHeji-Bestände und zwar au verschiedenen Expositionen, sowohl auf der Mittags-, wie auch auf der Mitternachtsseite. Die befallenen kräftigen KjTonäste, welche ich im November 1863 erhielt, waren auf doppelte Art zerstört. Bei den einen waren schon die Knospen vertrocknet, ohue Triebe gemacht zu haben (Fig. 5). Bei den andern waren die Triebe halb zur Entwickelung gekommen und dann vertrocknet (Fig. 4) : theils hingen sie noch mit ihren rothen Nadebi bedeckt am Aste herab, theils waren sie schon so weit abgefallen, dafs nur die Spindel noch sammt der Schuppenhülle stehen geblieben war (rechts an der Figiu-). Die Zerstörung der Knospen ist, zumal wenn man die Gröfse und Stärke derselben bei der Tanne berücksichtigt, so grofs, wie sie andere Insekten wohl nicht so leicht ausführen. An dem unter Fig. 5 dargestellten Kronaste waren alle 5 die Mittelknospe umgebenden Quirlknospen inwendig zerfressen. Um dies recht deutlich zu zeigen, habe ich von einem, dem gemalten ähnlichen Aste, welcher 4 Knospen hatte, die vorderste weggenommen (Fig. 6). Man sieht nun, wie die Raupe im Innern Canäle gebildet hat, welche sämmtliche Knospen umkreisen. Alsdann stieg der Frafs noch 1 — 2" am Aste herab, wie dies Fig. 5 an der hier eingefallenen, sonst aber in der Farbe wenig veränderten Rinde zeigt. Solche Exemplare waren auch noch durch den Kothauswurf der Raupe gekennzeichnet. Er kommt aus verschiedenen Löchern, welche die Raupe ofi'en erhält, findet sich auch (wie Fig. 6 zeigt) im Innern, und hier mit weifsen Harzkrümeln vermengt. Verbeissen. §. 1. Beschreibung der verbissenen und reproducirten Pflanzen. 25 Beim Aufschneiden der Rinde ist mau überrascht, dieselbe, trotz ihrer bedeutenden Dicke (von über 1") fast ganz vorzoiirt zu finden, ohne dafs übrigens die Epidermis, welche nur durch Koth- löciier durchbohrt ist. verletzt ist. Vom Ilolzkcirper ist wenig angegriffen, wohl aber ein Theil des Markes zerstört, da die Raupe von der Mittelknospe aus eingedrungen ist. Auch da, wo das Mark nicht ausgefressen war, hatte es eine braune Farbe angenommen, . eine Folge der aufgehobenen Saft- bewegung. Meist ist auch der obere Theil des Astes von Nadeln entblöl'st (Fig. 5), und wenn sie bleiben (Fig. 4), ist dies ein Zeichen, dal's der FraCs sich auf die Knospen und jungen Triebe beschränkte. An solchen Exemplaren fand ich den ganzen Markkörper, welchen die Raupe anstatt der Rinde angegriÖen hatte, zerstört, bis auf 2" tief herab. Einige zeigten Mark und Rinde bis auf 2" tief zerstört, letztere dann aber nur stellenweise benagt. §. 1^. Vorhersage uiul forstliche Bedeutung, Begegnung. Die Tanne verträgt, wie wir von hisirionana her wissen, nicht viel Mifshandlung ihrer weichen Triebe. Diese wenigstens werden nach diMii Fraise absterben. Die Zerstörungen müssen im Freien einen sehr üblen Eindruck machen, denn Ilr. Ilochliäusler schrieb mir: „es ist mir an Tannen ein so verderblicher Frais, der die Höhentriebe vernichtet, noch nicht vorgekommen." Uebrigens werden nur Ilöhentriebe, und hauptsächlich die kräftigsten, befallen. Man wird sich also beeilen müssen, durch Abbrechen oder Ausbrechen des Raupensitzes der Weiterverbreitung des Fral'ses, der besonders in trocknen Jahren, wie im Jahre 1863, schnell um sich greifen dürfte, zuvorzukommen. II. Vierfüssler. 5) Verbeissen der Tanne. §. 1. Beschreibung der verbissenen und reproducirten Pflanzen. Die Tanne gehört zur Lii blingsäsung des Wildpretts inid wird daher und weil die neugebilde- ten Zweige und Reiser, besonders bei unterdrückten, schwach vegetirenden Stämmchen, weich bleiben, oft viele Jahre verbissen. Sie wird dadurch immer gedrungener und kussliger, theils wegen der Knospen- und Triebanhäufung, theils wegen Vordrängen der untersten Aeste, wie schon Fig. 4 auf Taf. 29 die Anlage dazu zeigt. Ich habe z. B. ein noch freudig vegetireudes Stänunchen vor mir, wel- ches unten die Dicke eines Daumens hat und wenigstens 20 Jahre alt ist. Es hatte — circa 3 über der Erde — zwei starke Aeste und mit diesen eine aus 50 Zweigen und Reisern bestehende Krone von 6" Höhe und 7" Breite gebildet, also nicht mehr Gröfse, als ein mälsiger Kohlkopf erreicht. Die 10—12 letzten Jahrringe am Stocke deuteten den Zeitraum, in welchem das Verbeifsen stattgefunden hatte, ziemlieh sicher an. Und noch zeigte sich in keinem der Zweige, die nirgends ober 2 — 3' Länge hatten, eine Neigung zum llöheuwuciise. An einer zweiten, etwas jüngeren Pflanze, welche auch weniger sperrig war, vielleicht seit 5 — 6 Jahren verbissen und seit 3 Jahren ver- II. 4 26 Tanne. A) Verzweigungsfehler. II. Vierfüssler. lassen, war bereits ein dreijähriger Höhentrieb von 8" Länge, am Kronenaste mit 5 Quirlknospen (Zeichen der Kraft) entstanden. Zwischen diesen beiden Pflanzen, den Extremen von noch rettbaren, freudig vegetirenden, liegen andere mitten inne, welche bald mehr, bald weniger verzweigt sind. Fast überall zeigt sich die Neigung zu Knotenpunkten, entstanden durch das Absterben von Zweigen (Spielse gewordenen), an deren Basis neue Knospen und Triebe sich entwickeln und dadurcli starken Saftzuflufs verursachen. Die kürzesten Triebe gleichen einem Büschel kurzer Larc/«e?i-lS adeln. Ueber- haupt sind an allen verbissenen Pflanzen die Nadeln, im Einklang mit der Länge der Triebe, kürzer und struppiger als an normalen Stämmen mit langen Zweigen, die Verzweigung oft dichotomisch, die Zweige kammförmig gestellt. Für die Darstellung habe ich 2 Pflanzen gewählt, welche Bilder von rettbareu und unrettbaren Pflanzen geben sollen. Die erstere (Taf. 29, Fig. 4) ist überhaupt gröiser und kräftiger, bewahrte immer einen, wenn auch nur schwachen Längenwuchs und trieb zuletzt nur 2 Kronenäste, welche, da auch nur wenige und schwächere Rivale vorhanden waren, bald einen Höhentrieb hergestellt haben würden. Die andere Pflanze (Fig. 5, natürl. Gr.) war im Ganzen kümmerlicher, hatte viel zahlreichere Spielse, viele und dünne, fadenförmige Triebe und einen sehr stark verdickten Kopf: nirgends bemerkte man einen Trieb, der Dauer versprochen hätte, alle noch vegetirenden und höchstens 2 — 3 Knospen tragenden luden das Wild durch ihre Schwäche und Zartheit zu neuem Verbeifsen ein. In der Er- klärung der Tafel ist auf einzelne interessante und durch Buchstaben bezeichnete Gegenden, sowie auf den Zuwachs der Fig. 4 (in 4 daneben gezeichneten Holzdurchschuitten) Bezug genommen. §. 2. Anatomie, Physiologie und Pathologie gewinnen an den verbissenen Tannen auch etwas. Dal's sie so lange das Verbeifsen ertragen, zeigt noch mehr, dafs die Reproductionskraft der Tanne, die wir schon von der Stocküberwallung her kennen, in Erzeugung neuer Triebe und Jahrringe sehr bedeutend ist, wenn auch blol'se Rindenverletzungen schlecht vertragen werden. Indessen wird doch der Jahresring schon im Jahre des Verbeifsens schwach, und bleibt auch noch ein folgendes Jahr schwach. Harz im Holze, durch krankhafte Secre- tion (oder Metamorphose) erzeugt, hat sich auch schon gefunden, wie beim Schälen. Als Zeichen einer bedeutenden Widerstandskraft, besonders bei jungen Tannen, mufs ich noch das Entstehen neuer Triebe aus naekten Rindenlappen, die nur unten am Stamme noch Ver- bindung mit demselben hatten, aber dennoch verwallt waren, ansehen. Ich bemerkte dies nahe bei Warb eck' s Mühle, wo nur weidende Sriiafe an den über einen Abhang gepflanzten Weifstaimen ge- nagt haben konnten. Zahlreiche neue Ausschläge waren als Folge von Verbeifsen anzusehen. Es wur- den dadurch aber auch Bürstennadcln erzeugt, besonders an Nachtrieben. Auch hatte der Kronen- ast, welcher durch den abgerissenen nackten Rindenlappen entblöfst worden war, 2 Jahre hinter ein- ander nur Bürsteunadeln getrieben. Ein Beispiel von Zweigentwickelung an isolirten Rindenlappen liefert auch der auf Taf 36, Fig. 7 abgebildete Schälstamm (bei A). §. 3. ForstHche Bedeutung, Vorhersage und Behandlung. Die Rehe sind der Erziehung von WeiJstannen gewifs oft sehr hinderlich. Bei fast allen Schriftstellern ist das Anathem ausgesprochen, z. B. bei Hartig, wo es (Culturpß. p. 34) heilst: „Wild- prett und Weidevieh schaden der jungen Weifslanne mehr als allen übrigen Nadelhölzern durch Ver- beifsen." Dasselbe in Hrn. Forstrathes Braun Schreiben: „Die Tanne wird vom Wilde noch mehr VhRBEISSEN. I5. 3. FOHSILICDE HeDEUTCNG, VORDEIISAGE UND BEHANDLUNG. 27 geliebt, als tlie Fichte, und sie imils aus diesem Grunde, eben weil sie so oft wiederholt angegrifl'en wird, oft unterliegen." Aehnlich äul'sern sich auch mehrere meiner werthen Herren Correspondenten : Ilr. Hoch hausier. Judeich, v. Lips, Wachtel u. A. Demnach sollte man glauben, dafs da, wo Jielie besonders stehen, gar nicht Tannen aufzubringen wären. Vor solchen Schlüssen umfs ich hiir ausdrücklich warnen, imd namentlich Pfeil anführen, der wohl zuweilen, von einem gewissen Ideen- gange hingerissen, Conclusionen für Observationen gab. In seiner sonst gewifs vieles Braudi- bare enthaltenden Abhandlung „über Erziehung der Weiistanne" {krit. Bl. XVII. 1.) sagt er S. l'iO Folgendes: rX^'^s Erste, was man zu besorgen hat, sobald Tannenpflanzen vorhanden sind, ist, dafs man diese gegen das Verlieilsen von Wild und Vieh sichert. Dazu gehört nicht blol's vollständige P]inschonung gegen den Viehbetrieb, sondern alle /JeAe, alles Rothwild und überhaupt jedes Thier, was den Pflanzen schädlich werden kann, niufs unnachsicht lieh t o dtg e schössen werden, wenn man es nicht auf andere Art zu entfernen weifs. Vorzüjjlich sind die Rehe im Winter, wenn die Schneedecke sie nöthigt, sich nur von den überragenden Spitzen des Holzes zu nähren, verderb- lich. Sehr wenige reichen hin, einen sehr grofsen Schaden anzurichten." Nachdem er — Er, der passionirte Jäger! — hier noch lange über Verdferblichkeit eines Wildstandes gesprochen hat. kommt er auf den Neustädter Forstgarten, „wo einige Rehe regelmäfsig verbissen, was man nicht hindern konnte, da das Abschiefsen von Rehen unbedingt untersagt ist." Und schliefslich: „Auch ist unstreitig das Wild vorzugsweise die Ursache des Verschwindens der Eiche (s. dort Verbeifsen) und der Weifs- tanne in unseren Forsten." Den letztern Satz, so parado.x er klingt, will ich nicht angreifen, aber was die Beschädigung der Weifslanne durch Rehe im Forstgarten, wo wir vom Krummen weit mehr leiden, betriflt, so mufs ich die Richtiijkeit der dazu gehöriiien Observation bestreiten. Ich habe nie eresehen, dals eine Tanne hier verbissen wurde, kann auch zum Zeugen unsern Darrmeister Ewald, welcher seit der ersten Anlage des Forstgartens im Jahre 1830 hier arbeitete und auf Alles achtete, aufrui'en. Im Januar 1864, auch December 1866, als der Schnee gerade so hoch lag, dafs die Spitzen der jungen Tannen darüber hinausragten — Pfeil' s eigene Worte — , rührten sie die Rehe nicht an, sondern scheuten die viel gröfsere Mühe nicht, dicht neben den Tannen Plätze junger, einsommeriger Kiefern mit den Läufen auszuschlagen und diese zu verbeifsen (s. /ue/"cr«- Vcrbeil'seu). Dafs beim Wildprett viel auf Gewohnheit und Nachahmungstrieb ankommt, ist bekannt. Im Neustädter Forstgarten waren also die Rehe durchaus nicht an Tannen gewöhnt und wir haben hier schon ansehnliche Horste des schönen Baumes erzogen (s. p. 3) und erziehen noch immer Tausende von Pflanzen, unbekümmert um deren Zukunft. Man kann also doch nicht von uniiachsichtlichem Todtschiefsen sprechen. Hr. Forstmeister Wachtel schreibt mir darüber: „Da ich die Weifstannen meist aus älteren Horsten erziehe, die im Schatten aufwuchsen, so kann ich über Verbeifsen nicht klagen. Künstlich erzogene 3jährige Tannen., die aus den Saatschulen verpflanzt sind (hübsch eng in der Reihe), luid ebenso die Culturen, müssen gut eingefriedigt werden, wenn man sie gegen die Rehe und die näschigen Hasen schützen will." 28 Tanne. B) Vehwallungsfehler. I, Insekten. B) Verwalluiigsfchler der Tanne. I. Insekten. 6) Der Fichtenrindenwickler (Tortrix dorsana). Dieses Insekt ist bereits bei der Fichte (ßd. I. p. 261 f.) beschrieben und miifs auch, da es nach allen Erfahrungen auf dieser am gemeinsten und schädlichsten ist, den deutschen Namen nach derselben tragen. Das Vorkommen der dorsana in der Tanne steht bis jetzt noch sehr vereinzelt da. Hr. Förster Hochhäusler sendet mir Frafsstttcke mit Larven und Puppen und auch gezogene Falter, die man für nichts anderes als dorsana halten kann. Die Exemplare sind zum Theile aufflillend dunkel, was wohl mit der Eigenthümlichkeit der bewohnten Holzart zusammenhängen dürfte. In Richtung, Zahl und Zusammenhang der Binden luid Streifen zeigen sich keine anderen Veränderungen, als die schon früher beobachteten (s. entomol. Anhang). Was der Sache ein ganz verändertes Ansehen giebt, das ist der physiologische Factor der Erscheinung. Die Zweige • — diese möchten es wohl hauptsächlich sein, die befallen werden — schwellen keulenförmig an, gerade so, wie nach dem Frafse des Tannenschwärmers . Mit diesem hat das Insekt in dieser Beziehung so grol'se Aehnlichkeit, dais ich eine Abbildung der Wicklerbeulen sparen und auf die Schwärmerbeulen (Taf. 38) verweisen kann. Einige der mir von Hrn. Hochhäusler zugeschickten abgeschnittenen Beulen sind kleiner und ähneln mehr der Fig. 2 (Taf. 38), andere sind dicker und runder und ähneln wieder mehr der auf Taf 37 dargestellten. Diese Aehnlichkeit bezieht sich nicht blos auf die bedeutende Anschwellung und die ans derselben unregelmäfsig hervorragenden Aststumpfe, an denen man allerdings noch eine Quirlgegend herauserkennt, sondern auch auf das borkige Zer- rissensein der Rinde, an welcher besonders in tiefen Schrunden und Spalten an noch mit Raupen besetz- ten Stellen der Koth wie an Fig. 2 hervorhängt und an andern die Puppenhülsen der schon ausge- flogenen Falter hervorragen. Letztere sitzen theils in Koth, thtils in festerer Substanz so eingekeilt, dal's sie, ohne abzubrechen, die Reise hierher überstanden haben. Durch alles dies erlangt der Frafs ein so eigenthümliches Ansehen, dafs nur wenig Aehnlichkeit mit dem in Fichten beobachteten, hier die Form des Stanunes und der Zweige so wenig beeinträch- tigenden Frafse übi-ig bleibt. Was besonders den Wicklerfrafs in der Tanne so eigenthümlich erschei- nen läl'st, das ist die Abwesenheit des die Fichte so sehr belästigenden Harzaustrittes. An den Tan- nenbeulen ist zwar auch hier und da Har/ ausgeflossen, aber dies ist, da es sich auf das Rindenharz beschränkt — Holzharz kommt ja hier lua- wenig oder gar nicht vor — , so dünnflüssig, dal's es voll- ständig antrocknet und dafs seine Gegenwart nicht durch Tropfen ( wie bei der Fichte in Fig. 1 der Taf. 30) angedeutet wird, sondern sich nur durch Harzglanz, bläuliche Farbe und geringe Klebrigkeit verräth. Man kann die Beulen überall angreifen, während die Zergliederung der verharzten Fichten- stämmchen die schwierigste Arbeit ist. Auch die Stellen, welche ich angeschnitten habe, um zu sehen, dafs die Fral'sgänge nicht bis aufs Holz reichen, brachten nur wenig Harz zum Vorschein. Demnach scheinen die Anschwellungen hier sehr schnell einzutreten, während wir die Wickter- Firhteu in sehr verschiedenen Stadien der ganz allmälig eintretenden Anschwellung kennen — der erste Anfang in Forstinsekten Bd. II. p. 21b dargestellt. Ob bei der Tanne Beziehungen zwischen Sesia und Tortrix stattfinden? oder ob wohl gar primäre Anschwellungen vorhergehen und diese dann die Wickler herbeiziehen?? TANNENBEULENGLASSCnwÄRMER. §. I. LeBEN UND VERBREITUNG. 29 Ich miU's noch auf das bereits in Bd. I. ausfülirlich ijosehilderte Vorkonimfii der dorsatia in dfii Fichten des Forstgarteus hindeuten. Diese grenzen an manchen Stellen so nahe au den kleinen ri/HHeHln-stand, von welchem schon geredet wurde, dal's ich durch die nochliüu,s lersche Entdeckung veranlalst wurde, die letzteren genau zu revidiren. Es findet sich aber auch nicht eine Spur vom An- griff des Wicklers: weder in Verdickung, noch in krankhaftem Verborken der Stämme, weder an unter- drückten, noch kranken, noch gesunden. 7) Der Tannenbeulenglasschwäriner (Sesia cephiformis). §. 1. Leben und Verbreitung. Bei der Bearbeitung meiner Forstinsekten war mir diese Sesia nur aus den kurzen Angaben Uchsenheimer"s (Schmetterl. Eur. Bd. II. p. 171): „die Raupe lebt in der gemeben Tanne {Pinits AbiesY., bekannt. Da alle näheren Angaben fehlten und aus den Namen „Tanne'* und „Ahies'* nicht einmal zu ersehen war, ob „ Weifs- oder Rollttanne'^ gemeint sei, so nahm ich das Insekt, da es ohne- hin für eine grol'se Seltenheit galt, gar nicht in mein Werk auf. Die Beschreibung des Insekts im entomolog. Anh. Die Gegenstände für dieselbe wie die Frafsstücke rühren von Ilrn. Fiirstir II oc h - hausier her (Gegend von Reichenau in Schlesien). Dieser in meinem entomologischen Anhange beschriebene schöne Schwärmer scheint nur in der Weifstanne zu leben, und umgekehrt scheint diese Holzgattung auch keine zweite Art. die damit verwechselt werden könnte — da ja Torlrix dorsana viel zu klein ist — , zu beherbergen. Stämme von sehr verschiedenem Alter, und auch einzelne Aeste werden von demselben angegangen. Das Weibchen. w(;lches von Ende des Juli bis in den September gefunden wurde, legt nach Herrn II och hausier seine Eier vereinzelt in die Rindenritzen, aber, wie es mir nach der Vertheilun"- der Larven in den Frafsstücken scheint, innner mehrere nahe bei einander, vielleicht so, dals es nach dem Ablegen des ersten Eies nicht höher oder niedriger rückt, sondern horizontal fortkriechend ein zweites und ein drittes Ei in derselben Zone legt: dadurch wenigstens würde die glcichmäl'sige Anschwellung eines ganzen Zweiges ringsherum, wie sie vorliegt und wie sie nach Ilrn. Hoch iiäusler Regel auch am Stamme ist, sich erklären. Gegen Ende des Juli geschieht dies am häufigsten, und in der Mitte des August schon erscheint das Räupchen, welches sich gleich bis in die innerste Rinde hineinfrilst und hier in innner breiter werdenden Gängen die ganze Gegend, in welcher die Raupe lebt, unter- minirt. liier dauert der Frafs, welcher auch gleich Anfangs durch die aus den Gängen ausgewor- fenen braunen Kothstückchen sich verräth, fast volle 2 Jahre (2jidirigo Generation). Hierin ähnelt diese Art allen übrigen Sesien, imterscheidet sich aber von den meisten, namentlich von der unter die Forstinsekten längst aufgenommenen Sesia apiformis, dadurch, dafs sie in der Rinde bleibt und nicht bis ins Holz geht. Im Juni des dritten Sommers (also nach 2 Jahren) erfolgt die Verptippung in einem feinem, weilsen Cocon im Innern der Rinde. Die Puppe schiebt sich dann aus derselben her- vor, und die Hülse, nachdem der Schmetterling ausgekommen ist, bleibt noch lauge im Flugloche sichtbar. 30 Tanne. B) Verwallungsfehler. 1. Insekten. §. 2. Beschreibung des Frafses, Anatomie, Physiologie und Pathologie. Zunächst würde ich Vollbeiilcn, d. h. ringsherum gehende, und Halbbeuleii ., d. h. solche, die nicht die ganze Peripherie des Stammes einnehmen, wie sie Taf. 37, Fig. 3 zeigt, unterscheiden. Nach Hrn. Hochhäusler gehen die Beulen meist um den ganzen Stamm und nur selten bleiben sie ein- seitio-. Das Wesen dieser Beulen ist Ueberwallung, gewissermal'sen auch Muser (I. 49). Es ist aber eine ganz eigenthümliche Ueberwallung, die mit der Schälüberwalluiig oder der gewöhnlichen Schlingmaser nicht ganz übereinstimmt, und, wenn sie zur Maser gerechnet werden sollte, einen beson- dern Namen {Glatlmaser) erhalten müfste. Allerdings kommen Krummstabschichteu unter den Holzrino'en vor, aber nie in der Ausdehnung und Vollständigkeit, wie beim Wildschäleu oder den Schnittiiguren in Buchen. Krümmungen der Jahresringe sind wohl auch vorhanden und f;ist in allen Gewenden des Horizontalschnittes (wie Fig. 1) zu bemerken, aber nicht mit der den wahren Krumm- stäben eicenthümlichen und mit der bei den immer weiter hervortretenden Wallringen sich äulserlich und innerlich zeigenden Neubildung der Kinde. Solche Stellen sieht man in Fig. 1 in der Gegend von A und B. Hier ist der Cambium-Mantel durch irgend eine äufsere Störung unterbrochen worden und aus dem Rindenrifs sind neue Rindenschichten hervorgequollen, die aber viel stärkere Rinde als gewöhnlich bildeten: daher die breiten Keile bei ABC. Bei kleineren Verletzungen ist dagegen eine Resorption eingetreten oder die Rinde durch Compression unkenntlich geworden (an den 3 ersten Ringen im dritten Raum). Ueber die Ursachen dieser Verletzungen läl'st sich nichts Bestimmtes sagen. Wahrscheinlich ist aber das Insekt immer dabei thätig gewesen. An den umfangreicheren Stämmen konnten nicht alle Punkte der Peripherie gleich mit Eiern belegt werden, sondern es geschah dies an verschiedenen Stellen und so entstanden hier anfänglich Fr afsin sein, die später immer mehr an einander rückten. Anden schwachen Zweigen konnte Ein Weibchen leicht seine Eier auf die ganze Peripherie gleichmäfsig verbreiten, hier entstanden daher gleich Anfjings Vollbeulen, wie z. B. Taf. 38, Fig. 2. Diese sprechen auch am meisten für primären Insektenfrals is. Phys.). Hier hatte er, wie Fig. 2'' und 2'' zeigt, nur 7 Jahre gedauert, denn bis zum 10. Jahre sind die Jahrringe ganz normal und erst der elfte ist afh- cirt, und zwar ringsherum, wie man deutlich sieht: 1) an der Braunfarbung, und 2) der krümlichen Beschaffenheit der Frühlingsschicht, welche wahrscheinlich noch weich von den fressenden Larven be- rührt wurde, bis letztere durch die sich mehrende Holzbilduug (besonders die härtere Herbstschicht) auf ihre Rindengänge zurückgedrängt wurden — denn ein wirklicher Holzfrals, wie bei andern Scsien, deren Larven tief im Holze sitzen, ist hier nicht vorhanden. Schäl übe rw all ung (Schälwälle) findet sich hier also nur in geringer Ausdehnung. Hier liegt eine andere Bildung vor, und da hierbei ein abnormer Saftandrang thätig gewesen ist, so möchte ich sie Wucherwälle nennen. Die Jahresschichten umfliefsen hier nämlich den ganzen Stamm con- tinuirlich, entstehen auch abgesondert von Rindenlagen — bei der Schälüberwallung sind beide ver- eint, d. h. jede Holzschicht von einer kleinen Rindenschicht bedeckt — und zeigen normale Holzfasern und Weil'se; aber ihre Anordnung ist im Stamme eine andere und in der Beule wieder eine andere, mufs auch, wenn man auf die Peripherie beider sieht, eine andere sein. Wenn nämlich noch im Stamme das Mark fast in der Mitte liegt (s. Taf. 38, Fig. 2), so mufs es in der Halbbeule, wie sie Taf. 38, Fig. 1 abgebildet ist, mehr nach der Seite der Glattrinde hin liegen, während die andere oder Borkenseite sich immer weiter davon entfernt. Demnach mufsten auch in dieser Halbbeule die Holzlageu in der Richtung von olien (aus dem Stamme) in die Beule herabsteigen, wie es in der Zeichnung angegeben ist: sie umfliefsen hier den ursprünglichen Zweig-Cylinder fast kugelförmig und ähneln auf dem Längsschnitte den Meridianen der Erdkugel (der Anfang dazu Taf. 38, Fig. 1*). Ein jeder Jahresring hat also seinen breiten Theil in der Beule, seinen schmalen im Stamm, ja sogar in derselben Zone der Beule ist ein Theil des- Tannenbeulenglasschwärmer. §. 2. Beschreibung des Krasses, Anatomie, Physiologie und Pathologie. 31 selben Jahresringes breit (Ilolzweitc), ein Tlieil sclimal, näiiilicli an der Grenze der Glattrinde, denn hier müssen die 46 Jahrringe, welche nach der Borkenseite hin wenigstens V^' einnahmen, an der Glatt- riuden-Seite mit l" sich beiielfen und aid' diesem S — 9" Radius ist wieder der äul'serste Theil von 2" derjenige, welcher sich in H8 Theilc tlieilen mul's, um den 38 Jalirringen der Ueberwalhin"- Durchtritt zu gestatten; viele dieser Jalirringe kann man in dieser „llolzenge" also gar nicht einmal mit der Lupe unterscheiden! (Tat'. H8, Fig. 1). Betrachtet man diese merkwüidige und gewifs nicht unschöne Bildung auf dem Ilorizontalschnitt, wie Fig. 1, so bemerkt man 2 Hallten, die einige Aehnlichkeit mit einer 8, oder besser mit den beiden Nacken einer Semmel haben: die Borkenseite die gröfsere, die Glattrindenseite die kleinere. Drei sol- cher Semmeln liegen um einander: die innere, demalten wenig oder gar nicht gestörten Walzenstamme angehörig und daher nur wenig nach aul'sen eingeschnürt. Bei der darauf folgenden peripherischen ist ein jeder der 10 Kinge eingeschnürt und es wird die obere Nacke schon merklich breiter, und bei der dritten (äul'sersten) ist die obere Nacke schon unverliähnirsmäfsig breiter, ihre Jahrringe daher in der Holz enge am feinsten. Eigentlich zerfällt diese äul'serste (dritte) Seunnel wieder in 2 Abtheilungen: die an die zweite (mittelste) Semmel grenzende, überall 14 Ringe zeigende, hat die Flügel ihrer Holzschichten an dem etwas weiteren Theile der Ilolzenge: die an die Rinde grenzende, von den frischen und jetzt so zahlreichen Raupengängen beridirte Abtheilung dagegen steigt bis zum engsten Theil der Holzent^e herab. Auf der rechten Seite unseres Durchschnittes sind die beiden Abtheilungen sehr regelmäfsig ausgebildet, d. h. ein jeder Jainring geht seinen ungestörten Weg und man erkennt in beiden deut- liche 14 Ringe, auf der linken Seite aber nicht. Hier ist der durch den Frafs entstandene Keil C störend dazwischen getreten und hat 2 Lappen von der linken Seite der dritten Semmel abgetrennt: der innerste Lappen hängt noch nüt der Holzabtheilung zusammen, aber der äul'sere (a;) ist zum Theile aufser allem Zusanunenhange mit der Holz- und Rindenabtheiluiig. gehört doch aber zur Zone derselben: an ihm sind 9 Jahrringe deutlich. Seine Isolirung hängt mit der Entstehung und Wiikun<' des grofsen Keils C zusammen: das Holz muls hier mehrere Jahre nackt und entblöfst gewesen sein, wie die intensiv schwarze Farbe der Bogenliuie (welche auch dunkler gezeichnet ist) angiebt. Ofl'en- bar ist aucii der innerste Lappen dadurch afficirt worden, denn er ist dunkler als alles übrige Holz und nach allen Seiten scharf begrenzt — wahrscheinlich schon mit beginnender Humification. In der Farbe des Holzes finden sich sonst nur geringe Verschiedenheiten. Das weifseste Holz haben die neueren Jahresringe, also die äul'sere Abtheilung der dritten Semmel, und ganz besonders der zweite (äul'sere) Lappen, welcher ja auch der jüngste ist. Ein schwacher dunkler Schimmer ver- breitet sich über den Holzthcil der dritten Semmel und zieiit sich in einem schmalen Halbbogen durch die Mitte der Holzenge, gleichsam die Grenze zwischen zweiter und dritter Senmiel hier bezeichnend. Des Doppelringes No. 11 mul's ich doch noch Erwähnung thun. Er ist um so auffallender, als die übrigen Ringe in der Oberseite der Semmeln sehr normal in dieser Beziehung sind, was bei der grol'sen Breite derselben nach allen Seiten leicht übersehen werden kann. Dieser Doppelring ist auch etwas breiter als die vorhergehenden und nachfolgenden. Die beiden hellen Streifen sehr schmal, die dunkeln stark vorherrschend, an manchen Stellen feine Wellenlinien zeigend. Seine Bildung würde etwa in das Jahr 1841 fallen. Dieser Doppelriiig mündet in der Gegend des dunklen Halbbogens in der Holzenge aus. Ich komme jetzt zur Beschreibung der Rinde. Die Veränderungen derselben sind, oberfläch- lich betrachtet, nicht so auffallend, wie die des Holzes, jedoch sieht man auf den ersten Blick, dafs auch hier eine Wucherung stattgefunden hat. Sic ist 3 — 4mal dicker an der Beule, als am Stamme. Ich habe die des letzteren bereits mehrmals Glattrinde genannt, die der Beule mul's dagegen Bor ke (se«s. strict.) heilsen. Sie hat uändich die derselben eigenthündichen Korksehichten, die, wie Schacht sagt, bei der Tanne in's Innere der Rinde eindringen und das Absterben der aul'serhalb derselben lie- genden Rindentheile bewirken. Dadurch bilden sich auf der Oberfläche der Rinde Borkenschuppen, 32 Tanne. A) Vebwallüngsfehler. 1. Insekten •welche 1 — 2"' Dicke haben und da, wo sie mit abgelösten Rändern klaffen, d. h. nicht zusammenstofsen, tiefe Risse und Schrunden bilden, da sie nicht abblättern (Seh. 211). An ihnen herrscht die Längs- richtung vor, jedoch bilden sich auch Querrunzeln. An der Fig. 1 ist auf der rechten Seite die Stelle dunkel angegeben, welcher im Innern der Keil C entspricht. Hier ist das Holz entblölst und schad- haft, und neue Ueberwallungsschichten drängen sich unter der alten Borke hervor. Eine mikroskopische Untersuchung der Rinde würde hier zu vs'eit führen, da wir die Verände- rungen, die dadurch hervorgerufen werden, doch nicht zu deuten verstehen. Gerade das Wichtigste, die Zellen, welche etwa den Saft (abwärts) führen, sind die feinsten Gebilde des ganzen Pflanzenkör- pers, aber auch die mikroskopisch am schwersten darzustellenden. Wahrscheinlich ist auch eine Ver- mehrung und Vergröfserung der Harzgänge durch die W^ucherung eingetreten, denn in den Gängen der Sesia-Raupen findet man, aufser Koth und Wiu'mmehl, theils flüssiges, theils zu weifsen Krümeln eingetrocknetes Harz. o Ob die Tanne selbständig und ohne Zuthun von Insektenfrafs Beulen macht, ist fraglich, vcenig- stens den ursächlichen Momenten nach nicht zu erklären. Jedenfalls giebt es primäre Insektenbeulen, zu welchen ich z. B. die gezeichnete Astbeule (Taf. 38, Fig. 2) rechne. Bei dieser ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dal's Beulenanfang und erster Frafs zusammenfallen. Zehn Jahrringe ziehen hier unge- stört durch den Ast. Erst am 13. und 14. bemerkt man eine Ablenkung, und diese beiden, vielleicht schon etwas der 12. schwach verdickte, zeigen die Spuren des Frafses in meinen Zeichnungen am Horizontalschnitt (Fig. 2"=) an einer Stelle und auf dem vertikalen (Fig. 2'') auf zwei bis drei Stellen. Die Feststellung von Insektenfrafs bei diesen Beulen wäre deshalb von Wichtigkeit, weil die ganze Erscheinung alsdann ihre Analogie bei anderem Insektenfrafs fände. Nämlich der Charakter der keulenförmig angeschvFollenen und von Mücken bewohnten Weiden^cn\en ist Wucherung und alle Gallen an verschiedenen Pflanzentheilen sind Wucherungen. Alle Insekten, welche dergleichen hervor- bringen, üben auf unbekannte Weise eineu Reiz auf den von ihnen bewohnten Pflanzentheil, zuweilen in dem Grade, dafs der dadurch herbeigezogene Saft in Tropfen wegfliefst, wie bei den Cikaden oder Pflanzenläusen (Manna!). Der ärztliche Ausspruch „irritatio attrahit", welcher auf eine abnorme Saft- (Blut-) Anhäufung, ja Bildung neuer Gefäfse an einem entzündeten Theile anspielt, läfst sich wahrscheinlich auf alle Organismen anwenden und, nach Abzug des rein Thierischen, auch in der Physiologie der Pflanzen benutzen. Von unserer Sesia wird ein Reiz auf das Cambium, diese zarte, empfindliche Zellenhaut, die den ganzen Holzkörper umhüllt, ausgeübt. Es erfolgt hier eine gesteigerte Thätigkeit: Säfte werden herbeigezogen und abnorme Holz- und Rindeubildung ist die Folge. Durch den Verbrauch dieser Säfte in der Beule tritt Erschöpfung ein: der Holzsaft gelangt zur Krone, be- wirkt hier abnorme und kümmerliche Verzweigung und der dadurch erzeugte Bildungssaft kann im Stamme nur schwache Holzlagen schaffen, bis er in die Beule eintritt und hier von Neuem die Wuche- rung beginnt, im Stamme herabsteigend, denselben dann wieder schwächer speist, wie an einem mit stark treibender Sorte gepfropften Baume. Ein wichtiges Moment dabei ist die Borkenbildung, durch welche Verdunstung verhindert wird. Die Beule erhält dadurch Eigenschaften eines alten Baumes. Bei den ältesten Tannen (etwa 400jährigen), welche Schacht mafs {Baum p. 212), war die Rinde kaum 1" stark! §. 3. Forstliche Bedeutung und Vorhersage. Mehrere Forstmänner, welche die Wirkungen des Insekts in Schlesien sahen, wie Hr. Forst- meister Müller, den ich deshalb sprach, auch Hr. Rudnick u. A., erklärten das Insekt für sehr schädlich oder wenigstens bedeutsam: die Beule stirbt ab, fault und bei starkem Winde bricht der stärkste Stamm an der Frafsstelle ab, so dafs oft das beste Nutzholz eine Beute des Windbruches TANNENBErLENGLASSCHWARMER. §. 3. PORSTLICHE BEDEUTUNG DND VORHERSAGE. 33 wird. Es wird iiuch hiuzugel'ügt, dals selir viule der scluiiistuii Tannen durch solche Beulen ent- stellt wurden. Bei dieser Schilderung traten mir gleich zwei Fragen entgegen: 1) ob das Insekt auch ganz gesunde Bäume angehe, und 2) ob nicht viele solcher Beulen dem Lebeusprocels des Baumes schad»-- ten, das Insekt also physiologisch schädlich sei? Was den ersteren Punkt betrifft, so lälst sich Herr Ilochhäusler darüber so vernehmen: „Mit Sicherheit habe ich nicht ermitteln können, ob die An- schwellungen nur in Folge des .Scsien-Frafses entstehen; ich glaube es aber nicht, da auch Anschwel- luii;'iii gefunden werden, welche nicht *) von Raupen bewohnt sind und Tannen mit solchen Anschwel- lungen gut fortwachsen. In ganz glatten Tannen wurden Kaupen bis jetzt nie gefunden." Hinsichtlich des zweiten Punktes scheint Herr Ilochhäusler anirniirende Ansichten zu haben, indem er sagt: , Durch das Ausnagen der Safthaut um den Stamm licrtini uud's die Circulatlou des Saftes nach dem Oberstamme durch das Austrocknen der Rinde aufhören und folglich der Stamm absterben." Er fügt dann noch hinzu: «Es werden hier sehr viele Bäume, Stäiiune mitunter von 14 — 16" mittlerem Durch- messer, indem das Holz unterhalb der Anschwellungen vertrocknet, faul und es stirbt der Stamm an der kranken Stelle ab oder wird vom Winde gebrochen." Von den Knappe "sehen monströsen Keulen, die mau auf lusektenfrafs leider nicht untersucht hat, wurde schon bei der Tanne §. 3 gesprochen. II. Yierfüssler. 8) Schälen, ScMagen, Fegen. §. 1. Fremde und eigene I^lrfaliruiigen. Zweifelhaftes. Dafs die Tanne vom Wilde und auch vom Hülungsmeh gern angegriffen wird, sagen alle Forst- schriftsteller; al>er keiner beschreibt die Verwundungen, obgleich diese ihr eigenes grofses Interesse haben; auch finde ich nirgends etwas vom Mäuse-Nagen, obgleich es sicher vorkommt. Ich werde hier also ganz meinen eigenen Weg gehen müssen, glaube auch für Darstellung (Taf. 36) der hauptsächlich- sten in Frage kommenden Punkte Material genug in Händen zu haben. Aus den Schlesischcn Wäl- dern erhielt ich wahre Prachtexemplare von Stanmischeiben, Walzen und ganzen Strauchformen, auch Zeichnungen wunderbarer Deformitäten **), die ich, weil sie nirgends Erklärung finden, hierher bringe. •) Später hat mir Herr II. auch solclie nicht licwohiitc Keulen geschickt und ich habe das eine, besonders durch die Verzweigung so interessante Exemplar gezeichnet (s. Taf. 37, Kig. 4, mit hinter die Stammbeule gelegtem Vercinigungszwcig). Solche Gfinge wie an den mit fressenden Raupen versehenen Exemplaren fanden sich hier allerdings nicht, aber dennoch ent- deckte ich überall feine DOhlungcn, welche auf Gänge deuteten, in denen wahrscheinlich die noch kleinen Raupen gestor- ben waren. *•) Der Holzschnitt stellt eine Zeichnung von Hrn. Förster Ilochhäusler dar. Nach seiner Beschreibung hatte der Stock der 42' hohen und 2' dicken Tmme über 3' untern Durchmesser und eine Höhe von 2'. Die Ursache dieser Auswüchse war unbekannt, dürfte aber wohl in äufsern Verletzungen zu suchen sein, die uerade über dem Wurzclknoten, wo die absteigen- den Säfte schon bei normalem Wüchse sich (in l'orni von Wurzclanläufen, cul u. dgl.) anhäufen, sehr wirksam sein kön- nen. Ich erinnere auch an die bei Lärcha, zu schildernden Maserknollen (s. .Schälen"!. Die Tanne ist überdies unter allen Nadelhölzern am meisten zu Wucherungen geneigt, wie wir schou bei Verwallung einfacher "Sohälwunden gesehen haben, und besonders bei Scsw, deren Raupen schon durch gerinnen Reiz auf das Cambium Anschwellungen von Rinde und Holz hervor- rufen. Aehnliches ist neuerlich an Fichicn wahrgenommen. Ausschlag aus Rtockvcrwalluiig (p. 10) ist eine Vermuthung von mir. Unsere Sammlung besitzt ein von Hrn. Hochhäusler herrührendes Stammende mit vielen Rindeu-auswüchseu und Verharzungen. II. 5 34 Tanne B) Verwalu ngsfehler II. Vierfüssler. Hr. Hoch hausier würde, wenn Insekten im Spiele wären, diese gevvii's erkannt haben. Am stehenden Holze konnte ich bei uns nur selten eine Schälung selber beobachten, da Tannen unter allen Nadelhölzern hier die seltensten sind. I. Alter der Schälstämme. Genau läfst sich das- selbe nicht bestimmen, da die meist in Brusth()he geschäl- ten Stämme bald dicker, bald dünner, älter oder jünger sind, wie der oft sehr langsame Wuchs der Tarnte ja be- kannt genug ist. Als die extremste Stärke, in welcher Stämme angegriffen werden, betrachte ich den in Fig. 4 dargestellten, der auch zugleich die Schnelligkeit anzeigt, mit welcher selbst starke Stämme verwallen. wenn sie ge- sund sind und nicht zu grol'se Schäl-Peripherie haben, trotz der zuletzt zunehmenden Feinjährigkeit. Am häutigsten zählt man indei's auf dem Querschnitt 8 — 16 Ringe (z. B. Fig. 7, 8). Hier treten also beinahe so viele Variationen wie bei der Fichte auf, inid man mul's sich eigentlich wun- dern, dafs das Wild im Angriffe von dicken Stämmen nicht noch mehr leistet, da die Tanne so lange dünne Rinde behält. n. Im Scliliel'sen der Wunde wird wohl ein we- sentlicher Unterschied von den übrigen Nadelhölzern nicht stattfinden. Am meisten nähert sich die Tanne darin der Fichte^ denn bei beiden kommen ziemlich häufig unge- schlossene und unschlielsbare Stämme vor. Bis zu dem Grade des Zurückbleibens der Verwallung bei Fichten, wie sie Taf. 31, Fig. ö zeigt, habe ich Tannen aber nie gesehen. Ich erwähne hier eines von Hause aus schwächlichen Stämmchens von halber Armstärke, welches über die Hälfte geschält war und mit seinen 20 Wall ringen das alte, schwarze Holz noch lange nicht hatte zudecken können. Von den ringsum geschälten, wie von den doppelkernigen spreche ich später (§. 2. Physiologie). III. An den Holz wällen vermag ich nur wenig Eigenthümlichkeit herauszufinden. Meine Bilder liefern Beläge zur Fein- wie zur Grobjährigkeit (Fig. 4 und 5). An kräftigen Stämmen dürfte die Stärke der Ringe nach aufsen eher zu- als abnehmen, denn die Periode der Fein- jährigkeit hat die Tanne meist schon überschritten, wenn sie dem Wilde verfällt. Bei lange verzögerter Schliefsung , wie an der Hochhäusler'schen Drei- schälung, werden die Ringe äul'serst fein, zuletzt wie Papierblätter, aber immer noch mit deutlich unterscheidbarem Weifs- und Braunholze. IV. Schlufslinien an ganz alten Stämmen sah ich nicht. Nach 1.5 — 20 Jahren erkennt man oft nur noch eine schwache Furche äufserlich und ein Correspondircn mit dem Knnnmstabschlnfs einer Rindenzone — ob wegen Rcsorbtion oder Pression der Rinde? — schwer nachweisbar. Aber das Schlufsfeld bleibt lange kenntlich an den Längs- und Querrunzeln (Fig. 2, 3), welche vielleicht erst nach 30 Jahren eine ebene Fläche, wie Altrinde, bilden. Zur Erklärung dieser Ru nzel-Eigen- thümlichkeit bei der Tanne mul's man besonders das Periderm herbeiziehen. Von diesem rühren auch §. I. Fremde i nu eigene ühfaiiklncen. Zweifei.haftes. 35 die wellenförmigen Jahresabsät/.e, wie Fi;;. 8 sie zeiget, her. Auf dem Querschnitt sieht man, dals die übrige Rinde, welche z. B. am Überstauime sehr dick, am Unterstamnic viel dünner ist. an diesen Be- wegungen nicht Theil nimmt. V. Doppelschähingen inul Wiederholungen, ja mehrmalige giebt es hier, wie bei Fichte. Man sieht dies an Fig. 6 hinreichend. An einer interessanten Hochhäusler'schen Scheibe ist nach dreimal wicderlioltem Schälen alle Alti-inde verloren gegangen und die neue hat stellenweise 5" Dicke, und doch ist der Stamiu nicht ül>er üO Jahre alt. Von dieser ungewöhnlicheiiKindenstärke rührt auch wohl die starke Furche der Schlufslinie her, auch war die Verwallung inmier noch innerhalb der lündeuzone. ^'I. Harz. Die Kolle, welche dies bei der Tanne spielt, wird durch Sciiälcn in das eigen- thümlichsie Licht gestellt. Vor Allem beziehe ich dies auf das Holz, welches zwar auch bei andern Heizungen ungewöhnliche Harzcanäle bildet (s. Frost luid hislrioiiana), nach Schälen jene aber in der vollkommensten Ausbildung herzustellen im Stande ist. Ich benutze zur Veranschaulichung ganzer Harzketten am liebsten den in Fig. 8 abgebildeten Stamm. Auf dem Horizontalschnitt sah man an dem ersten Schälringe, nahe dem letzten Kernringe die ersten und deutlichsten Ocfiuuugen, die, in einiger Entfernung von der Ringgreuze, in kleinen Absätzen Ketten bilden (Fig. 8°); die Oefl'uungen wie mit feinster Nähnadel gestochen und dunkel (also harzhaltig). Auch in den andern Ringen wie- derholen sich diese, dem normalen Tiiiiuenliohe fehlenden, schon mit blolsen Augen wahrnehmbaren Kittiii. hier aber meist scharf auf der Ringgreuze, jedoch innner mehr der Frühlingsschicht angehörig. AVas man ferner noch mit blolsen Augen von Harz bemerkt, ist auch nicht unbeträchtlich. Vollkommene Glasirung des Isacktholzes habe ich zwar nicht so wie bei Fichte (1. 269) getundeu, wohl aber nur deshalb, weil mir ganz frische Schälung fehlte*). Denn ich sehe doch auch an alter Schälung stellenweise Glasirung, und zwar so vtfeit von den Rindenrändern entfernt, dals der Ur- sprung dieses Harzes aus dem Holze nicht zweifelhaft sein kann. Wahrscheinlich ist am Fehlen auch hier A'erwitterung (I. 206) schuld. Unabhängig davon ist das Rindenharz. Das Harz an den Pressiousstellen der Riuden- zone, welches sich auf Querscluiitteu dunkel und glänzend zeigt (Fig. 4, 5), rührt sicher aus der Rinde her. iSoch deutlicher und luizweifelliaftcr ist das auswendig auf der Rinde sitzende aus der Rinde herzuleiten. Meist bildet es nur einen weifslichen Anflug, wie auf Fig. 2, 3. Zuweilen aber überzieht es die Rinde ganz und gar mit glänzenden, spröden oder noch schmierigen Massen. So z. B. war es innerhalb des ganzen Kraters in Fig. 7 (bei £). An einer vortreft'lich, wenn auch erst nach 50 Jahren — der Stamm hatte sammt den 20 Kernringen doch nur 18" Umfang (6" Durchm.) — ganz geschlos- senen Scheibe war das ganze 2 Hände breite Schlul'sfeld mit Harz bedeckt und dies hatte sich beson- ders um die noch stark vertielte Schlulsliuie so angehäuft, dafs es stellenweise Messerrückeudicke er- langte, theils grauweis, theils bräunlich, meistens nicht mehr schmierig, u. s. f. sj. '2. Anatomie, Physiologie und PatlK^logie. Hier ist noch Manches eingehender, als in §. 1 zu erörtern. Manches zu erklären, was dort nicht hingehörte. Aber auch Manches wird von dieser Stelle ganz ausgeschlossen bleiben und späte- rer Zeit und anderem Orte vorbehalten werden müssen, wie namentlich die Physiologie und Chemie der abnorm entstehenden Harzmassen, zu deren gründlicher Verfolgung auch die Untersuchung der Stammtheile gehören würde, welche den Postsendungen nicht mitgegeben werden konnten. Indessen bin ich mit dem Vorhandenen zufrieden imd reihe hier zunächst die mikro^kol>isclle Erörterung der II a rzerze u !?unir an. ~ ^^ j, •| Ich iDiifs hier ausdrücklich wieder auf kün.stliches ^Schälen (Bd. I. p. 93) verweisen. 36 Tanne. B^ Verwallungsfehler. II. Vierfüssler. Zuerst beschreibe ich das im letzten Kernrintco bemerkbare Harz, welches sich als solches unzweifelhaft durch hellbraune Farbe ankündigt. Die Zellen der meisten Markstrahlen, obgleich sich unter diesen nur sehr wenige grofse betinden, sind mit Harz gofiillt, und ebenso, und noch deutlicher braun, sehr viele Holzzelleu. Dals es das Lumen derselben austiillt und die Zellenwand frei läfst, zeigt auch hier am besten der Tangentialschnitt (Fig. S*"). Indessen sieht man nur wenige so scharf (braun) abgegrenzter in kleinen Gruppen: die meisten sind weils, oder ganze Schichten durchweg schwach bräunelnd. Aus de*- Lagerung der braunen um die Markstrahlen darf man wohl auf ein Commimiciren beider schliefsen und so den Harz austritt auf dem Nackt holze auch aus den Holzzellen herleiten. Ganz verschieden davon siud die grofsen Oeffnungon in den Schälringen. Ich habe zur Darstelhuiii den ersten gewählt, um zu zeigen, dals gleich im ersten Jahre des Baumangriffes der Jahrring verändert wird. Die Oeffmmgen tuhren zu wirklichen Harzcauälen, da sie zwischen den Zellen liegen und dieselben durchaus nicht mit zu ihrer Röhre verbrauchen. Sie müssen schon bei der ersten Anlage des Holzringes gebildet worden sein, denn die daneben liegenden Holzzelleu haben sich in Lage und Gröfse nach ihnen gerichtet, d. h. die nächsten umgebenden Reihen zeigen kleinere und schief stehende Zellen: sie können also wohl nicht durch die etwa später entstandenen Cauäle verschoben, noch viel weuiger resorbirt oder metamorphosirt worden sein. Bemerkenswerth ist, dals die Zellen, obgleich Frühlingsholz bildend, mehr breit- als rundfaserig sind und das. was ich — Bd. I. p. 22 u. A. — von Anhang und von der Umkehr und Abänderung in der Reihenfolge sagte, sich auch hier wieder liudet. Wie ganz anders verhält sich der durch grofse Harzcauäle ausgezeich- nete Holzring bei Raupenfrafs (s. Taf 34. Fig. X) I An andern Stellen der Schälringe, besonders der schwächsten aufsteigenden Lappen, fand ich die merkwürdigste, vielleicht durch Verwerfimg erzeugte Formveränderuug des Holzgewebes (im Ganzen sehr weitmündig!) und Verbreiterung, oft auch Brauntarbung der M;u-kstrahlen. die oft 5 — 6 Zellenreiben neben einander haben, u. s. f. Die Ansicht, dals ein allseitiger Harzergufs als Schutz- und Heilmittel diene (I. 206). halte ich auch noch jetzt fest, und darin bestärken mich die harzreichsten, vorher erwähnten Scheiben mit ganz incrustirter Schlul'slinie. Wenn Harzwälle Hindernisse der Verwallung zu sein scheinen, so ist das eben nur eine Täuschung und der Schluls fehlt nicht, weil, sondern obgleich Harz sich sanmielt: Standortsungunst ist hier Ursache des mangelnden Schlusses! Auf diese Naturhülfe deutet ein auch anderwärts noch anzuführender Umstand, den ich. als einen immer von Neuem mir sich dar- bietenden, ausdrücklich berühren mul's. Die Harzketten bilden sich immer in der Nähe der Krumm- stäbe, imd die Biegung derselben, an welcher sie am nöthigsten gebraucht werden, befördert viel- leicht ihre Entstehung durch die starke Dehnung aller Elementarorgane dieser Gegend, namentlich der noch ganz weichen jungen Rinde. Ich iiude sie hier bei der Tanne noch häufiger und deutlicher (wie in Fig. 4) als bei der Lärche, tur welche sie auf Taf. 41 in Fig. 6 n;die der Schlufsliuie angesehen sind. Zu einer anatomischen Bemerkung veranlalst mich noch die Schwäche der Ringe, wie sie bei manchen Scheiben an der Peripherie aufi'ällt, z. B. in Fig. 4. Wenn hier auch noch 8 — 10 Zellen Regel sind, so erscheinen dazwischen auch noch Ringe, die nur 3 — 4 Zellen (iucl. 1 Breitfas.) haben. Interessant ist .auch die durch Reproduction veränderte Rinde. Au den 4jährigen, schwachen Unterlappen von Fig. S hatte die Rinde, wenn man sie mit normaler 4jähriger Rinde verglich, gar keine Aehnlichkeit, d. h. die grüne Farbe der Zellen fehlte, das Periderm war schon sehr stark und die bis dicht an dasselbe gerückten Bastzellen hatten sich schon zu (lupisch weil's bemerkbaren) Steinzellen gruppirt — Alles wie bei ganz alter Rinde! Auf den Radialschnitien überall Rothstreifigkeit. beson- ders in der Region der ausmündenden Markstrahlen, jedoch über dieselbe hinaus, unmittelbar unter dem Periderm am dunkelsten, und zwar da. wo aulsen das Harz am dicksten abgelagert ist. Physiologisch verdienen noch die in Fig. 7. S dargestellteu Schälstämme besprochen zu wer- den, denn sie tindeu ihresgleichen nicht unter den übrigen Nadelhölzern. Noch nie habe ich an Kie- fern. Fichten. Lärchen einen so aufiallenden Contnist zwischen Zuwachs von Ober- und Lnterstamm §. 2. Anatomie, F'uYsroLOciE uno Patqologie. 37 gesieheii. wie ilin uns Fig. 8 vorführt. Es liegt dies nicht bios in dir Hol/.stärkf dfr olicren Wälle, sondern aiieli die bekleidende Rinde ist njehr als doppelt so breit, als die des Unterstammes — und das in 4 Jahren geworden! Der andere Fall (Fig. 7) zeigt uns nmgekelirt eine inimensi' Verdickung des Unterstammes, bewirkt durch mehrere unterhalb der liingsschälung zu verstärktem Waehsthum angeregte Quirlzweige. Unter diesen ist A bei Weitem der stärkste — doppelt so stark, wie sonst 4 jährige Zweige zu sein pflegen: der ganze Dicken wuchs wird durch einen unterhalb desselben ent- standenen Wucherstreit'eu nach dieser Seite hin geschoben, und daher wäre auch von dieser Seite her eine vollständige Umwallung eines neuen Stammes mit Neuwipfel vielleicht möglich gewor- den. Die Krümnuin'i des Zweiges A würde derselbe bald ausgewachsen haben. Beide Fälle erinnern lebhaft an die Heproduction der Laubhölzer, namentlich wird der durch Fig. 7 repräsentirte den ge- ringelten Buchen an die Seite zu stellen sein, und Gegenstände zu Fig. 8 findet man an echt gemach- ten Obstbäumen u. s. f §. 'A. Bedeutung und Vorhersage. Die Tanne ist beim Wilde, wo es einmal das feine Harz derselben, das leichte Lösen der Rinde etc. kennen jrelernt hat. sehr beliebt und es wird der oft lange strauchfiirniig bleibende Haum auf alle mögliche Weise gemifshaudelt : er wird beim Fegen, dem auch wohl Fig. ß einmal ausgesetzt ge- wesen sein mag, ofl so zerschlagen, dal's an Aufkommen nicht mehr zu denken ist. Es würde weit mehr darüber geklagt werden, wenn die Tanne so gemein wäre, wie Fichte und Kiefer. Ueberdies ge- st.altet sich das Schälen positiv ungünstig durch die Breite der Wunden, die meistens den halben Umkreis des Holzmantels, und mehr noch, entblöfsen. Glücklicherweise ist die Reproductionskraft der Tanne sehr rege, wie wir das ja u. A. von der Ueberwallung abgehauener Stöcke her wissen (p. 10). Rings- schälungeu, wenn si«' nicht zu breit sind und nur einige entgegenkommende Lappen verschonen, wer- den durch auf- und absteigende Thätigkeit des Cambiums wieder zugeheilt, woliei dann auch Seiten- wälle das Ihrige thun. Letzteren fallt aber meist die Arbeit alliin zu, und dann sehen wir sie, wenn auch oft erst nach 30 — 40 Jahren, glücklicii vollbracht: das Holz gewiiuit dadurcli, wenn es vor dem Schälen grobjährig war, oft durch Feinjährigkeit an technischer Brauchbarkeit. Wie dies bei ganz alten Schälstämnien sich fortsetzt, wäre noch im Walde zu untersuchen: die Schälstellen sind ja auf der Hiebfläche leicht an dem dunkeln Kreise etc. zu erkennen, auch würde man bei einiger Aufmerk- samkeit von aufsen die Schidstellen bei lOOjährigen Tannen ziemlich eben so leicht, wie bei öOjähri- gen erkennen. So scheulslich durch Schälung verunstaltete Stämme, wie ich sie bei Fichte kenne, habe ich bei Tanne nie gesehen. Bei den meisten wird die Rundung nicht so, wie bei gut verheil- ten andern erhalten (z. P. in den Fig. 2 abgebildeten); das kann sich aber nach .50 Jahren auch noch ändern. Auch ist die Tanne, hinsichtlich ihrer Schattenerträglichkeit, noch im Vortheile. Dinn, wenn aiuli verbissene und geschälte Individuen zurückbleiben, so leiden sie nicht so leicht durch Un- terdrückung und arbeiten sich, wo nur eine dem Lichte zugihiglicbe T^ücke entsteht, desto schneller empor (p. 9 und meine forstnatiirir. liei.ten p. -i'Jj). Hier finde ich liesondere Veranlassung, auf die Wurmfrage (1. 271) nochm.als /.uri'ick/ukommen. An den mir zu Gebote stehenden Scheiben, wie an stehenden, zufällig entrindeten Tannen konnte ich nie einen Angrifl'von Insekten auf das nackte Holz wahrnehmen, möchte es daher, wenn es vorkäme, für eine noch seltnere Erscheinung, als bei andern Nadelhölzern ansehen. Mit dem Hol z.in gri ff ist niciit zu ver- wechseln der auf berindete Theile. welcher wohl öfters vorkommen möchte, besonders an den für das Anbohren bequemen Runzelstellen, welche dennoch so weiche Rinde haben, dafs die kleinsten Bostrirhen leicht durchkommen. In dieser Beziehung ist der, schon in so mancher andern Hinsicht interessante 38 Vierte Holzart: I.arcbe. Stamin, den Hr. Borggreve so schon auswählte (Fig. 7), lehrreich. Die Käfer ) hatten sicli deil dünnsten Lappen ausgesucht, um hier nicht von zu starker Saftbewegung gestört zu werden; denn an den stärker wuchernden Theilen dieses Stammes, von welchem ich noch das untere Stück verglei- chen konnte, war nicht eine Spur des Käfers. Ich möchte daher auch annehmen, dals Seitenverwal- lungeu der Tanne oder Krummstäbe von Käfern nicht angebohrt werden. Schliefslich hier noch, im Anschlufs an §. 4 (Feinde) die Bemerkung, dafs der von chalcographus angebohrte Stamm dadurch nicht eingegangen wäre. Vierte Holzart: Lärche (Pinus Larix, Meleze). §. 1. Werth der Lärche, Systematik, Literatur. Bildet Lärche oder Tanne den passendsten Anschlufs an die Hölzer des ersten Bandes? wird mancher meiner werthen Leser fragen, dem die Systematik zur Gewohnheit geworden ist. Darauf habe ich, wenn schon hier von Verwandtschaft gesprochen und dem §. 2 vorgegrifien werden soll, einleitend zu erwidern, dafs eine systematische Reihenfolge für die wichtigsten deutschen Wald- bäume aus mehreren Gründen, die ich l)ei der allgemeinen Betrachtung der Laubhölzer etwas umständ- licher betrachten werde, nicht gut durchzuführen ist, auch fiür die Zwecke dieses Werkes ganz über- flüssig, vielleicht sogar störend sein würde. Bleibe ich indessen bei dem vorliegenden Falle und der Frage: ob Lärche oder Tanne zuerst? so würde ich, obcrleich auch hier eine Reihenfolge sleichafülticr ist, mich für das prius der Tanne entscheiden , was ich auch schon in der vor vielen Jahren angenom- menen Reihenfolge der Tafeln ausgedrückt habe. Auch schlielst sich die Tanne als wintergrüuer Baum an die beiden andern wintergrünen, und dafs die beiden Tannen, Roth- und Weifstanne, hinter ein- ander folgen, wird auch der Nichtbotaniker natürlich finden. Andererseits würden sich auch Gründe ftir Verwandtschaft Aev. Lärche mit der Kiefer nachweisen lassen. Beider Holz ist das harzhaltigcre, ihre Rinde bildet flachrissige Blätterborke, ja ihre Feinde haben darin eine gewisse Verwandtschaft, dafs sie sie wohl von der Tanne zu unterscheiden wissen, d. h. dafs mehrere die eine oder andere ausnahmsweise promiscue angehen, aber nicht die Tanne, welche manche Feinde eher mit der Fichte theilen (histrionana, hercyniana etc.). Reden wir von gröfserer Wich tigkeit, so bekunden die zahlreichen Schriftsteller, welche die Lärche in Abhandlungen und Monographien beschrieben oder doch in systematischen Werken ihr einen grölsern Raum gegönnt haben, als der Tanne, den Vorzug der erstereu. Dies gilt von Forstmännern, wie von Naturforschern und denen, welche die Mitte zwischen beiden halten, wie Rofsmäfsler **), ') Nach Form und Dünne der Oänfjc mufs icli auf Bnntr. chalcographus schliefseu. Er ist es ja auch, der unter den Sternfabrikanten am meisten vagabundirt und auch bei Nördlinger als verdächtig für lannen bezeichnet wird (Nnchir. p. 21). Nördliuger bringt die Splintberührung mit der Dünne der Rinde in Verbindung. An meinem Brutlappen, auf dessen Splinte sich sämmtliche Gänge, vielleicht mit Ausnahme der Larvengänge, ausdrückten, war die llinde gewifs dünn! **) Er ist es auch, welcher der Schreibart „Lärchi:", wie die Abstammung von Larix es begründet, den Vorzug giebt und die Erklärung der anderen Schreibart, weil die Lerche (A/auda) sich gern auf diesem Baume niederlasse, für werthlos hält. Für den in Schlesien gebräuchlichen Namen Lecrdaum {Lehrhmtm) läfst sieh kein Autor beibringen. §. I. \Viiiiii III II I.Aticm;, Systkmatik, LirKitAii ii. 39 der unter seinen schönen, der Lurche gewidmeten Hildcni auch lins der Stockverwailung (p.344) einräumt. Dann besonders die Reisenden. ol)enau v. Middendort'f. wclcln r die Lurche für den charakteristischsten liaum einer so ungeheuren Läiiderstrecke. wie Siliirien, hält und diesen Charakter in iistlietischer Iliu- sielit ^einen frischen, fröhlichen" u ihre Gebirgsnatur um so entschiedener hervor, je weiter südlich oder gar Südwest- §. 1. Wehtd deh Lärche. Systematik, Literatur. 41 lieh in"s Insularkliiiia Europa"s liinoiii, wir ihr Vorkommen verfolgen. Im gesamniten Norden und Osten Sibiriens ist sie ebenso sehr ein Baum der Ebene, als der Ge])irgshölien. Erst in •'•rölserer Kähc zum südlichen Knie des Amur-Flusses sah ich sie sich auf die Höhen zurückziehen, gleichwie das in Europa der Fall ist. Bevor die Lärche sich dort durch heifse Sommer völlig verdräno-en läfst sucht sie auf den nördlichen Abhängen Sciuitz." Ueber die absolute Grenze sagt Middendo rff (p. 532): „An der Chätanga erreicht die Waldgrenze unter etwa 71,V' n. Br. die gröfste Polnähc, unter der sie auf unserem Erdballe überliaupt zu finden ist. Aber auch nordwärts von der Bo'>-anida sah ich noch an der Nowaja /wv7jj/;e//«rc/(e«, Stämme, die Mitteldinge zwischen Stamm und Wurzel waren, bis etwa 72" n. Br. hinauf aus dem Moose versteckt hervorgucken, so dal's wir hier ausdrücklich Baum- und Waldgrenze genau von einander unterscheiden müssen." Aus diesen eigenen Worten Middendorff's geht nun schon hervor, dafs er die Sibirisclie Lärche — deren die Botaniker sogar zwei unterscheiden — mit der Europäischen biologisch-meteoro- logisch (sie!) identificirt, wozu er als forstlich-gebildeter Naturforscher auch das Recht hat (p. 531). Wenn wir indessen unserer Europäischen Lärche ein specifisches Recht einräumen und die klimatischen Verhältnisse dieser kennen lernen wollen, so müssen wir uns an meine beiden andern Autoren wen- den, unter welchen ich IL v. Molil liier am liebsten höre, da er die Schweizer Alpen kennt und deshalb wohl am meisten berechtigt ist, über die älteren bewährten Alpenkenncr, Kasthofer und Wahlen- berg, ein Urtheil abzugeben. Die Käst hofer "sehe Angabe von Lärchen-Grenxe bei Zermatt (7000') billigt er und nimmt hier auch die Waldgrenze an (p. 415). Wahlenbcrg's Ansicht dagegen, dafs die Lärche ein erratischer Baum sei, verwirft er, und, wie ich glaube, mit Recht ; denn dieser Aus- spruch gründe sich auf unzureichende Keuntnifs der Central-Alpcn, und nur durch alleinige Berück- sichtigung ungeeigneter (auch devastirter) Oertlichkeiten habe Wahlenberg eine iarc/«e«-Region ge- leugnet. Eine solche sei aber in der That vorhanden, „denn im hohen centralen Zuge träten Arve, wie Lärche, in grofsen, reinen Beständen auf, einen oft 2000' hohen Waldgürtel über der Fichte bildend, welcher den Namen einer eigenen Region *) so gut als irgend eine andere Baumregion ver- diene, mii so mehr, als sich auch, wie Wahlenberg selber angäbe, ein ganz analoges Verhältnifs in den Carpathen finde" (1. 1. 414). Radde's Gürtel der Birke s. dort §. J. Im Wesentlichen kommt Sendtner (1. 1. p. 554), und zwar gewils nach sorgfältig erworbener Localkenntnil's, die vielen Alpenreisenden gewifs nicht in dem Mafse, wie dem trefl'lichen, nunmehr verewigten Bergsteiger, zukommt, zu demselben Resultate. ,.Im Ilauptzuge des östlichen Stockes nimmt die Lärche dermalsen überband, dafs sie neben der Zirbe — welche in der Schweiz noch höher zu steigen scheint — die Baumgrenze darstellt, die sich an günstigen Localitäten bis gegen 6000' erhebt. Für die nun folgenden niedrigeren Gebirge, wie die mitteldeutschen, ist eine eigene Lärchen- Region nicht anzunehmen, wie etwa eine Fichten- oder Kniehoh -\icg\on. Lärchen giebt's hier (wie •) Leider läTst sich der Charakter einer solchen Kejifion zur iCeit noch nicht physikalisch genügend feststellen, hauptsächlich weil es uns an genauen thermo- und psychrometrischcn Beobachtungen fehlt und die Mittel namentlich kaum an- nähernd bestimmt werden können. So viel kann man indessen sagen, dafs die Differenzen zwischen höchsten und niedrig- sten Temperaturen im Ilochnorden viel gröfser sind, als in den Alpen, vielleicht doppelt so grofs, etwa 40" (zusammengesetzt aus — 30 und ■+■ 10"). Darin dürfen wir also den Charakter der übereinstimmenden Vegetation nicht suchen. Vielmehr dürfte dieser liegen in der Intensität des Lichtes, dem „directen Lichte" Humboldt's. Daher auch das grofse Licbt- bedürfnifs bei Erziehung der Lärche. Welche Rolle die Feuchtigkeit spielt, ist noch zweifelhaft, denn man kennt sie ja nur vermuthungsweise und baut darauf nur gewaarte Theorien. Der Einllnfs auf die Vegetation wird deutlich: .indem der feuchte Boden den Wurzeln reichliche Nahrung zuführt und die Thätigkeit der Blätter, namentlich Verdunstung, durch das helle Licht und die trockene Luft aufs Höchste gesteigert werden mufs (v. Mohl /. /. />. HS). Im Ilochnorden soll aber die Luft ent- schieden feucht sein. Früher schon gemachte Einwürfe habe ich erörtert in meinen Unkräutern und Sinndortsgew. p. 375 f. Eine wichtige vergleichende Stelle ist noch bei Middendorff (p. 670). In den .\lpen werden die Pflanzen mehr durch den Boden, als durch die Luft erwärmt, während die Pflanzen des sibirischen Eisbodens sich ganz verschieden verhal- ten. Die Lufttemperatur, obgleich niedrig, bleibt doch während mehrerer Sommermonate beständig und fTdlt nicht unter den Gefrierpunkt (p. 679). IL 6 42 Vierte Holzart: Lärche. namentlich in den Sudeten) Gottlob! noch genug; sie wachsen aber nur hier und da in geeigneten Localitäten, welche der Forstmann studiren mul's, wenn er auf Erfolg rechnen will. Am glücklich- sten ist die (hier und da wohl schon von Natur getroffene) Wahl des Standortes in den Sudeten ausgefallen, aber nicht im Hochgebirge, sondern in den Vorbergen und der untern Bergregion, wo be- sonders an Nordseiten luul in der Untermischung die Lurche einen herrlichen Wuchs zeigt (meine „forslnaturw. Reisen'^). Die auffallendsten, aber auch zugleich lehrreichen Beispiele von uniiassender Standörtlichkeit zeigt der Harz mit seinem (nun immer mehr einschmelzendeu Lärchen - Bestände auf dem Plateau von Friedrichsbrunn. Die Mitteltemperatur (von gewifs nicht über + 4" R.) wäre hier wohl die geeignetste, allein die freie, sturmumtobte Lage des Plateaus und Reinerziehung störten von Hause aus den Wuchs. Die schönsten und stärksteu Stämme sieht man auch im Harz in den Vor- bergen, z. B. im Thale hinter Hasserode, wo aber leider aus Nebengrttnden die schönen Stämme gefällt werden mufsten. Ein höherer Standpunkt des Naturforschers berechtigt ihn wohl noch zu zwei Fragen: Liegt die Erschaffung eines so widerstandskräftigen, dauerhaften Holzes in der Idee der Natur? und erlangt es diese Kraft gesetzmäfsig oder nur zufällig? Ich will hier nicht darüber entscheiden: ob der auch auf die rauhesten Klimate ange- wiesene Mensch jene Erschaffung not big gemacht habe? — fast scheint es so, als wäre er aber auch im übermäl'sigen Verbrauche von Lärchenhoh über seine Befug- nisse hinausgegangen (Midden- dorff p. 61-2, 615, 641). Ich glaube die Bejahung jener Frage, sowie die fragliche Gesetzmälsig- keit, aus der Reprodnctionskraft der Lärche abli'iten zu kr)nneu. Die Europäische Lärche setzt dies aufser Zweifel (s. die fol- genden Paragraphen) und Mid- dendorff bestätigt dies bei Be- schreibung der mannigfachen, noch unter dem Moose wachsen- den Stämme (s. auch §. 3) der Sibirischen (z. B. p. 600), „an welchem die Knospen am älte- ren Holze sich häufen." Ich erlaube mir, „den Nestor unter den fast unterirdischen Gnomen" hier zu copiren. Nur fingerlange Aestchen ragten senkrecht aus der Moosdecke hervor. An ihnen salsen theils erfrorene Triebe (kleine Spiefse), theils waren sie mit wohlausgebildeten Zapfen (dies- und vorjähriger) dicht umgeben '). *) Von Hrn. Lütke xylographirt. Kin circa fingerlanger gewundener Theil, den Middendorff für Wnrzel liielt, ist hier weggelassen und nur das gegeben, was, nach dem Ursprünge der Zweige zu schlielsen, für Stamm zu halten ist (s. auch Erklär, in §.3), der in 2 Aeste (rf der noch grüne und ee die schon trocknen etc.) gespalten ist. §. 2. Aeusseres. 43 §.2. Aenfseres. Boo-innen wir mit ilircii botaniscben Eigentliüniliclikoitt'ii, so finden wir das erste und merk- wiirdir«-Abwölbung, immer mehr hervor **), und würden es ebenso, wie die folgenden, noch mehr thun, wenn nicht immer 'I llartig (Call. p. 39) meint, dafs, da die eigentliche Belaiibnn^ (Büscheltriebe) schon im April erschiene, die Längentrielie dann aber erst Ende Mai nachfolgten, bei der /.aVcAe eine merkwürdige physiologische, bei andern Nadelhölzern nicht cxistirendc Erscheinung vorläge, dafs sich daraus auch die ünemptindlichkeit dieser Uolzgattung gegen Spätfröste erkläre, liier schon meine Ansicht: Warum sollen denn die Längentriebe allein erfrieren? (s. Feinde). **) In der Erhaltung dieser Beästung, trelTlicb ausgedrückt in Ro fsmäfsler's Bildern ad p. 33:», wird ein Hauptgrund des Gedeihens und der Zuwachszunabme, resp. Flechtenlosigkeit und Gradwüchsigkeit der Lärchr gesucht. In den Tharandter Jahrbüchern finden sich lehrreiche Nachweisungen, v. Berg hat dies in einem eigenen Aufsätze {X. lid. p. l'JO — 151) darge- tban, in welchem es heifst: .Die Lärche mufs selbst bis ins höhere Altereinen starken, tief herabhängenden Astwuchs erhalten, nm vollkommene Stammbildung zu erlangen, und dann kommt er wieder in einer Note zu v. l'nger's -Fichtendurchpflanzung mit Lärchen'^ (XIV. Bd. p. ■'>5 — 74) auf die Nothwendigkeit einer ränmlichen Stellung — also auch auf die Znwachsvor- 46 Vierte Holzart: Lärche. Terminaltriebe abstürben — zu normalen, aber bald überwachsenen Spiefsen würden — und dann Zeit mit dem Ersatz von Seitentrieben verginge. Im Bau von Holz und Rinde, die ich kurz schon hier erwähne, nähert sich die /.drcAe mehr der Kiefer, als der Fichte und Tanne: die Rinde ist sogar, bei älteren Stämmen abgerechnet das schönere und reinere Roth, besonders am Zopfende, der der Kiefer zum Verwechseln ähnlich. An jungen Stäm- men ist sie grün, und erst, wenn sich Borkenschuppen bilden und diese Spalten bilden, schimmert in dieser das Roth durch (s. Taf. 41). Bei der allgemeinen vergleichenden Betrachtung der Nadelhölzer ist darüber etwas ausführlicher gesprochen, auch kommen beim „Wildschälen" Holz und Rinde wieder vor, ganz besonders die Verschiedenheit der Harzerzeugung. Auf Kalkboden soll die Lärche viel weniger Harz haben, als auf den krystallinischen Gesteinen (v. Berg in Thar. Jahrb. X. 12b). Jahr- ringe auch an den Zweigen meist leicht zu zählen, was wegen des sonst zweifelhaften Alters wichtig. Dafs an alten Stämmen Ausschläge entstehen, ganz von selbst oder durch geringe Verletzungen her- vorgerufen, ist durchaus nicht ungewöhnlich. Die schönen starken und hohen Lärchen auf der kräftigen Grauwacke der Bischofskoppe in Schlesien hatten solche in Menge — überwachsene Kurztriebe, die zu schlafenden Augen gemacht sind nach Hartig, eigentlich in die Kategorie der Nachtriebe gehörend. Das (nicht überall gebräuchliche) Schneidein erzeugt die sonderbarsten Stammbürsten, wie sie die Rüster nicht einmal hat. Hr. Wachtel skizzirt einen dergl. Stamm von ca. 50 Jahren, der nach öjähriger Astberaubung so aussah, wie ich es in §. 4 wiedergab (s. auch Schälen). Maserbil- dung schliefst sich unmittelbar an und führt uns zu §. 2 hinüber. Ueber den Werth der Lärche im Allgemeinen kann kein Zweifel aufkommen. Ich will hier gar nicht von der schon Eingangs gerühmten schönen hellgrünen Farlie des Laubes reden, nicht von der bekannten Dauerhaftigkeit des Holzes, welches auch im hohen Alter nicht rothfaul werden soll, vom Harze u. s. f. Nur von den weniger beachteten, mehr Form und Astreiniguug charakterisirendeu Vortheilen, welche der von J. v. Pannewitz meisterhaft geschilderte Anbau der LärcAe gewährt, nur ein, zugleich gewisse noch nicht erwähnte Eigenthümlichkeiten berührendes Wort, und zwar dies nach der Schilderung eines erfahrenen Forstmannes, des Forstmeisters v. Unger in Seesen (Thar. Jahrb. XIV. p. 66). Lärchenstre'ii'en sind zur Verminderung der nachtheiligen Wirkungen der Stürme auf die theile einer reichen Belaulmug! — zurück, beruft sich ilaliei (p. 57) auch auf das Schweiz. Forst-Journal v. 1838 u. ISö'J. Ich erlaube mir auch meine forstnaturw. Reisen (Berlin lS4'Jj hier zu neunen. Ich habe hier Lärchen aus deu verschiedensten Oert- lichkeiten verglichen: die riesigen Stämme von der Bischofskoppe in eiuem Niederwalde (p. 2(U) mit S ternitzky'schen Ausmessungen und Abschätzungen, dann die mit Fichten gemischten des Ziegenkammes am kleinen Zacken Ip. 42S), und die schlechter wachsenden, miiKiefern gemischten im Glatzer Gebirge (p. 285). Wenn ich bei dieser Gelegenheit noch eine Verhandlung anknüpfe, die, da sie sich auf Unkräuter bezieht, hier fremd zu sein scheint, so bedenke man, dafs Unkräuter auch zum Gedeihen oder Verderben des Waldes lieitragen, viel häufiger aber nützlich als schädlich sind, in vielen Fällen also einen wohl zu beachtenden Fingerzeig der schützenden oder heilenden Natur abgeben. Ich habe, theils auf Vergleichung ver- schiedener Localitäten gestützt, theils aus theoretischen Gründen behauptet (Standortsgew. u. Unkraut. p.312), dafs im Thier- garteu bei Berlin ,die alten Eichen ohne den reichlichen Graswuchs noch mehr verlieren würden." Die Lärche bringt mir eine neue und wichtige Autorität in unserm viel erfahrenen Ober-Forstrath v. Berg. Er sagt (Thar. Jahrb. X. p. 132) 1) „wo der Boden zur Grasproduction geneigt ist, wächst die Lärche fort." Dann 2J „unter den älteren Lärchen in den Alpen fand ich ebenso wenig die Heide, als unter denen am Harze, sondern entweder junge Holzpfianzen, oder Gras." Kann man also wohl, wie Hr. Forstmeister Krohn (Dengler's Monatsschrift Jnhry. 1862, p. 198), behaupteu: .von allen Forstunkräutern sind die Gräser die schädlichsten"? Krohn wendet den Satz, den er ursprünglich von den Culturen entwirft, wo ich ihn mir noch ge- fallen lassen würde, auch auf meine Eichen des Thiergartens an und sagt: .Die (järtner vertilgen das Gras rund herum um die Obstbäume." Das ist aber auch nicht eine allgemeine Wahrheit. Denn es giebt auch viele Obstgärten, wie ich sie in Preufsen und Sachsen gesehen und wohl für Obstreichthum als Muster aufstellen möchte, die zugleich Grasgärten sind. In der Schweiz habe ich au den meilenlangen Bergen am Geufersee nie ein Vertilgen des ellenlangen Grases durch Aufhacken und Aufgraben gesehen und zweifle auch, dafs die dortigen Obst- und Walluufsbäume nach einer solchen Operation besser tragen, oder dafs die v. Berg'schen Alpeu-iä>c/icn nach Entfernung des Grases besser gedeihen würden. Die Frage ist also gar nicht so leicht und so einfach, denn selbst unter den Gräsern würde man einen wesentlichen Unterschied machen müssen zwischen „Wurzeln- Verschlingen", welches Krohn allen Gräsern l)eilegt, und faserwurzligen, u. s. f. §. 3. Anatomik. Physiologe. Patiiologi!:. 47 Ficlilenhcatixniie geeignet, weil die Lurche lester wurzelt, als die Ficlilc u. s. f. Und dann: »durch die in FicA/CHbeständen vertheilton Larr/ic/ist reifen wird dem Forstnianne und Jäger das Eindringen in das Innere der Dickielite erleichtert, weil sich die Lärchen unten früher reinigen. Leher Zusammenhang mit L«;-r/(«'H fi eher s. meini'n Aufsatz in Grnnerts forsll. Hl. II. 88- Ueber Bluten §. 3. §. :'). Aiiatdiilie, Physiologie. Puthulogie. Die Lärche ist in diesen verscliiedenen, vorher nur kurz berührten Beziehimgen so wichtig und interessant, dafs eine ausfiihrliche Bespreciuing, welche zunächst die an atom i sclun \'(rwandtschaften untersuchen soll, am Platze ist. Sie ist allerdings andern Nadelhölzern iUuiiieh, aljer welchen am meisten? Ich würde sie, abgesehen s-on der Feinjährigkei t der Firhic, wie morphologisch, so auch anatomisch- physiologisch, zuerst mit der Kiefer vergleichen, wie denn ancii in der That die Lärche durch ihren dimur- phen Jugendzustand ihre doppelten Knospen und Brachy- und Makroblasten sich am meisten zu der Kiefer, mit welcher sie zwar nicht cultivirt (meine ..Reisen^ p. 2S5), aber wild gern zusanunen wächst (v. M idden- dorff), hinneigt. Die anatomisch- physiologische Aehnlichkeit*) beider begründe ich durch folgende, *) Einig ist man über diese Aehnlichkeit nicht, und dies spricht dafür, dafs die Lärche eine Znischenhildiing ist. die daher auch nur wenige Arten auf unserer Erde entwickelt hat. II artig und v. Mohl vergleichen die Lärche mit der Fichte, Schacht liringt sie zur Kiefer, und zwar wegen der Rinde, welcher ich auch ein grofses Gewicht beilegen würde, v. Mohl sagt allerdings sehr wahr: ,.\uch bei der Fichte ist am Ende des ersten .Jahres die fiiifserc und zwar sehr dicke Schicht der Blattkisscn abgestorben nnd durch ein deutliches Periderm von der grünen Kinde getrennt. Dagegen besteht der Unterschied, dafs dieses Periderm nicht wie bei der Lärche innerhalb des von den llarzcaufden gebildeten Kreises, sondern aufserhalb des- selben liegt; die Ilarzcanäle selbst liegen in mehrfachen Reihen" (p. 338). Ilartig behandelt die Lärche ungewöhnlich knrz (Culi. p. ü"). Den oben angegebenen Vergleich müchte ich hier noch auf den Zuwachs ausdehnen, dabei aber auch hier nicht überall die Fichte berücksichtigen, da die interessantesten Verhältnisse der Lärche sich da einstellen, wo es Firhit» gar nicht mehr giebt (I. 89). Es lassen sich also, was schon wichtig genug ist, nur Lärchen aus verschiedenen Standorten unter ein- ander vergleichen, wobei ich von der Voraussetzung der forstlichen Identität sibirischer nnd europäischer ausgehe (v. Mohl). Ilartig standen nicht ältere als 60jährige zu Gebote. Ich darf mich auf meine schlesischen Gcliinislärchtn berufen {Reisen p. 2.57 f.), welche über 100 Jahre hatten. Wenn ich mich nun zu den Middendorffschen wende, so darf man wohl anneh- men, dafs unsere Lärche sich ähnlich verhalten würde, wenn sie so weit nördlich ginge. .An der von mir (Taf. 41) ab- gebildeten Scheibe ist ja auch die äufserste Zone so schmal, dafs sie dem feinjährigsten Zuwachs des Ilochuordens an die Seite gestellt werden konn. daneben an dieser Scheibe Ringe von 2"' und mehr. Der Middendorff'sche (auch I. I. p. G04 abgebiMete) Zwergkrüppel hatte kaum 2" Dicke und ca. 150 Jahre, also pro Hing kaum ,',"' l'nter ilem Polarkreise und weiter nördlich erreicht auch kein Jahrring j'"> wogegen unter liO" n. Br. günstige Imstande die breitesten Ringe schon bis über 2'" bringen, also eine Prodnctionskraft wie meine oft noch kräftigeren schlesischen Lärchen erlangen. In der Nähe der Waldgrenze an der Bogauida (über 70°) sind es schon .Könige des Waldes", welche noch nicht 40' Flöhe erreichen un^l 8 — 10" Durchmesser haben ur.d mit 217 Jahren schon alle Kennzeichen begonnenen .\bsterbens an sich traircn (I. 1. t;32). Technologisch schliefscn wir daraus, dafs keinesweges die feinjährigen Lärchen das dauerhafteste Holz liefern, v. Middendorff (I. I. 538): .Sieht man, wie sorgfältig der sibirische Ansiedler nicht etwa Steine, sondern A.nVp/ienstämme zu Fundamenten seiner flänser wählt, die, wie er sagt, ewig unversehrt bleiben, hat man dies an 200 jährigen (iebäuden bestätigt gefunden, so wundert man sich nicht mehr darüber, dafs unter dem Noah-IIolze weit früherer Zeiten fast nur Lärchen sich erhalten zeigen." Nach Göppert's Abbildun- gen von Noah - nölzern (in v. .M iddendorff's .^iiV^iV. llei.se liil.t. Th. 1. Tnf. Vll.) haben diese noch ,"' starke .lahrringe. Boden und Klima wirken darauf gewifs gemeinschaftlich sowohl im Norden, wie in unsern europäischen Gebirgen, wie auch dies der geistreiche und physiologisch gebihlcte Reisende zur Anschauung bringt: .Die Lärche verträgt, je weiter südlich, je höher ins Gebirge hinauf, wo Ausdünstung vermehrt ist, um so mehr Feuchtigkeit, während sie im Norden nur auf trocknen Staudort vorkommt" (I. 1. .540). Nachtrrdichi- .Mittheilnngen meines Freundes Wachtel benutze ich hier noch, da sie auch für viele deutsche Loca- litäten mal'sgebend sein dürften. Von einem Gt'.jährigen Stamme schnitt er eine 21" dicke Scheibe ( incl. IV' Kinde) und be- rechnete für den Jahrring \\"\ und zwar mit iler Bemerkung, dafs man, da solche Lärchen bis zum jO. Jahre dort am betten wüchsen, dort auch .iOjährige Abtriebszeit setze, eine Zeit, in welcher auch nach Pfeil Baubolz erzielt wird. So die rium- lich erzogenen Stämme. Gedrängt (zwischen AVe/ern und /V<:A>(n) aufgewachsene, dicht neben jenen, die auch nur GG Jahre zählten, waren über SO' hoch, aber nur S— U" stark, mit kaum V" starken Jahrringen. Auch mufs ich hier noch einan Kall 48 Vierte Holzart: Lärche. schon mit blofsen Augen wahrnehmbare Eigenthümlichkeiten. 1) Beide haben ihren gröfsten Harzreich- thum im Holze und nicht in der Rinde. 2) Auch macht sich die Braunschicht der Jahrringe bei beiden am meisten bemerkhch. 3) Die Verborkung der Rinde schreitet bei beiden rasch nach innen, was den ungewöhnlich schnellen Verlust von Harzbehältern zur Folge hat und auch die Saf'thaut auf eine Schicht beschränkt, die geringer als bei Fichte ist, wogegen die Borke bei beiden eine desto gröfsere Ausdehnung gewinnt. In Blättrigkeit und Fai'be der letztern sind beide so ähnlich — wenig- stens was europäische betrift't — , dal's man sie verwechseln kann, während man die Rinde der Fichte, wenigstens äufserlich, wohl mit der der Tanne verwechseln kann, gewifs aber nicht mit der der Lärche und Kiefer. Hier darf ich auch der Verwallungs - Reproduction erwähnen , da sie ihren anatomisch- physiologischen Grund hat. Wenn sie auch der Fichte nicht ganz fehlt, so ist sie bei ihr doch jeden- falls träger, als bei Lärche und Kiefer, welche sich darin ziemlich gleich stehen werden, wie ein Blick auf das uon plus ultra von /üe/eni-Bürste der Taf. 1" beweist (s. Schälen). Ich gehe nun die einzelnen hierher gehörenden Erscheinungen noch besonders durch. Vom Mark ist nichts Eigenthüniliches zu sagen; es ist auch, je nach der Kraft der Vegetation, bald etwas stärker, bald schwächer. Das Holz, welches, wie schon erwähnt, mit dem der Kiefer die meiste Aehn- Uchkeit hat, ist doch röther, mit einem von mehreren Schriftstellern (Schacht) anerkannten gelb- lichen, zuweileu rosarothen (Spiralschälen) Stich, welcher selbst bei längst verarbeitetem Holze oft bleibt (s. Fig. 6). Merkwürdigerweise harnionirt dies mit der rothen Farbe der Rinde, welche man besonders auf der Unterseite von Borkenschuppen bemerkt, und deutet auf hier allgemein wirksame chemische Verbindungen. Harzcanäle stehen denen der Kiefer etwas nach, aber beide übertrefi'en in Menge und Weifse derselben die Fichte, wenn nicht krankhafte Schwäche sie vermindert (Taf. 41", Fig. 4'»). Die Markstrahlen geben nur mikroskopisch, und zwar auf dem Radialschnitte, wesentliche Unterschiede, gegenüber der Kiefer. Sie zeigen dieselbe Gleichheit aller Zellen, wie bei Fichte, ent- behren also der Grol'sp origkeit , wie sie die mittleren Zellen der Kiefer darbieten. Von ihren Harzcanälen s. die Rinde. Schacht (Baum 190) nennt die Markstrahlen lang (bis 12 Zellen, was je- doch auch schon selten ist) und die der Tanne „ziemlich lang"; letztere haben ja aber bis 20 Zellen ! Frost spielt auch hier (wie bei Tanne §. 2) eine grol'se und wichtige Rolle. Er tödtet die Nadeln selten bei uns. Die Lärche zeigt darin ihre Abhärtung. Man hat daher nicht leicht Gelegenheit, die Wirkungen desselben auf die Holzbildung kennen zu lernen. Hr. Förster Hochhäusler besorgte mir erfrorene Zweige aus dem schlesischen Gebirge, und ich habe diese sammt der gewonnenen mikrosko- pischen Ansicht auf Taf 41' dargestellt (s. Bilderweiser). Trotz der Aehnlichkeit der Weifsholz- verdoppelung mit der der Tanne giebt es doch bemerkenswerthe Unterschiede: der 66er Frostring (Taf 41% Fig. 1") hat mehr als der 66 er Frostring der Tarnte (s. Taf 36, Fig. 7'') gelitten. Auch für die Vergleichung von Frost und Frafs hat die Lärche schon Material gehefert, welches auch über den Geiz der Ersatztriebe schönen physiologischen Aufschlufs giebt (s. Chermes). Das physiologische Interesse der Frost-Erscheinung fasse ich folgendermafsen auf. Besonders auffallend ist die Schwäche der Nachfrostschicht. Bei ihrer Bildung konnte nur die allmälig entstehende zweite Benadelung mitwirken, während die Tanne sofort nach dem Froste mit der ganzen Thätigkeit ihrer Altu adeln eintrat und dadurch eine Nachfrostschicht herstellte, die viel stärker ist, als die Vorfrostschicht. Mit Rücksicht auf li artig' s LärcAew-Experimente bemerke ich nur noch Folgendes: Wie kommt es, dafs bBrücksichtigen, der, obgleich er in die feinere patliologische Anatomie hineinspielt, dennoch den Forstmännern vorgetragen wird (.Schindler in Smoler's Verdnssc/iriß v. 1861 p. 75). Prof. v. Ettingshausen erhielt niimlich Holzstücke von Pfeilern einer Donaubrücke, welche über 1700 Jahre im Wasser standen. In dem einen Stücke deutete die Structiir auf Lärche und die Ver- wandlung, welche dabei vorgegangen war, auf eine allmälige Zerstörung der „secundären Alilagernng" (also Verdickungsschich- ten), denn die Tüpfel waren meist nur noch als Rudimente vorhanden und nur in der Nähe der (schützenden?) Harzcanäle die Tüpfelzellen unverändert erhalten. Bei den Stücken von Eiche (s. dort §.3) war die Umwandlung nicht im Innern der Zellen, sondern von Aufsen (in der Intercellnlarsubstanz) erfolgt und v. Ettingshausen gebraucht deshalb die Ausdrücke «endogene und o.\ogene Urawandlnng". §. 3. AnaTOMIK. I'lIY.SIOI.OCIK, l'ATnOLOGIE. 49 seine aller Aeste und Nadeln Ijcraubtcn Lurchen trotzdem einen vollen JalirriniT erzeuften und dafs meine Frosllärchen. welche nach kurzer Zeit ihre Benadelung grol'stentlieils wieder erliic^lten, sowenig Holz anlegten? War bei ihnen nicht dieselbe Quantität Keservestofl' überwinteit . wie bei Hartig?? Sieht man nicht gerade, wenn man Tanne und Lurche vergleicht, dals die Nadeln den Jalirrin ^'erlängerung der in den gröl'seren Markstrahlen des Holzes verlaufenden Harzcanäle bilden, von diesen sieh jedoch dureli ein weit bedeutenderes Lumen untersi'heideu" (/././).. W-/). Sehacht räumt auch diesen die Priorität ein*}. Ihre Wichtigkeit wird beim SeluUen hervortreten. Von diesen Markst rahl-Canälen nnk-hte ich nun die Flüssigkeit herleiten, welche auf dem Querschnitte in der Peripherie des Cambiums zum \'orsehein kommt, und. wie der Geruch des damit benetzten Fingers zeigt, harziger Natur ist. Diese Flüssigkeit ist selbst im Winter, wenn die Harz- Ittcken kaum tropfen, so bedeutend, dal's der ganze Schnitt allmälig sieh damit überzieht. Indessen habe ich dies pcri[dierische Hervorciuellen, wie das Tropfen aus den Harzlücken, bestinmit in verschie- dener Stärke gesehen. Junge, kräftige, 2 — -ijährige (also oft wintergrüne I) Pflanzen gaben reichlicher Harz, als ältere Bäume, und an letzteren traten die Tropfen im Winter nach dem Nadelfall, obwohl bei mildem Wetter, sparsamer und undeutliidier hervor als vorher. Ich fiiule darin eine neue Bestäti- gung der schon (Bd. I. p. 03) physiologisch angeregten Theorie der Nadelthätigkeit. Die Stelle bei Mohl (p. 341 links . welcher ebenfalls auf eine Verschiedenheit der Nadelthätigkeit bei sonuner- und wintei'grünen C'oniferen konnnt, und zwar iiei Iietrachtung des Holz harz es. hatte ich damals noch nicht beachtet: die Sache, auf die wir also beide unabhängig kamen, empfiehlt sich doppelt für künf- tige Beachtung inid verspricht Aufklärung über Saftbewegung der Nadelhölzer ülierhaupt. Ueherblicken wir die Orgaue der Harzerzeugung der Nadelhölzer, die hier mit der Lärche ab- schliefsen. in der Kinde nochmals im AUgeniciuen. so ergiebt sich das interessante Resultat, dafs die Harzorgane, welche bei den verschiedensten Nadelhölzern vereinzelt vorkommen, bei der Lärche sich vereint finden. Denn auch die Harzbeulen . welche man bisher als besonderes Eigenthum der Tanne ansah, kommen möglicherweise, wenn auch nicht als Normalbiidnngen, bei LärcAe« vor (v. Mohl /. l. p. 34J r.). Trotz aller dieser Quellen giebt die Kinde, wie schon einleitend bemerkt wurde, im normalen Znstande wenig Harz, uiul nur im Holze kennt man einen Keichthum. der sich daher auch bei kranken Llasen, Wannen, Bohr- canälen. 7* 52 Vierte Holzart: larcde. sei und dadurch die Infiltration des Harzes in die inncnn Holzschichten besonders begünstigt würde (p. 341 !.)• Die Forstmänner kennen das Verkiehnen abgehauener Aeste im Innern des Stammes, die dann nicht ausfaulcn können und den Stamm un spaltig machen, schon lange, aber eine Theorie dafür (gerade bei Lärche) giebt erst Pfeil {krit. Bl. IT. I. p.76): aus der Wunde tritt Holzsaft und des- halb durchziehen die Stümpfe mit Harz — also doch Austrocknen! Wenn diese für den Forstmann so wichtige und schon so lange schwebende Frage — im Jahre 1846 wieder durch Göppert (in den VerhandUingen des Scliles. Forsiver. p. ns." Bei normal gebildetem Lärchen- holze (vergl. I. 89) habe ich ilies nicht finden können. Selbst bei Verwallungsringen von Schällärchen, deren an manchen Stellen 4 und nu'lir auf 1" gingen, bestand immer noch die Hälfte des Jahrringes aus Rnndfasergewebe, imd lun- die Breitfaserschicht (Braunholz) ging bis zum Schwinden des Lumens. Alsdann waren 20 Zellen der letzteren so breit, wie 10 Zellen Weifsholz, oder 10 Zellen gleich 5—6 S;. 4 Vkiizweigl'ngs- und Verwallungsfeuler. 53 11. s. f. Kli kann ja Ringe nachweison, die nur 3 Zclleiiroihen haben, von denen aber wenigstens eine riindfasri'T ist (Tai. 41°, Fig. 4°). Dem treflüchen Sendtner ist wohl in anatomicis nicht ganz zu trauen. §. 4. Verzweigungs- niid Verwalhmgsfehler. Die interessantesten Fehler bieten Frost und Frais (s. Taf. 41°). Die Lärche bietet aber auch, ohne durch Thiere oder Frost beschädigt zu sein, Abweichungen im Wüchse, die Finger- zeige für den Forstmann abgeben und zu physiologischen Betrachtungen auffordern. Verwallungs- fehler kommen bei unbeschädigten Bäumen weniger vor und jene werde ich daher, um un- nütze Wiederholung zu vermeiden, beim Schälen vortragen. Daher jetzt nur von Stamm- imd Zweig- fehlern. Besonders sind, wenn ich noch von dem seltnen Frostschaden absehe, Bodeneintliisse, Stürme und Unterdrückung im Stande, . V'crkrüppelung des herrlichen Baumes zu erzeugen oder wenigstens seine Gerad- oder Schnellwüchsigkeit zu hemmen, inid dies will icii zuerst mit Küeksieht auf unsere Lärchen erörtern. In der Unterdrückung, wenn auch nur durch ihresgleichen und Seitenscliatten hervorgerufen (Hartig), geht sie zwar eine Zeitlang mit den andern Individuen in die Höhe, bleibt auch gerade, aber ist dünn und hat nur schwache Zweigansätze, an welchen, der seitenständigen Längentriebe ermangelnd (ganz analog den Middcndorff "sehen .astlosen Krüppeln"), die weitere Verzweigung fehlt (s. auch §. 2). Oefters aber verliert sie dadurch schon früh den Wipfel und es entstehen während des Kampfes unterer verdrängender Zweige Strauchformen. Die Lärche kann aber auch im freien Stande ein Strauch werden, wenn der Boden sehr schlecht, z. B. feucht und sauer ist. Das kranke Individuum erhält dann nicht genug und nicht passende Nahrung, deren die Lärche ja so eigenthündiche bedarf Der \\'ipf(l geht dann öfters verloren und wird wieder durch eiuen untern Längentrieb ersetzt, wodurch mehrmals Knicke entstehen (s. auch Verbeifsen). Oefters schon in Manns- höhe w'ird der Längenwuchs ganz gehemmt: anstatt eines unaufhaltsam fortschiebenden Ilöhenwuchses bilden sich gabiige oder geweihidndiche Verzweigungen. Der Nahrungssaft reicht nur für die Büschel- knospen hin und nur liier und da geht daraus ein mehr beanspruchender Längentrieb hervor. Und diese letzteren sind meist so kurz, dafs sie nur wenige Knos[)en tragen, ja nicht selten nur an der Spitze 1 — 2 Knospen fertig bekommen, wie es auch im Falle eines schwächenden Insektenfralses (Taf. 40, Fig. 2'') oder in Folge von Spätfrösten (Taf. 41", Fig. 1) sich ereignet. So kommen denn wahre Ueber- gänge von Knospen zu Trieben vor, wie ich sie auch an verbissenen Pflanzen öfter sah (Taf. 41", E'ig. 5, 6). Die Knospen erreichen hier meist die Länge von 5 — 6" und sind daiui gewöhnlich stai'k nach oben gekrünunt. \"iin aufsen zählt man an den Postamenten 6 — 8 Jahreswülste und doch bemerkt man an dem Zweige, auf welchem sie sitzen, keine entsprechenden Absätze, wie solche an normalen Zweigen immer deutlich sind. Auch im Innern sind nur sehr schwach angelegte Jahresringe und es scheint die Vegetation allein in der Verlängerung jener gekrümmten Postamente sich auszusprechen. Ihr Alter drückt sich dann auch durch die Flechten, mit welchen sie ganz undiüllt sind, aus, und wenn diese dann aucli kleine Längentriebe so bedecken, so kann man sich täuschen und sie für verlängerte Postamente iialten. Zum Schlüsse dieses Dramas, wenn selbst auf Sandboden die Stämme anfangs eine bewunde- rungswürdige Schnellwüchsigkeit gezeigt liaben — in den ersten 10 Jahren bis 20' und mehr — : so läfst diese doch bald nach und es tritt dann in Folge von Erschöpfung *) unfehlbar der berüchtigte Säbelwuchs ein. Sie sind schwächlich geblieben und werden vom Winde gebogen, wie ich dies selbst auf besserem Boden und erst in hölierem Alter (mit 70 Jahren eintretend) am Solling anneh- men mufs (meine ^Reisen^ p. 34). Liegen die Biegungen tiefer unten, so mag zur Entstehung derselben *) Eier schon eine physiologische Bemerkung dazu: Anstatt Ersehüpfiing könnte man anch Nahrunpsma ngel sagen. Denn an solchen Stämmen siebt man im 20. bis UO. .Jahre nur die untere II,"ilftc Längentricbe machen, während an der oberen Hälfte des Stammes die genügsameren Küschcitriebe bei Weitem vornallen, al.-o Schwäche documentiren. 54 Vierte Holzart: Lakcue. auch wohl ein Wipfelverhist Anlafs gegeben haben, wie bei den säbelförmigen Birken. Bei unseru alten Lärchen am Zainhammer mag Wind und Boden schuld sein. In einer Höhe von ca. 60' haben diese ziemlich starken Stämme schon ihren Längenwuchs verloren. An den meisten Stämmen hat sich oben ein Kranz von Zweigen, als wenn er für eines Adlers Korst eingerichtet wäre — an alte Tainieii- köpfe erinnernd — gebildet. Zu den interessantesten abnormen Bildungen gehören die durchwachsenen Zapfen (Abbild, bei Kofsmäfsler Wald p. 333, Fig. i"), d. h. Zapfen, aus deren Spitze ein Längentrieb hervorgeht, und zwar findet man dies ziemlich häutig. Nirgends sehen wir so deutlich wie hier an einer Monstro- sität, dafs Fruchtstände metamorphosirte Zweige sind, meist durch Bodenarmuth dazu disponirt. Die Büschelknospe, aus welcher ein Zapfen hervorgeht, mufs schon mehrere Jahre alt sein, wie man schon an den ungewöhnlich langen Postamenten sieht, und entspringt gewöhnlich tiefer am Zweige ■ — oft am 4- inul 5jährigen Holze — als die männlichen Kätzchen-), an 2jährigen verkümmernd. Die männlichen brechen an 1 — 4jährigen Zweigen hervor inid schwellen früher an als die Büschelknospen. Im Sand- boden der Ebene tragen schon junge Stännne von 10 Jahren u. m. enorme Mengen von Zapfen, und zwar vom Gipfel bis auf die untersten Zweige, theils gegen das Ende der letztern, und dann meist durch Saftverbrauch di-n terminus verkünuuernd, theils an den aus dem alten Holze hervorkonnnenden Nachtriebeu, also dicht am Stamme und ganz versteckt. Die Lärche wird dadurch früh geschwächt und der Same ist meist taub. Ein neuer Blick in das Leben der Lärche eröflnet sich uns durch die schönen Middendorff- schen Beschreibungen der mannigfachen Baum- und Zweigfehler, welchen dies Gewächs an den Grenzen seines Verbreitungsbezirkes ausgesetzt ist. Kliniatologisch habe ich die Sache schon in §. 1 abgehandelt. Das Phytologische pafst besser hierher. Als Grundlage für dasselbe darf ich das im Eingänge dieses Paragraphen schon Erörterte ansehen, namentlich wird das abnorme Verhalten der Knospen, welches die Lärche schon bei uns zeigt, auch für den Hochnorden, wo es Midden- dorff auch zur Sprache bringt, erklärend mitwirken. Die Verkümnierungsursachen sind dort ziemlich dieselben, wie bei uns, nur dafs sie mehr von Luftbewegung oder von befeuchtender Meeresnähe, als vom Boden (vergl. auch p. 41) ausgehen und anhaltender und intensiver wirken. Daher werden wir die meiste Aehnlichkeit in Verkümmerung der Gestalten bei uns im Gebirge, obgleich hier Trocken- heit der Luft etc. heraustheoretisirt wird, zu suchen haben. Dasselbe braucht gar nicht einmal so hoch zu sein, sondern darf nur sehr exponirt liegen (z. B. Teulobiirger Wald in meinen Reisen p. 47 n. A.), wie denn auch Middendorff Beispiele von klimatischen Unbillen in niedrigen Gebirgen anführt. Es beschränken sich ja „ Krüppelformen '', „Baum leichen" (Spielse Bd. I. p. 84) nicht auf Lärc/ie«, son- dern kommen bei allen Hölzern an der Baumgrenze derselben vor. Die Lärche indessen, welche unter allen die meisten Wagehälse zählt, oder „auf Vorposten steht", wie Middendorff sagt, nimmt auch die ver- schiedensten Physiognomien an, und sie allein darf es wagen, da sie die unverwüstliche Zähigkeit ihrer Natur kennt (vergl. auch §. 1 Schlufs). Ich möchte nach Middendorff zwei Hauptformen unterscheiden: die kriechenden und aufrechten. Die Kriecher verbreiten sich theils auf dem Moose, etwa wie Wachtels verbissene Lärchen (s. A. II.) oder wie etwa die kriechendem Kiefern Borntuchen's auf dem Boden der Trift; theils fristen sie ihr küunnerliches Dasein unter dem Moose und strecken uns hier und da ein fingerlanges, fruchtbeladenes Aestchcn daraus hervor. Einen solchen, auf 150 Jahre berechneten, 19" langen, '2' dicken Stamm, an welchem man die Grenze der Wurzel gar nicht recht zu bestimmen wulste, bildet v. Middendorff auf p. G05 ab, und zwar von der Boganida (72" n. Br.), nachdem schon die Waldgrenze plötzlich aufgehört hatte (s. Coiiie Holz- schnitt auf p. 42). Die aufrechten Stämme sind entweder noch gerade, oder gebückt, im Falle sie *) Die i^ Kiitzchen küudigeii sich schon im Miirz au ihrei- Kisseiifonu an. Die $ erscheinen erst Anfangs April nud sind walziger als gewöhnliche Blattbüsehel - Küospcu, zuerst durch rothe Spitzen, welche aus dem Grün hervorleuchten, sich veiTratlieiid. 1^. I. Vi;iiZ\vEiGUNr.s- und Vebwallingsfedler. oa Miii Ahliangc eines Hügels dessen Spitze zu nahe kommen und nun ihren Gipfel beugen oder dureli diu Sturm ganz verlieren — Gipf'eldürre gehört liirr ;ilso lieinahe zur Norm. Von diesen Formen bekonnnen wir auf [>. liOl ein hübsches Bild. Wenn sie die Cireuze des Waldes bezeichnen, „so hat man sich unter diesem auch nur armdicki'. laiibai-me Stiimmehcn zu denken, durch welchen man mit einem Viergespann von Rcnnthieren im vollen Tralie fahren kann." Als besondere Krüp[)clgestalten beschreibt Mid d^chreibung des Frafses. Ich entwerfe diese, von Abbildungen begleitete Schilderung ganz nach Exemplaren, die ich zuerst von Hrn. Hen.schel und später von Hrn. Hochhäusler erhielt und in denen — zum Theil in der Stube grünenden — ich den Fral's viele Wochen, bis zum Ausflnge der Falter im Winter 1862,63 und wieder 1866 67, beobachten konnte. Wir haben 2 Wickler, welche der Zebeana in ihrer Wirth- sciiaft ähnlich sind, so dafs die 3 liau[itsäc!üiclisten Nadelhölzer, Kiefer, Ficlitc, Lärche, je einen correspon- direnden Wickler enthalten. Wesentlich erscheint mir nun, wenn ich auf die andern beiden Getien- stücke sehe, dafs der Lärchemcir.kler 1) an den Zweigen und am Wipfel junger Stämmchen in der Regel in der Astachsel sitzt, obgleich durch Anschwelliins der ganzen Basis die erste Ansriflisstelle versteckt wird, 2) dafs er hier eine auch schon im ersten Jahre bemerkbare, später ansehnliche Harz- galle, oft mit Auswurf von Kotli und Wuruunehl, bildet, und dafs 3) hier auch eine Anschwellung des Zweiges selbst entsteht. Alter luid Habitus der befallenen Pflanzen für §. 4 aufsparend, beschreibe ich zuerst die Ast- achsel und dann die hier angelegten Kaupeugänge. Die Angabe H enschel's, „bald in der Nähe eines Astes um das Stämmchen oder den Zweig herum, bald die Richtung nach oben anneh- mend", kann wohl Mifsverständnisse erregen. Ich habe auch Abschnitte von 16 — 18jälirigen Stäm- men vor mir, au welchen der Kothauswurf auf Zefccawa deutet. Hr. Hochhäusler will aber aus sol- chen Stämmen einen andern Wickler — pactolatia, was so viel wie dorsaua wäre — erzogen iiaben und ich sehe lieber von diesem in der Lärche seltnen Stammwickler ganz ab, auf die Fichte deshalb verweisend. Auch über T. Grutiertiana, da sie erst einmal, und zwar aus der glatten Rinde ohne Ast- achsel erzogen wurde, läfst sich jetzt noch nicht viel sagen. Die Untersuchunfj der Uaupenixänse ist eine schwierige Arbeit. In der Astachsel habe ich sie immer mir so weit gehen sehen, wie die (schützende) Harzgalle reicht, oder nur selir wenig nach der Periphi-rie des Astes darüber hinausreichend, oder ein wenig am Nebenzweig hinaufsteigend. Auch der Auswurfs-Canal liegt meist noch unter der Galle, und icii habe ihn an Fig. 2, Taf. 40 nur ein wenig vorgerückt. An der Fig. 3 habe ich den grölsten Theil der Ilarzgalle zurückgeklappt und man sieht hier die Stelle der Achsel, sowie die Verzweigung des Ganses und die daneben in einem feinen Gespinnste Winterruhe haltende Raupe. Es ist nur zu bewundern, dafs die Raupe in diesem engen Räume durch das klebrige, schmierige Harz an ihren Bewegungen nicht gehindert wird: indessen wird das Räupchen von dorsaiia (s. Fichte) auch nicht durch Harz gedrängt oder getödtet. Was nun die Harzgalle betriflft, so unterscheidet man bei zweisommrigen Raupen äulserlich 70 Lärche. B) Verwallüngsfehler I. Insekten. deu altern, grauen oder bräunlichen Theil und den Jüngern krünilicheu weii'sen (s. Fig. 1). Das Harz bleibt inwendig immer weicher, dehnbarer und kleljriger, als bei dem Kiefern- Harzgallenwickler, und nur das auswendig heraustretende, traubige (Fig. 2) wird bald so hart und weil's wie Zucker, wie ich bei meiner Stubenzucht im Winter sah. Es liefert einen neuen Beweis für den Harzreichthum der Lärche, welcher durch den Frais oÖeubar noch vermehrt wird (s. §. .3). Man sieht an der grünen Rinde auf Längs- und Querschnitten die Menge grol'ser Ilarzlücken, alle mit flüssigem Harze ge- füllt. Im Innern der zerfressenen und dadurch braunen Kinde wird das Harz zäher. Sonderbar, dal's man au vielen der gefressenen Zweige auch au den gesunden Rindcnstellen schueeweil'se feine Harz- krümel bemerkt, die aus scheinbar luiverletzten Rindenstellen hervorkommen. Die Anschwellung des Zweiges an der Fral'sstelle vcird zwar schon durch das Harz bewirkt, aber ofi'eubar nimmt daran, und mehr noch Holz und Rinde Theil, welche beide anschwellen. Das Räupchen frifst, wie Henschel sagt, „nur in der Rinde"; das ist aber nicht richtig, denn es dringt doch bis zum Holze vor, in welchem ich schon im ersten Jahre schwarze, benagte Stellen bemerke, frifst auch gleich etwas an den äul'sersten Fasern luid bewirkt dadurch besonders später den Reiz, aus welchem die Holzanschwellung erklärt werden mul's. Ich habe die Holzanschwollung durch Zeichnungen, für welche mir charakteristische Zweige dienten, zu erläutern gesucht. Besonders instructiv war der eine Ast (Fig. 5) dadurch, dal's hier ein Raupeugang ringsherum ging. Ich möchte daraus auf 2 Raupen, die denselben bewohnten, schliel'seu: die eine mochte schon im vorigen Jahre verpuppt gewesen sein, die andere fand ich beim Zerschneiden des Astes an der linken Seite vor. Ob eine und dieselbe die gewaltige Zerstörung angerichtet und ihre Promenaden so weit ausgedehnt habe, ist mir unwahrscheinlich. An der einen Hälfte (rechts), wie ich das öfters sah, war die Zerstörung am bedeutendsten, indem unter einer mächtigen weichen Harzgalle die Raupe die äufsersten Holzlagen augenagt hatte und an dem Seitenästchen den Gang noch hinaufgeführt hatte. Au der andern (linken) Seite war die Rinde wohlerhalten luid man bemerkte nur ein Löchelchen, welches erst, wenn man die Rinde theilweise entfernte, als das Ende eines kreis- förmigen, innen srerjlätteten Canals, in welchem nur ein Thiercheu von Dicke einer Stricknadel sich hatte bewegen können, erschien. Dieser einseitigen Erhaltung der Rinde mul's auch die Bildung der Holz beule — wie sie bei so vielen Aesteu äul'serlich deutlich ist — zugeschrieben werden. &. 3. Anatoinie, Plivsiolosie und Patholoa;ie. Im Ganzen werden wir die diesfälligen Angaben, wie sie schon bei Fichte (besonders bei dor- sana) und auch bei Tanne (Sesia) vorgetragen wurden, auch hier benutzen können, da auch dort Holz- anschwellungen, Harzvermehrung und Saftaufstauung untersucht wurden. Was die Holzanschwel- lung betrifl't, so deuten schon die Längsschnitte der Lärche (Taf. 40, Fig. 5) und der Tanne (Taf 38? Fig. 2*') auf ähnliche Ursachen, nur dal's durch die veränderte Natur des Insekts, wie durch grölseren Harzgehalt der Lärche die Erfolge modificirt werden. Grofse Bedeutung möchte ich zunächst der phy- siologischen Thätigkeit der Rinde beilegen und dabei ihre starke, wenn auch von Fichte übertrofifene, Bastschicht, die grofsen Harzlücken und vielleicht selbst ein kräftiger entwickeltes Cambium, welches bei der ganzen vielästigen Verzweigung des Baumes eine Rolle zu spielen scheint, berücksichtigen. Die Rinde fiuigirt hier nemlich trotzdem, dal's sie nicht dicht am Holze liegt, sondern durch einen breiten Canal, den die Raupe, wie es scheint, geflissentlich oflen und glatt erhält, davon getrennt ist. Der untere Theil der Holzschichteu ist dafür aber auch, in Folge der oberhalb erfolgenden Saftstauuug, sehr dünn (s. Fig. 5, 6). Ebenso merkwürdig ist die Erscheinung des Harzreichthums dieser Holz- schichten, und zwar auch nur oberhalb, während unterhalb sich dieser allmälig verliert — bei der gesunden Lärche kenne ich nur einzelne, durch den Jahrring zerstreute Harzcanäle. An 2 Präparaten Larchenrindenwickler. §. 3. Anatomie, Pbysiologie und Pathologie. 71 (s. Fif^. 6") habe ich die ahiioinuMi Ilarzcanäle in der innersten Schicht (des Weifsholzes) aufserordent- lich grols und vollständig von den Ilolzzcllen abgeschlossen gefunden: sie bilden grol'se, ovale Oefinungen und meist liegen je 2 so dicht beisammen, daCs sie nur durch einen Markstrahl, der dann auch vom Ilarzinbalt braun getarbt ist, getrennt sind. In einem Präparate lagen sie nicht so dicht an der Greu/e des Herbstliol/.cs ; es scheint dies also, wie bei Kiefer und Fichte, zufällige Verscliie- denheiten zu bezeichnen und eine krankhafte Erscheinung zu sein, durch welche die Raupe ihren Zweck, nrunlich die Verdec'kung mit schützendem Harz, erreicht. .Vn allen Präparaten sah ich diese Harzcanalschicht schon mit blolsen Augen. Wir haben es hier also wieder mit Harzketten zu tium, und auch hier macht sich das schon mehrmals angedeutete Gesetz, welches zunächst anatomiscii zu erklären ist, geltend. Die Harzket- ten sind nach der Seite des Fral'ses hin stärker entwickelt, und verlieren sich nach der unverletzten Seite der Peripherie, wie dies auch Fig. 5 zeigt. Es entstehen demnach wahrscheinlich nach einer abnormen Biegung der Holzringe, also durch Verschiebung oder Pression der Holzfasern, jene Canäle. Ich habe sie einmal so, wie Fig. 6" sie dargestellt und wie ich sie vorher beschrieben, gesehen: also ohne Zerreilsung der Holzfasern entstanden; aber auch mit einer Zerstörung der- selben kommen sie vor, und ich möchte diese mit den auf Taf. 48, Fig. 9 (Weide) abgebildeten Holz- löchern vergleichen (Rup t urhicher) *): hier bei Lärche scheint die Zell wand der benachbarten Holzzellen in Harz umgewandelt zu sein. An einer Galle von mehr als Wallnulsgrölse war dies sehr deutlich: die Löcher wurden da am gröfsten, wo der Raupengang die ganze Pflanzenfaser (Holz und Rinde) zerstört und die eine ganze Hälfte der Galle unterminirt und gebräunt hatte. In keinem an- dern Falle sah ich das Verharzen von Pflanzenfassr und die dadurch erzeugte Durchlöcherung der Holzschichten, aber auch vorzugsweise im Frühlingsholze, so deutlich, meist hart au der Grenze. Wenn eine Mitwirkung des in seiner Ernährung alterirten grünen Wiiifels angenommen werden sollte, so würde ich diese zunächst für die wirklichen Ilarzcanäle, welche man als selbständige Organe be- trachten mufs (Intercellulargänge oder Secretionsorgane), herbeiziehen; für die Rupturlöcher aber würde ich mehr locale Dispositionen hier Munfliiiien. Uebcr diese bisher noch so wenig besprochenen Vorhältnisse werden wir wohl in der Folge, wenn geschickte Anatomen sie wieder vornehmen, erst mehr Aufklärung erhalten. Daljei müfste dann der ganze Stamm auch vertikal, so weit mau die Canäle und Löcher nur verfolgen kann, berücksichtigt werden — keine leichte Arbeit, wenn sie ge- wissenhaft betrieben und durch Abbildungen hinreichend ilhistrirt werden soll. §. 4. Px'deutiiiig 1111(1 Vorhersage. Eigene Beobachtungen fehlen mir hier ganz und gar, und ich kann mich nur auf die Nach- richten der öfters angeführten Männer berufen. Da jetzt wohl als bestimmt anzunehmen ist, dafs im westlichen Deutschland der Wickler gar nicht vorkommt, so hat er nur eine sehr locale Bedeutung. Gottlob I Die Lärchen in Süddeutschlaud und auch in der norddeutschen Ebene haben genug mit den dort einheimischen Feinden zu kämpfen: sie würden, da sie von Natur kränkeln, viel mehr von einem so gefährlichen Feinde, wie jener Wickler ist, zu leiden haben, und denselben, wenn er sich bei uns ansiedeln könnte, vielleicht enorm vermehren. Vielleicht pafst derselbe aber ebenso wenig, wie seine Futterpflanze für ein Klima, in wehrhem mehr als bis 4 oder G" mittlere Temperatur herrschen : ein Zuclitversuch würde daher wahrscheinlich gar nicht einmal im Freien bei uns gelingen. *) Erst kürzlich sind mir Bilder von Torweltliclien Hölzern aufgefallen, in welchen ich panz ähnliche Ruptnrlöchcr wahrzunehmen glaubte. Sie finden sich in der schonen Göppert"schen Abhandlung .Foss. Flom des Uehergangigtb." Tnf. XXXV. Fig. 2c (\ov. Act. 22 Vol. Supplan. 1852). 72 Lärche, ß) Verwallungsfehler. II. Vierfüssler. Ob er uun aVier in seinem eigenen Vaterlande selir schädlich werden kann? Merklich schädlich habe ich ihn früher schon genannt, und dies Prädicat würde er wenigstens jetzt noch verdienen. Wenn auch Henschel sich wenig über Leben und Bedeutung auslälst, so würde er doch wahrscheinlich auch jenes Prädicat in Anspruch nehmen, da er an Einem Stämmchen 43 Gallen zäh- len konute (/. /. p. 76) und dieselben „durch Ausschneiden und Verbrennen im Herbst bis längstens in den Monat April" vertilgt wissen will. Einige Angaben Hochhäusler's gehen darin noch weiter. Er sagt folsendes: »In meinem vorisen Reviere bciStriegau hatte ich eine 18iährio;e Schonunij von 4 Morgen Gröl'se, welche so total von dem RinJenwickler befallen war, dafs kaum ein Ast oder ein Wipfeltrieb einer Stange davon verschont blieb. Ich brach die Astbeulen, so weit sie nicht schon durch Reifanhang vernichtet waren, so viel wie möglich aus und hemmte dadurch den Frafs, jedoch behielt der Bestand stets einen kümmerlichen, verkrüppelten Wuchs. Indessen starben die Stämme doch nicht ab, da die Wunden, welche meist nur die Aeste betreifen, nach und nach wieder vernar- ben." Als Beläge zu dieser Ansicht, die er mir kürzlich wieder bestätigte, sandte er mir im Spät- herbst 1866 auch charakteristische Exemplare von jüngeren (4 — 6jährigen) und älteren Stämmchen aus einer eingetauschten Rusticalfläche, die er im Jahre 1862 bepflanzt hatte. Obgleich diese Pflanzen an- fangs einen sehr kräftigen Wuchs gezeigt hatten, so scheint es jetzt sdion (anno 1866) ein Ende da- mit zu haben. Der Schmetterling mufs sie bald aufgefunden haben, obgleich inficirte Orte nicht in der Nähe waren; denn ich finde jetzt schon alte und junge Beulen in denselben. Alles dreht sich hier um die Strauchform, welche die Stämme annehmen. Je jünger sie sind, desto sicherer erfolgt die Verkrüppelung, wie ich an 1]' hohen Stämmchen, die schon in der Mitte des Stammes Zwiesel bilden, sehe. An anderen, obgleich beinahe von Stärke der an der Spitze auch Dreisei zeigenden Fig. 1 meiner Tafel, folgen in der Mitte des Stammes 3 Beulen dicht hinter einander, und an jeder haben sich 2 opponirte Zweige, die, durch die Saftstauung angeregt, im Wüchse wetteifern, entwickelt, jedoch ohne Johannistriebe zu machen. Selbst kleine diesjährige Zweigelchen, im December noch be- nadelt, haben sich in den Astachseln solcher Zweige eingefunden. Der Stamm würde sich aus dieser Strauchform, da sie doch erst bei 6 — 8" Höhe beginnt, mit der Zeit herausarbeiten, wenn er nicht die fatalen Beulen hätte, die die Vorhersage, wenn wir damit etwa verbissene Lärchen vergleichen, ver- schlimmern. Entweder stirbt der Stamm an solchen Wunden, oder er verwächst sie, wenn mehr als die eine Hälfte der Peripherie (wie in Fig. 5) gesund bleibt, bekommt hier aber Faulflecke. II. Vierfüssler. 6) Wildschälen, Fegen und Schlagen. §. 1. Beschreibung nach äufseren und inneren Folgen, Oertlichkeit u. s. f. Die Lärche spielt hier eine wichtige Rolle, sowohl was die Auffassung und Beurtheilung des Schadens von Seiten des Forstmannes, als auch das Streben nach Bereicheruns botanischer Kenntnisse betrifft. Die merkwürdigen, nirgends weiter in der Menge, Form und Grölse der Hölzer vorkommen- den Knollen der Lärche sind es, welche Jedermann interessiren müssen. Auch das Verhalten der Holzwälle und der Rinde, welche sich bei der Knollenbildung betheiligen, und schliefslich auch die §. 1. Bescukeibung nach inneren lnd äusseren Folgen, OERTLiciikEii r. s. f. 73 Ilarzverhältuisse, Einflüsse der Beschädigungen auf den Baumwuclis u. s. f. werden liier der Reihe nach zu betrachten sein. Die Materialien, welche sich nach luid nach für diese Abhaudlunsr einfanden, rechne ich zu den wertli vollsten unserer anatomisch -physiologischen Saiiinilnngen. Sie rühren theils aus den II. Bernburger Forsten des Harzes (von Hrn. Forstrath Braun), theils aus Schlesien (Hr. Förster Hoch hausier), theils aus Boytzenburg (Hr. Forstmeister Lehmann) her. Die Neu- städter Gegend lieferte mir nur wenige und nur junge Stämme, au welchen ich Schälen und Schlan-en beobachten konnte. Alte Lurchen finden sich hier nur in der Nähe von Wohnungen, wo das Wild nicht wechselt. Gern wird die Lärche angenommen, darüber sind alle Forstmänner einig, und ich glaube auch aus meinen in Boytzenburg eingesannuelten Erfahrungen abnehmen zu kömien, dafs da, wo Fichten und Lärchen beisammen stehen, von letztern verhältniJ'smäl'sig mehr geschält werden. Hr. Forstrath Braun sagt in dieser Beziehung: „Da, wo das Schälen einmal eingerissen ist, bleiben auf gewissen Strichen nur wenige Lärchen verschont. Wenn in den Bernburg'schen Harzforsten das Schälen zuerst an Weymoitihsliicfern bemerkt worden ist, und erst vom Jahre 1857 au die Lärchen be- traf, so mag das in Zufälligkeiten oder spätem Anbau der Lärche liegen. Die Laubhölzer wurden indessen, wie sicher festgestellt wurde, erst vom Jahre 1859 an geschält, dann aber Eichen mit Einem Male in drei verschiedenen, weit auseinander liegeuden Revieren." Bei den mir in Stammabschnitten übersandten Exomnlaren erfidu' icii das Alter nicht "■euau, durfte es aber mit ziemlicher Sicherheit nach den im 1. Bande p. 205 angegebenen Grundsätzen an- nehmen, denn die Lärche stimmt am meisten im Jugendwuchse mit der Kiefer übereiu; da sie jedoch noch schnellwüchsiger ist, so darf ich das Alter der meisten ScÄa/Zärt'/te« auf 12 — 14 Jahre bestimmen. Aus der verschiedenen Zahl der Kernringe und ihrer Stärke in den Figuren der Taf. 41 wird man sich leicht eine Vorstellung von der Stärke der ganzen Schälstämme machen können: sie haben ziem- lich dieselbe Stärke, wie die dem Schälen unterworfenen Kiefern, sind also meist schwächer und jünger als Fichten und Tannen im Schäljahre. Indessen scheint bei der Lärche doch mehr Altersverschieden- heit als bei der Kiefer vorzukommen und ich habe deshalb für meine Darstellungen auch Stämme ge- wählt, bei welchen die Schälstelle schon 7 Jahrestriebe über sich hatte (Taf. 41, Fig. 2), ja sogar ein- mal noch viel mehr (Fig. ß). Es berechtigt dies zu manchen praktischen Schlüssen für die Theorie der Rindenverschiedenheit. Ueber die Oe rt lichkeiten, welche mir die Schälstämme lieferten, kann ich nicht viel sagen. In Boytzenburg konnte ich sie am Rande von Schonungen, welche als Wildlagcr dienten, und wo die frisch geschälten Stämme eine Höhe von 15 — 20' und eine Stärke von 3 — 4" am Fui'se hatten, sel- ber sehen. Im Thiergarten standen sie mit Fichten zusammen luid es liefs sich hier sehr hübsch ein Vergleich zwischen beiden anstellen. Die besondere Vorliebe des Wildes für Lärchen documentirt sich auch durch Aufsuchen von üertlichkeiten, welche das Wild sonst meidet. In der Oberförsterei R othe- mühl unweit Pasewalk (Pommern) standen an der Chaussee Lärchen statt der Pappeln ausgepflanzt; alljährlich konnte man hier mehrere Stänuiie sehen, welche der Hirsch befegt hatte (Wiese in Grü- ne rt's forstl. Bl. Iir 127). Ueber die Holz wälle, wie sie sich auf den Querschnitten zeigen, dürfte am wenigsten zu sagen sein, da sie sich, mit Ausnahme der beim Harzen zu beschreibenden Eigenthümlichkeiten, nach dem Typus der Schälwälle der Kiefern gestalten (vergl. I. Taf 21), nur noch häufiger Abänderung durch Schälwiederholung erleiden. Die veränderten Formen, welche die jungen Stämme noch lange zeigen (z. B. Fig. 7), und ihre Verdickung in der Schälgegeud, wie ich sie an Abschnitten, wie am stehenden Holze (Boytzenburg) und zwar am Rücken der Schälstelle sah, sind auf die Holz- ringbilduug zurückzuführen. Mit dieser hängt auch die K n oll enbil düng zusammen, obwohl dabei auch die Rinde wesentlichen Antheil hat, wie die Verdickungen und starken Borken schuppen derselben, gleichsam durch die Knollen stärker ernährt und sie wiederum ernährend, deutlich zeigen. Meine Abbildungen liefern sie in verschiedener Grölse und Stellung, sowohl an geschlossenen (Fig. 1, 3), wie an noch oÖenen Wunden (Fig. 2), aber inuuer am Schlufsfelde, wiewohl nicht an allen Stämmen. II. 10 74 Lärche. B) Verwallüngsfehler. H. ViERFrssLER. so dafs fiiie Yerwallimg auch ohne Knollenliildunw vorkommt, wie ich in Boyt zenbiirg sicher beob- achtete. An unbeschädigten Stämmen, deren ich eine ziemliche Zahl kenne, sah ich sie nie. Auch Hr. Wachtel bemerkte sie nicht. Wären sie hier auch vorhanden, so würde doch eine jede Beschrei- bung ihrer Erwähnung thun; sie würden also auch in den sibirischen Wäldern vorkommen, und Mid- dendorff, der auf jede Kleinigkeit an seiner lieben Lärche achtete, spräche gewifs davon in seinem grofsen Werke; ich finde hier aber nirgends eine darauf bezügliche Bemerkung. Ich darf sie daher wohl als Folge der durch nicht zu häufig vorkommendes Schälen angeregten Reproductionskraft der Lärche ansehen, die sich ja auch in so manchen andern Erscheinungen ausspricht, selbst in normalen, mit den Maserknollen verwandten, wie z. B. in dem Hervorbrechen zahlreicher Stammausschläge — im freien Staude bis zum Boden beästet, wie Hartig (Culturpß. p. 44) sagt — , ganz besonders in der Bildung callüser Wülste am Stamme (meine Rcise7i p. 264). Hierher wird die forstliche Bedeutung, welche ich diesen Ausschlägen beimesse, auch mit Rücksicht auf nicht geschälte Lärchen, am besten passen. Ich bringe sie nicht in die Kategorie der Wasserreiser, d. h. der eine schlechte Prognose oder baldige Wipfeldürre bedingenden; vielmehr sehe ich sie als Zeichen grofser Kraft an, da ich sie an den schönsten Lärchen, die ich je sah, am stärksten ausgebildet fimd. Im Neustädter Forstgarten, und überhaupt auf dem dürftigen Boden Neustadts, kommen diese Ausschläge nicht zum Durchbruch ; man erkennt äufserlich die Stellen, wo sie heraus wollen, nur an einem starken Ausflul's von weifs- licheni, bläulichen Harze — wahrscheinlich wieder durch Druck herausgeprefst (s. nachher §. 2 Schlufs). Das gehört also ofienbar in die Kategorie der Maserbildung, und in der That lassen sich in den Verwallungsknollen die Anlagen zur Knospenbildung nachweisen (Fig. 2). Der bei der Verwallung wirksame Saft häuft sich, wie man an jungen Stämmen und noch nicht geschlossenen Wunden sieht, besonders an den obern Wundrändern der Schälstelle, oder, wie man sagen könnte, er staut beim Herabsinken aus den unverletzten Rindentheilen so stark auf, dal's sich hier allerlei erhärtende Wülste bilden, die schon den Uebergang zu Knollen machen, wie das Fig. 7 zeigt, bei welcher solche A\ülste an der Durchschnittsstelle so stark hervortraten, dal's (wie der Schatten in der Zeichnung andeutet) dadurch eine Verdickung des ganzen Stänuiichens erfolgte. Die dunklere Färbung, welche die Holz- flächen hier und da zeigten, muls ich auch auf Maser deuten, wie z. B. in Fig. 7, wo die braune Fär- bung eine Strahlung nach Rechts ()/) und eine Erweiterung der Jahrringe, obgleich hier kein deut- licher Ast abging, zeigte. Viel interessanter sind diese Maserknollen an alten Schälstämmeu, denn nur hier kommt man mit ihnen möglichst auf's Reine. Erstens ist ihre Häufigkeit hier bemerkenswerth und zeigt, dafs die einen und die andern ganz verschiedenen Jahren angehören und wahrscheinlich die immer mehr wuchernde Rinde des Schälfeldes zur Erzeugung vieler, wenn auch nicht aller Knollen, beiträgt. An einem Hochhäusler' sehen alten Schälstamme habe ich auf Länge von j bis 8 deutliche Knollen, theils vereinzelt, theils gruppirt, abgerechnet die kleineren aufsitzenden (s. Fig. 3). Ich möchte wohl die Frage aufwerfen, ob Stämme, welche in der Jugend nur 1 Knollen haben (wie an Fig. 1), später mehrere bekommen, oder ob wenigstens die Anlage dazu gleich vorhanden und äufserlich bemerkbar sein mufs. Ich habe, um das Innere der Knollen zu zeigen, einen recht charakteristischen ausgesucht und diesen der Länge nach durchschnitten (Fig. 4). Er würde auch als Typus für die Mehrzahl die- ser, wenn auch äufserlich sehr verschieden gestalteten Bildungen gelten können, hauptsächlich 1) wegen seiner Eichel-, Nuis- oder Trüffelform, 2) wegen des Stiels, 3) wegen der innern, eingeschachtelten kleineren Knollen und 4) wegen der äufsern Faltungen. Das Wunderbarste ist immer der, den son- stigen Rindenknollen oder Säumaugen fehlende Stiel, welcher in der Rinde in einem geglätteten, meist etwas verharzten Loche sitzt, aber nicht bis auf's Holz reicht. Dal's letzteres sich nicht an die- sen Bildungen betheiligt — vielleicht nur mittelst der bis in die Rinde reichenden Markstrahlen — , ersieht man auch aus dem kleinen, aufsitzenden Knollen, welcher ringsherum von eigner Rinde um- schlossen ist. Einschachtelungen im Innern des Hauptknollens (zu welchen in Fig. 2 schon der Anfang gemacht wurde) darf ich wohl sagen, weil wenigstens noch einer darin liegt, vielleicht deren §. I. Heschreibing .\a( u inneren lnu aussehen Folgen, Oertlicukeit r. s. f. 75 gar zwei angeiioiuiiien werden dürften — Analoga bei Staminziiwaclis sind wühl kaum naclizuweisen! Die Holzlagen aller dieser laufen, wenn auch etwas convergiicud, parallel und könnten fast in die Kategorie der Glattmasern (I. p. 49) lallen. Da sie suceessive, und zwar merkwürdigerweise in umgekehrter Ordnung, d. h. die des Aulseuknollens zuerst, die des inuern zuletzt — gleichsam einem höhern Inter- nodium angehörig — entstehen, so dürfte mau das Alter des Ilauptknollens wohl auf 12 Jahre an- setzen und das des aufsitzenden noch auf 4 — ö Jahre; sie sind also nicht so alt, wie die ältesten Schälringe, deren ich an dem betrettenden Stamniabschnitte mindestens 47 zählte: man mülste denn anuehmen, dals ihr Zuwachs früher als der des Stammes aufgehört habe. Paradox indessen, dal's um den Einschachtelungskern Ilolzlagcn ringsherum gehen! — Die Kinde verschieden dick (Fig. 4), aber nur selten ein Biunen-Periderm absendend, z. B. rechts im dicksten Rindentheile. Die äulsercn Faltungen derselben haben einige Aehnlichkeit mit den bei Tanne häufigen. Sitzen mehrere aufeüi- ander, so laufen diese Falten nach verschiedeueu Richtungen (Fig. 3 einen der complicirtesten und grölsteu darstellend). Wie sie an Fig. 4 sich verhielteu, deutete ich (Fig. 4"; daneben au: sie laufen über beide Knollen hinweg, wie die Parallelkreise eines Globus, und tiefi'eu am Ende, wie am Pole zusammen. Die kleinen Querfurchen erinnern an die gekerbten Rippeu von Conium {Giftschierling) *). Rinde der Schälstämme nach Oberfläche, P'arbe. Ihr Verhalten zeigt in dem patholo- gischen Zustande ganz besonders, dal's sie eine eigenthümliche, von der der andern Nadelhölzer abweichende Bildung hat. Während an jungen Stämmen (Fig. 1) die Rinde mehr grau ist, zeigt die des Schälfeldes schon das Roth der alten Rinde (vergl. Normalfurbe in §. 1), und au dessen Rändern erhebt sich die Altrinde schou in abstehenden Schuppen, vorzüglich dann, wenn der Schluis sich ver- zögert (Fig. 2, 7 bei xx). Die Schlui'slinie verwischte sich an Fig. 1 schou früh, oft ist sie aber noch nach vielen Jahren kenntlich: alte Schälstämme wird man indessen nur am Schidfelde, und nicht an der Schlui'slinie sicher unterscheiden, auch ohne dafs es mit den schou von Weitem zu bemerkcu- den Maserknollen besetzt ist: immer zeugt dasselbe von grofser Unruhe, vielfachen Falten, >iar- ben u. s. w., wie mau schou au dem abgebildeten Stückchen Fig. 3 sieht. Harz der Schälstämme. Ungeachtet der Unähulichkeit der Lärche und Tanne hinsichtlich der Ilarzbildung, uäliern sich beide gewissermalseu in ihrem pathologischen Verhalten, namentlich durch Infiltration, Versenkung etc. von Harz im Holze. Es ist bei der Lärche hinsichtlich seines Ursprunges im Allgemeinen noch viel schwerer, als bei der Fichte, die Theorie mit der Praxis in Einklang zu bringen, da die Revolutionen, welche gerade bei Lärche mit der Schälstelle erfolgen, unerwartete Ein- griÖ'e bilden. Einen fähigem und erfahrenem Anatomen, wie H. v. Mohl (s. Fichte) können wir uns nicht wünschen, und doch gelaug es ihm nicht, bei viel weniger Störung des Normalen die bestehen- den Widersprüche ganz zu lösen. Ich werde mich daher auch nicht zu lange dabei aufhalten dürfeu, zumal das Endresultat sein wird: dafs bei verschiedenen Individuen und verschiedeueu äufseren Einflüssen verschiedene Erscheinungen eintreten. Erstens ist hier, was p. 50 schon angedeutet wurde, einleitend zu erörtern, dafs die Lärche in der Rinde Harzlücken hat, welche gerade bei dieser Holzgattuug mit vorschreileudcm Alter in den Riudenwöllen sich bedeutend erweitern (1. 1. p. 334), wenigstens nicht so schnell verloren gehen, wie bei normalem Bau, und daher im abnor- men wohl durch ihre untrevvöhuliehi' Gröfse unerwartet kommen und auf die Umhegend wirken dürften. O OD In der Mohr sehen Abhandlung war ein Streitpunkt: die angeblichen Terpe uthinblaseu der Rinde. Obgleich er durchaus nichts Sicheres über Harzergiebigkeit derselben ermitteln konnte und den venetianischen Terpenthin (um den es sich hier handelte) aus den Kernholzschichten ableitet *) Weiter darf ich die Anatomie nicht verfolgen, wenn ich nicht auf ein rein wissenschaftliches Gebiet mich verirren will. Für Anatomen wäre es allerdings eine würdige Aufgabe, alle Masern und besonders diese /^ürc/icii-Knollen einmal mo- nographisch zu bearbeiten. Was für interessante und physiologisch wichtige Fragen würde es da geben! Also z. B. 1) wie ist die erste Entstehung der Knollen? 2) wie verhält es sich mit den Einschachtclungcn und aufsitzenden? 3) ist Anfangs eine Grüuschicht vorhanden, oder verborkt die Rinde sofort, wie es mir scheint? 10* 76 Lauche. B) Verwallungsfehler. II. Vierfüssler. (s. p. 51), so will er doch nicht die Möglichkeit der Bildung solcher Terpeutliinblasen, die ich schon bei Chermes (p. 65) glaube nachgewiesen zu haben, leugnen (p. 331 1.). Er hätte es deshalb auch eigentlich nicht auffällig finden sollen, dafs Pallas den Sitz des Terpenthins in der Rinde und den äufseren Holzschichten fand. Pallas spricht zwar von der Sibirisr.hen Lärche; diese ist aber von der unsrigen gewils nicht wesentlich verschieden (vergl. p.41 v. Middendorff). Ja der Befund von Garidel (Jüst. d. plantes d'Aix p. 269) zeigt dies noch mehr: Terpenthin findet sich auch zwischen Holz und Rinde (s. nachher Zwischenrinden-Harz). Ich möchte alle diese Vorkommenheiten bei mei- nen Schällerchen nachweisen, und berühre dies auch im Bilderweiser. Ich will es hier indessen, von einigen physiologischen Betrachtungen begleitet, noch einmal wiederholen. 1) Harz in cubi sehen Holzversenkungen. Diese auffallenden Secretionsorte entdeckte ich in Höhlungen, welche Fig. 7 auf dem Querschnitte zeigt (natürl. Gröfse!), und die ich bis 5" tief (vertical) mit einer breiten Sonde verfolgen konnte; sie waran ganz mit hellem, syrupsartigen Harze erfüllt, welches einen sehr feinen, bitter-aromatischen Geschmack hatte. 2) Holzharz in Spalten war höchst wahrscheinlich dasjenige, welches an der ersten Schäl- stelle (Fig. 6) in der Holzspalte sich fast um die halbe Peripherie herumzog (und hier die verticale Verbreitung bei ee angegeben). Noch deutlicher und dicker war die rechts um die halbe Peripherie der zweiten Schälstelle herumziehende Harzschicht (Fig. 7). Sie hatte eine dunkelbraune, fast schwarze Farbe, die Consistenz von Schmalz und die Dicke eines starken Kartenblattes. Wenn man deshalb also wohl alte Rindenzersetzung (?) betheiligt annehmen wollte, so würde dies nur an einzelnen Stellen erklärlich sein, nicht aber an der halben Peripherie, da diese doch grofsentheils keine (Bischofsstab-) Rinde gehabt hat: hier mufs Harz zwischen zwei schon fertigen Holzschichteu durch die Markstrahlen hervorgekommen sein, sich durch Infiltration weiter verbreitet und dadurch die beiden Schichten etwas auseinander gedrängt haben — Erklärung von Wessely's (Oesterr. Alp. I. 360) Kernschäligkeit ? — Auch beim ersten Schälen (am 4. Ringe) ist gewils Harz da gewesen; noch jetzt an den verticalen, hervorgequollenen, aber erhärteten feinen Harzwällon (e e) kenntlich und auch die beiden Holzschichten von einander drängend. An dem Stamme Fig. 2 scheint viel weniger Harz thätig gewesen zu sein, da man in der bedeutenden Spalte links (bei d) kein Harz melir bemerkt und auch auf der rechten Seite die grofse, schnabelförmige Spalte fast ganz durch Rinde ausgefüllt ist. Die bedeutende Harz- absonderung im Holze finde ich übrigens auch an mehreren Stämmchen über der Schälstelle, wo am Umkreise mehrerer Jahrringe — weniger innerhalb derselben — dicke Tropfen fast nach der ganzen Peripherie hervortreten. An manchen ist das aber auch nicht der Fall, namentlich nicht an dem in Fig. 1 gezeichneten. An diesem ist das Herbstholz zwar sehr breit und sehr dunkel, aber Harz tritt weder auf der alten noch auf der neuen Schnittfläche hervor. Sollte nicht auch beim Herabsinken des Terpenthins in die Bohrlöcher (s. v. Mohl) eine Veränderung mit den Harzcanälen vor- gehen, da, wie es scheint, jede Störung im Innern des Bavunes abnorme Thätigkeit hervorruft? 3) Rindenharz. Schon in der normalen Rinde ist von H. v. Mohl Harz genug nachgewie- sen worden. Viel auffallender ist dies in gewissen Rindenpartien der Schälrinde, welche er nicht kannte. Ich habe, um die Bildung, welche solche Rindeugegenden annehmen, kennen zu lernen, auch mikroskopische Schnitte untersucht. Diese Rindenpartie war durch und durch braungelb und auch in's Holz erstreckte sich diese Farbe durch alle Markstrahlen. Es ist daher wohl anzunehmen, dafs letztere zu dieser Verharzung der Rinde hauptsächlich beitrugen. Man konnte auch deutlich sehen, wie sich zunächst an den Mündungen der Markstrahlen das Harz angehäuft und in einem dicken Strei- fen die ganze Holzgreuze umflossen hatte. Es war aber auch über die Region der Bastzellen-OeflP- nuugcn hinaus tief in die Rinde eingedrungen und hatte hier die äufsere Hälfte derselben so zerrissen, dafs man nur verworrene, überall von Harz umflossene Fasern bemerkte. Woher aber dieser Harzergufs gerade am freien Ende der Holzwälle ? Ich sehe mich vergebens nach einer genügenden Erklärung um und kann nur vermuthen, dafs an jenen freien Enden durch die plötzliche (Krummstab-) Biegung eine Pressung auf die in ihrer Richtung veränderten Markstrahlen §. 2. FonsTi-iciiE BEDEüirNG iND Vorhersage. 77 ausgeübt worden ist — meine Pressuiigs-Theorie s. aueli vorlier. Genug, die Ilarzwälle treten hier hauptsächlich da iiervor, wo im nächsten Jahre ein neuer Hoizwall erscheinen soll, der also wohl mit seiner feinen zarten Rinde eines Schutzes bedürftig sein inüehte. Diese Theorie wird freilich da- durch erschüttert, daCs hier und da Wunden ol)ne alle Harz-Salbe verheilen: einige schnell und glück- lich (Fig. 1), andere langsam (Fig. 2). Ausnahmen giebt es indessen überall, und als Regel kann man wolü jetzt schon aufstellen: beim Schälen wird so viel Harz gebildet, dafs es theils in Massen er- scheint, theils in dünnen Zwischenrinden-Lagen, ja sogar an Stellen, welche als äufsere Harzgal- len direct beim Verwallen gar nicht betheiligt sind, und es ist um so auffallender, dafs nie eine Holz- glasirung beobachtet wurde (vergl. den Schlufs dieses §.). Um eine Masse zur Auschauimg zu bringen, habe ich Fig. 6 (r! natürl. Gr.) colorirt dargestellt, um auch zugleich die ungewöhnlich rothe Farbe des Harzes zu zeigen. Die Zwischenrinden-Lagen sind so gewöhnlich, dafs sie noch in den Maserknollen erzeugt werden, wie in Fig. 4 die scharfe schwarze Contour und besonders der kleine embryonische, schwarze Kern zeigen. Endlich äufsere Harzgallen sind die auf junger Rinde her- vortretenden, die, da sie auch geschlossen vorkommen, wohl mit den Terpenthinblasen der Tanne ver- glichen werden könnten, nur dafs diese gerade in der ältesten Rinde vorkommen. Fig. 7 (rechts) zeigt eine solche, wahrscheinlich erst kürzlich entleerte Galle, imd solche umwallte Vertiefungen, wie sie Fig. 3 an der Rinde (unten) hat, stammen auch vielleicht aus entleerten Harzblasen her. Aus diesen so verschiedenartigen Erscheinungen, von denen einige auch an ganz gesunden oder scheinbar gesunden Stämmen — die inneren Harzgallen gehörten allerdings einem ganz kranken Stamme (s. p. 76) — vorkonunen, ersieht man, dafs das, was die vorher genannten Forscher einzeln sahen, Alles wahr sein kann. Ich mufs dazu auch noch eine Angabe aus den brieflichen, öfters schon genannten schätzbaren Mittheilungen des Herrn Forstrathes Braun, der wohl gerade geschälte Lärchen reichlich zu beobachten Gelegenheit hatte, beibringen: -Die Lärche ist nicht im Stande, die Wunde gleich mit Harz zu überziehen, wie dies meist die Fichte thut." Und weiter: „Das starke Repro- ductionsvermögen der Lärchen ist für sie ein Glück, da sie nur wenige Jahre zur Verwalhmg brauchen, ihnen also auch der Harz-Ueb erzus nicht so nothweiuliir ist, wie den Fichten, welche so langsam verwallen und unterdessen eines Schutzes der nackten Holzstcllen bedürfen." Hr. Braun zielt hier offenbar auf die Harz -Glasuren ab, für die er mir Belagexemplare von Fichten sandte, wie ich sie von Lärchen nie zu sehen bekommen habe. §. 2. Fürstliche Bedentmig nml Vorhersage. Im Ganzen schadet der Lärche das Schälen auch weniger als der Kiefer und Fichte; nach Hrn. Forstm. Lehmann's Erfdinmgen wird mehr daran gcschlnf/en. ein Ausspruch der auch von ver- schiedenen Praktikern getheilt wird (D omni es im ITnrzcr Forste, p. ISO). Ich hatte Gelegenheit, alle drei neben einander in Boytzenburg, also auf gleichem Boden — etwa Kiefernboden zweiter bis dritter Classe — , und ziemlich in gleichem Alter, zu sehen tmd besonders das auffallende Zurückbleiben der Fichte, obgleich sie hier relativ besser als Lärche situirt war, wahrzunehmen. Letztere war mit ihrer Verwalhmg lange noch nicht so weit, wie die Lärche, und es schien mir, als wenn hier eine (vielleicht durch Boden disponirte?) übermäfsige Harzerzeugimg die Holzwallhildung verzögert liatte, auch erschienen die Schälstellen mehr schwarz, während die der Lärchen röthlich schimmerten, also überhaupt gewissermafsen eine gesunde Granulation zeigten. Das kommt auch wohl daher, dafs die dem Schälen am meisten unterworfenen Lärchen in der Periode ihres kräftigsten Lebens (s. §. 1) stehen, was auf Verwalhmg immer einen günstigen Einflufs übt, und dafs sie in dem Alter von 10 — 20 Jahren selbst auf unserem leichten Boden eine enonne Triebkraft besitzen, also auch Wunden leicht verheilen. In 3 — 4 Jahren, wenn sie vor dem Wilde 78 Lärche. B) Verwallungsfeuler. II. VieiU'Is.sler. Ruhe haben, wie iu den Boy t zenburger Vcrgatteiungen, vinwallt eine Wunde, die etwa J der Peri- pherie einnimmt, fast volLstäudig, ja Dommes bemerkte, dafs ein Stamm, zu l des Umfanges geschält, die Wunde schon nach 3 Jahren schliefsen konnte, was ziendich auch mit meinem in Fig. 5 darge- stellten Stamme geschah. Dabei machte der Stamm noch Jahrestriebe von 8 — 12" Länge, zeigte mir auch im Jahre 1866 in Boytzenburg eine besondere Genesungsförderung, insofern sie von den auf allen übrigen ungeschälten Lärchen verbreiteten Tannenläiisen (Chermes Laricis) frei (ob zufallig?) blieben *). Abnorme Formen nimmt der Stanun wohl in der Jugend an, aber die Rundung wird dann doch bald wieder hergestellt. Ich habe dies z. ß. au einer 15' hohen kräftigen Lärche unserer Gegend gezeigt, welche, obgleich nach dem halben Umfange und auf Länge von 1' geschält, doch schon nach 4 Jahren geschlossen war und nach abermaligen (allerdings nun schwächeren) Jahrringen nicht blofs die volle Rundung wieder hatte, sondern auch eine Stärke erreichte, die sie ohne Schälen nicht erreicht haben würde (s. Erklär.). Das Holz war zwar im Innern schadhaft geworden, wie der Schatten um die Kernringe hei'um andeuten soll, allein das ist, wie die braune Farbe anzeigt, nur ein leichtes Ver- harzen und es würde, da dieser Schaden bei alten, erwachseneu Stämmen in den Stock fällt.**), der Brauchbarkeit des Holzes keinesweges Eintrag thuu. Walu'schcinlich ist dies das Holz durchdringende Harz dasselbe, welches wir während der Vcrvvallung in Form von Incrustation und Harzwälleu äul'ser- lich erscheinen sahen. Wie stark die hier vorliegenden Stangen vor der Verwallung verharzt ge- wesen sein mögen, läfst sich jetzt nicht mehr angeben. Die Rinde ist ja auch in hohem Grade ver- schwunden und nur an zwei Schlulswällen sind noch Spuren zu bemerken. Zuletzt erwähne ich der Rings sc hälun gen, welche wohl zuweileu vorkommen, dann aber gewöhnlich vom Fegen oder Schlagen herrühren. Hier ist die Vorhersage viel schlechter, denn die Lärchen scheinen dies weniger zu vertragen, als die übrigen Nadelhölzer (s. dort), und auch dies wirtt ein eio-enthüudiches Licht auf ihre Ri'productionskrait. Iu mehreren Fällen sah ich, dals der Wipfel die Ringsschälung nur 1 Jahr überlebte, in diesem aber eine ganz aufsei-ordentliche Kraftanstrengung entwickelte, indem der Todestrieb 2V Länge erreichte und einmal 20 Johannisti-iebe von 8 — 9" Länge noch extra zu Stande brachte! (vergl. auch Verbeifsen). „Wo nächst einer Lärchen-Cuhm- ein starker Bock steht, da werden durch Fegen viele Stämme ruinirt und man mufs, wenn man ihn nicht gleich abschielst, auf ausgiebige Coinpletirung gefiilst sein" (Wachtel iu lileris). Bis hierher war fast nur von jungen Stäuunen die Rede. Für die Vorhersage wird aber auch eine, ausschliefslich den alten zugewendete Besprechung von Wichtigkeit sein. Das Verhalten der- selben zeigt, dafs auch hier eine gute Prognose statthaft ist, denn 1) zeigen sie, dals wenige Stämme sterben, 2) vielleicht auch gar die technische Brauchbarkeit geschälter Stämme eher zu- als abnimmt, wenn man von dem etwas zu lang gelassenen Stocke, der ja bei der enormen Länge der Lärche auch weniff in Betracht kommt, absieht. Ich stütze diese Ansicht auf die schlesischen Stammabschuitte. An Stämmen von ca. 70 Jahren önde ich einen Durchmesser von 6 — 7". Im Kern stecken, wie ge- wöhnlich, 8 — 9 Ringe, und ca. 40 — 50 Schälringc bedecken dieselben. Die ansehnliche Breite, welche die ersten Schälriuge meist haben, nimmt mit dem 15. bis 20. Jahre allmälig ab und die letzten 10 Jahre messen zusammen wenig über 1'". Dabei macht sich der stark verkiehnte Kern so breit. *) Nebenbei uocb einige Beispiele vou ani'serordeatlicher Triebkraft. Eiu Stamm (ISöbJ batte 'd Wuiideu, vou deueo die kleinste, im Umfange einer halben Handfläche, schon ganz geschlossen war. — Au einer ca. 8 jährigen, ungewöhnlich früh entwickelten Stange von 10' Länge war schon im ü. und 4. Jahre Verbeirsen vorgekommen und es hatte sich eine Krücke ge- liildet (etwa wie Taf. 39, Fig. 1), welche bald darauf 2' lang halbseitig geschält worden war. Darauf hatten 2 Triebe (vou 18(32 und 03) eine Länge von 4' erreicht, der 63er dabei uocb 25 Johannistriebe gemacht: der längste derselben 10" und wieder mit kleinen Nebentrieben, u. s. f. **) Die Stange wurde aus der Erde herausgehauen. Ich konnte also sehen, wie sich das Harzbraun bis zum Wurzel- knoten herabgezogen hatte, aber nur au der Seite, wo das Verwalleu erfolgt war. RiNGrr.N iND Plätzen ncRCii Eichhorn. 79 (lafs kaum V weifsen Splintos hloiht. Wenn die Kernringo darunter aucli otwas gelitten haben, so reiclit dies doch nur s-d weit, wie die Schälsteile nach oben geht, und darüber hinaus sind auch die innersten Holzringe verkiehnt, wenn auch, wegen des früheren üppigen Wuchses, nicht so dauerhaft, wie die späteren Ilolzringe. 7) Ringeln und Plätzen durcli Eicliliorn (Schtnis). Im I. Bande wurde die Spiralringeluug der Kiefer ausführlich beschrieben (p. 209 — 214) und abgebildet (Taf. l'J). Mit der Thätcrschaft kam ich daselbst so ziemlich aufs Keine, da die Gat- tung der Schläfer (Myoxiis) nur durch geringen Verdacht gravirt war, andererseits das Eichhorn auch wirklich beim Abbeifsen der Kinde gesehen wurde. Auch bei dem Lärchen -'üiw^cXn meldete sich Myoxus wieder (s. nachher), ludessen wird die Vermuthung der Thätcrschaft des Eichhortis bei der Lärche zur Gewil'sheit, wenn wir die schon bekannten Augrift'e des Eichhorns herbeiziehen, und es wirft dann der ganze Vorgang auch ein Licht auf die Kiefer, an welcher „Plätzen und Kingcln", besonders Spiralringeln, überhaupt viel seltener vorkommen. Es wäre das, was ich Bd. I. beigc- l)racht habe, schon allein hinreichend, um das Eichhorn als alleinigen Thäter zu kennzeichnen. Später habe ich aber noch andere Beiträge für dasselbe Thema sammeln können. Hr. Eberts, gegenwärtig hier stiulirend, war schon auf dem Reviere seines Vaters (K. Obcrfilrsters zu Castellaun, Forstiusp. (,' ob 1 enz-Simm ern) Zeuge von Lr/rc/icw-Bcschädigungeu durch Eichhorner gewesen und erzidilt mir, dafs ein förmlicher Abschufs (mit Ablieferung der Fahnen) dort hätte eingerichtet werden müssen und (lals wirklich die Zahl der schädlichen Thierchcn danach sich sehr vermindert hätte und den Lärchen dadurch Luft vcrschaÜt worden wilre. Demnach kann ich der Vermuthung des Hrn. Revierforsters Gärter, dal's hier wohl Schläfer im Spiele sein möchten, kein Gewicht beilegen. Hr. Gärter, dem ich die werthvollen Wipfel ver- danke, wurde durch zweierlei auf J/)/oj"hs hingeführt : 1) sind diese Thierchen am Dörrberg bei Ohr- druff häufig *;, 2) sollen dort Eichhörner selten sein. Die letztere Angabe entkräftet aber Hr. Gärter gleich wieder durch die für F«o/t/en-Beschädigung wichtige Bemerkung: „Eichhörnchen habe ich mehr au Fichten von 15 — 20' Höhe gefunden, deren Gipfelknospe, ja deren höchsten Höhentrieb sie ganz abbeifsen, wobei ich sie selber geschossen habe." Auch erlaube ich mir w-iedcr auf Hrn. Kellner' s Abbisse (Band I.) hinzuweisen. Wenn also Eichhörner überhaui)t am Thüringer Walde häufig sind, so könuen sie sich bei ihrer entschiedenen Wanderlust (I. 53) leicht nach Orten begeben, wo sie sonst nicht gewöhnlich ihren Stand haben. Darauf deutet eine Gärter" sehe Bemerkung, die ich, da sie wieder in mancherlei Hinsicht wichtig ist, wörtlich wiedergebe: „Ich schreibe den F'ral's vom Jahre 1864 her, wo wir im Frühjahre, und zwar noch am 5. /\pril, einen 3 — 4' hohen Schnee bekamen." •) Hr. frärter konnte hübsche Rcoliachtiingen über die Lebensweise iler finxelinans (also M. avillnnnriiis) mit gröfser Sicherheit machen und manches aufklären. Kein Ereiffnifs, welches eine Vermnthunp von Rindenraiib aufkommen läfst! Hie Thierchen hatten ihr Nest in seiner Gartenlaube und in einem beschnittenen Fichtenzaune und bcsiichlcn im Sommer flcif^is seinen Winterkohl. Die Blätter desselben, als sie schon 6 — 8" Länge hatten, waren al'gcfressen, ja die ganzen Herzchen fort- getragen. Vergleichen wir damit andere Angaben (z. B. des erfahreneu Blasius Fauna I. p. 2it'j), so ist überall nnr der Blätter, Früchte, Knospen als Nahrung gedacht, und auch unter den Nestmaterialien hat Nieuiaud Rinden.itückc, die etwa gestohlen worden wären, gefunden (vergl. Ringeln, angeblich durch Haselmäuse, bei Buche). 80 Lärche, B) Verwallungsfeqler. II. VikrfCssler. Das spräche auch uoch für Eichhörner, welche das Ringeln wainsclieiulich aus Noth unternommen. Es spricht zugleich gegen Schläfer, welche in so rauhem Nachwinter kaum ihr weiches und warmes Winterlager verlassen haben dürften. Der Bestand, in welchem das Ringeln sich ereignete , ist mit Tannen, Fichten und Buchen gemischt, disponirt also auch in dieser Hinsicht zu den AngriÖen des Eichhorns, welches sich gern in Fichten steckt (I. 210). Vou Angriffen des Eichhorns in gemischten Beständen spricht auch NiJrdlinger (kril. Bl. 45. J. p. 264). Ich berichte darüber noch beim Laub- liolze §. 4. Befund. Ich habe nur 2 armstarke Wipfel, an welchem die Aeste glatt am Stamme abge- schnitten sind, vor mir; sie sind aber, besonders was Sclilul's oder Oifeuscin der W^unden betrifft, so gut ausgewählt, dafs auch Form und Zahl der Schälbäuder, Verharzen, Reproduction u. s. f. sich vortrefflich beurtheilen lassen *). Der eine, noch uicht geschlossene Stamm hat die gröfste Aehn- lichkeit mit dem Ringelstamm der Kiefer (Taf. 19), nur dafs nicht 5, sondern nur 3 Spiralbänder vor- handen sind. Wahrscheinlich hängt dies, wie das folgende damit zusammen, dals die Lärche nicht einen ordentlichen Quirl und glatten Zwischenquirl, wie die Kiefer hat. Nachdem an dem offenen Stamme das Thiercheu auf einer Strecke von 6" (wahrscheinlich abwärts kletternd) geringelt hatte, waren ihm 5 Aeste iu den Wes sekommen. Au dem geschlossenen Stamme ist ein solches Hin- dernifs wahrscheinlich auch vorhanden gewesen, denn auch hier dehnt sich die Nagefläche nicht über 7" hinaus und das Thier hat, um diesen engen ^ astlosen Raum ganz zu benutzen, sogar Extratouren gemacht, d. h. innerhalb der hier sehr breiten Spiralbänder noch eine zweite Spirale angefangen, ja noch kleine isolirte Plätze genagt: also wirklich geringelt und geplatzt. An den Spiralbändern be- merke ich dieselbe Aussackung, wie bei der Kiefer, auch Verharzung des Nacktholzes, die ich sonst beim Schälen nicht sah, und der Bänder, ja stellenweise so weil's, wie mit Kalkwasser bespritzt, aber nicht glasirt. Das Interessanteste und Wichtigste, d. h. über Leben und Tod Bestimmende, ist aber die verschiedene Form beider Stämme, ganz abweichend von der der Ringclkiefer. Bei letzte- rer mufste der absteigende Bildungssaft da, wo er aus dem Wipfel und den oberhalb der Spirale abgehenden Quirlzweigen in den Anfang der Spirale (Oberquirl) einströmte, hier aufgehalten werden und aufstauen. Die Verzögerung der Saftbewegung in den Spiralbändern zeigte sich nun auch in der offenen Lärche und die Verdickung folgte unterhalb des Bandes: der Durchmesser beträgt oben 1^", unten 2". Die Verdickung ist hier offenbar durch die 5 Aeste erfolgt, die ziemlich in Einer Ebene stehen und einem Quirl ähneln (s. Beschreibung §. 2). Ein ganz anderes Bild gewährt der geschlos- sene Stamme, denn er ist beinahe ganz walzenförmig, d. h. die 3 Reproductionsringe sind oben fast ebenso breit, wie unten, während sie am offenen Stamme oben nur halb so breit sind. Daraus möchte man schliefsen, dals am Schlufsstamme die Reproduction so ausserordentlich kräftig war, dafs die Ränder der Schälbänder sich vereinigten und eine fast normale Cireulation wieder herLjestellt wurde. Solche Stämme leben also fort, während die länger offen bleibenden Stämme gewil's wenigstens deu oberhalb der Ringstelle befindlichen Wipfel verlieren (vergl. Schälen §. 2 Schlufs). Anatomie. Schon mit blofsen Aueen erkennt man den ersten Schälring au seiner Schwäche und an der besonders ausgeprägten Ldrcften-Holzfarbe, die hier beinahe rosenroth ist. Die Vermehrung der Harzcanäle hat sich am meisten an dem offenen Stamme eingestellt, wo sie namentlich am obern Querschnitte zusammenhängende Ketten bilden imd zwar am dichtesten, wo der erste Schälring sich an das Altholz anschlielst; des letzteren Brauuholzschicht ist dadurch auch etwas breiter und intensiver geworden. Die beiden letzten Schälringe verlaufen, wie das sich ja auch bei der /üt>/er-Ringelung zeigte, sehr unregelmäfsig und grenzen sich nicht überall deutlich ab, stellenweise vier Absätze zeigend, besonders am untern Schnitte des offenen Stammes, wo die Saftbewegung am stürmischsten gewesen *) Eine umständliche BescLrcibiing wird uiun liier nicht erwarten, da ich eine solche bei der Kufer geliefert und auf Taf. 19 ausreichend illustrirt habe. Dort ist auch in Fig. 1» ein mikroskopischer Schnitt der Grenze von Alt- und Neuholz gegeben, aus welchem die im Spiralbande veränderte Safibewegung sich erklärt. 1{ini;f.i..n I Ml I'latze.n dircii Kicuhorn. 81 ist. Auch in der Rinde sind auonialc Tliätigkeiten sichtbar, einzelne groik<^ runde Zellen mit dunkcleni Mittelpnnkte wie Bastzellen auftretend n. s. f. Wenn das Kingeln vor der Vegetationszeit stattfand, so erkennt man das, wie überall, am Mangel eines Complementes. Frost disponirt zu Angriffen. Aus dem (schon bei „Feinde" p. 58 erwähnten) Briefe des Ilru. Oberförsters Eberts, welcher die schon vorhin erwähnten mündlichen Mittheilungen des Sohnes vervollständigt, entnehme ich Folgendes: Im Jahre 1852 wurde unzweifelhaft festgestellt, dafs die Eichhörner nur durch die vom Froste herrührende Kindenkrankheit herbeigelockt worden waren. Sie hatten deshalb auch wohl nur die j üngsteu Partien (5 — 10' von der Baumspitze entfernt) ergrifi'en und nur die zartesten Bastpartien verspeist — von gröberer Rinde keine Spur im Magen der geschosse- nen! Dies ereignete sich im Herbste, namentlich an den Rändern der Bestände, in späteren Jahren nicht wieder*). Wäre nun wohl der Schlufs erlaubt, dal's auch die Fälle von A'it'/er« Benagen durch Eichhorn nur nach Frost-Disposition erfolgte? dal's sie hier so selten seien wegen Seltenheit von Frost in Kiefern?'^ ') Nach weiteren gcfrilligen Mittheilungeii ,liätteii in Castellaun die Forstschntzlieamfen jährlich eine bestimmte Anzahl Fahnen ( Kuthen | von Eichhörnchen an den Oberfrirster abzniiefern und dieser über die richtige Einlieferung an die Rofjieruni; zu berichten. Diese Bestimmung ist erst anno KSGO wieder aufgehoben.' Ein .Vbschufs dieser nur schädlichen Thiere wäre überall und unausgesetzt wünschenswerth. 11 Zweite Abtheilun^. Die Laubhölzer. §. 1. All!j;emeine Benierkuiigen. Nach der Angabo von Rentz.seh {Bd. I. 81) kommen beinahe 60 pCt. unserer jjjjinzen Bewal- dung auf das Nadelholz, nach U. v. Hagen (forsll. Verhältnisse Preußens) in den Staatsforsten Preufsens 7(j pCt. *). Man sollte danach auf Unvvichtigkeit luul Vernaclilässiguiig der Laubhölzer *) Die Tendenz meines Werkes legt mir manclie Fesseln an, und so darf ich aiicli namentlich die Wald - Statistik nictit zu weit ausdehnen, wenigstens nicht für jetzt. Sollten die frommen Wünsche, welche ich in der Kinleitung (I. §. 14| ausgesprochen hahe, sich realisiren, so würde auch dereinst die Vertheilung der verschiedenen Holzarten bis auf die einzelneu Provinzen etc. studirt werden müssen, um den feindlichen, sie bedrohenden Einflüssen wirksam auf dem Wege der Vorbauung zu begegnen. Wir können indessen auch Jetzt schon damit den Anfang machen. Das neue Hagen'sche Werk ist in dieser Beziehung ein trefflicher Rathgeher, indem die Angaben des hochgestellten Herrn Verfassers ein Vertrauen, welches wir vorhei- in statistischer Beziehung nicht hatten, einliölsen, und zugleich durch Anordnung und Uebersie htl ich k ei t den Zweck fürdern. Ich kann mich nicht enthalten, hier wenigstens einige allgemeine naturhistorisclie Betrachtungen, zu welchen dieser Paragraph mich ja berechtigt, anzuknüpfen und es dem Leser zu überlassen, weitere Consequenzen auf Thierverbreitung, für welche mein für jede Ilolzgattung stehender Paragraph ,.Feinde" speciellere Mittel bietet, zu verfolgen. In jenem Werke Ip. 100) sind die 25 Regierungsbezirke unseres Staates in 2 Colonnen geordnet. In der ersten beginnt djr Regierungsbezirk Bromberg mit 4 pCt. Laubholz und Königsberg (und Merseburg) schliefst mit 2G pCt. In der zweiten eröffnet sich eine Reihe von 3.5 pCt. bis 84 pCt. Laubholz. In der ersten t'olonne stehen fast nur östliche , in der zweiten fast nur westliche Regierungsbezirke. Ks liegt also nahe, dal's klimatische Ursachen vorhanden sind, also der excessivere Osten nicht förderlich ist für die Laubhölzer, welche in einem gleichmäfsigeren Klima, wie es der Westen mit sich bringt, besser gedeihen. Audi die geognostischen Verhältnisse mögen einen Antheil haben, insofern die höheren Gebirge im Osten, in welchen übenlies kry- stallinische Gesteine herrschen, nur noch Nadelhölzer, diese aber bis zu ihrer Spitze, begünstigen. Eine hier sich aufdrangende Frage ist dann noch: ist jene Vertheilung nicht vielleicht erst durch die Cultur herbeigeführt? Etwas mag dieselbe wohl ge- than haben, wie wir aus den in der Neuzeit im Westen entstandenen Nadelholz- Anlagen ersehen; sehr wesentlich ist das aber nicht, auch wird es gewifs nie dahin kommen, dals jenes anscheinend so natürlich begründete (iesetz im Osten und Westen jemals umgekehrt werden sollte, liemischte Bestände werden allerdings noch aufkommen (s. Siiimur). Gewifs ist es, dafs die Waldverhältnisse Deutschlands sich mehr durch absolute Verminderung des Waldes als durch relative der Ilolzgattungen ändern, denn da, wo die auffallendste Bodenverschlechterung eingetreten ist, kann doch nie auf Laubholz gerechnet werden, und es stellt sich mir eine B onitäts Veränderung ein. Noch mufs ich bemerken, dafs in dem Hagen' sehen so vielseitig wichtigen Werke auch die Betriebsarten (Mittel-, Nieder- und Hochw'ald) statistisch bestimmt werden, ebenso erläutert: das Verhältnifs, in welchem die wichtigsten Holzgattungen im llochwalde der einzelnen Regierungsbezirke vertreten sind und welche Altersclassen hier herrschen — Alles auch beachtens- werth für die Beurtheilung von Insektenschaden, welcher in einer Gegend voraussichtlich seltner oder häufiger auftritt. Für den zu erwartenden Wildschaden ist dies auch insofern mal'sgebend, als für diesen der Hochwaldbetrieb mehr disponirt. Gröfseren Einflufs hat darauf aber natürlich die Stärke des Wildstaiidcs. In dieser Beziehung erlaube ich mir auf v. Vie- bahn's ^Statistik" zu verweisen, in welcher ich, nach amtlichen Miltheihingen, eine Zoographie für die verschiedenen Provinzen und selbst oft für ausgezeichnete Reviere liefern konnte: also zunächst Wildstand, dann aber auch andere, für Waldverderbnii's wichtige Thiere. !^. I. Al,l.(.KMEINE HkMKUKINGEN. 83 scliliclseii. Unwiclitig sind sie gewils nicht, das weils ein Jeder, der von der Unentbehrlichkeit der- selben beim Schifl'sban, von dem Nutzen derselben in den Werkstätten der Tiseider, Böttcher, Wagen- bauer u. s. f., sowie von ihrer vorzüglichen Asuheniialtigkrii und Brennkraf't gehört hat und selbst ein- mal beim Spaziergange aus der Clhihliitze des Nadelwaldc- in den kühlenden Schatten eines Biichcn- Haines getreten ist. Man dürfte alsn wirklich nur viui \ irna i h lässigung sprechen, da in der That oü da, wo noch Laubholz wai'hsen kiinnte, Nadelholz angebaut wird. Theils ist dieser Anbau bequemer, theils wegen der Schncllwüehsigkeit der besonders bevorzugten Kiefer einträglicher (Bd. I. 215'). Allerdings ist auch wirklieh nicht innner das Laubholz mehr fbrtzubekommen. In Privatrevieren wird öfter über diese Vernachlässigung geklagt, als in den fiskalischen Forsten. Darf ich daher nicht, ehe ich weiter gehe, und ehe ich von den Physiognomien der Bäume im Einzelnen rede, vorher des Ganzen erwähnen, wie es Forstmänner selbst im ästhetischen Sinne aufirefalst und dabei vorzü Sache also wieder von einer andern Seite, als meine Vorgänger es thaten, darstellen. Diese vier Fragen würde idi hier nun auch wieder negativ beantworten müssen: Erstens finde ich hier den Zusammeidiang zwischen Aeulserem uud Innerem noch weniger heraus, und nur, wenn ich die zweite (Reproductious-) Frage hinzuziehe, tritt die Nothwendigkeit dieser Beziehung etwas deutlicher hervor. Die Laubliölzcr sind eben reproductiver, d. h. schneller mit Knospen- und Triebbildung fertig, wegen der Buntheit ihrer Anatomie, obgleich ihnen eine sehr wesentliche Eigenschaft wieder abgeht: Stockverwallung (1.8:-!). Sollte sie der Schöpfer durch diese wunderbare Erscheinung blofs haben entschädigen wollen für andere Entbehrungen? Sollte nicht doch ein tieferer Gi-und in der Organisation geftmden werden kön- nen? Dies wird um so wahrscheirdicher, als die Stockverwalluug nur bei den so nahe verwandten Tannen und Ficliloi recht zu Hause ist und weniger bei Lurchen, die sich auch deshalb der Natur der Laubhölzer mehr nähern; ihre Verwandtschaft läfst sich aber mehr im Aeufsern als im Innern nach- weisen, und daraus würden wir einen Grund mehr für die Bcantwortiuig der brennenden Frage ent- nehmen: herrscht hier eine eigenthümliche Selbstthätigkeit der Zellen, oder hängeu letztere, wie mau es bisher bei allen Pflanzen annahm, von den sie speisenden äufsern Organen al)!" Aus diesem Labyrinth von Phänomenen findet man sich zuletzt immer nur heraus, wenn man auf das Gesetz der (ileichgewichtserhaltung, auf die beliebte „Theiliuig der Arbeit", schliefslich immer wieder auf die göttliche Idee der Vielheit in der Einheit zurückgeht, hier also auf die den Kiefern eigenthümlichen Scheidenentwickelungen, dann auf die den Fichten und Tannen zukommende Stockvcrwallung, die bei Lärrhe vielleicht deshalb seltener ist, weil hier die vegetative Thätigkeit durch die unzähligen Büschel, ähnlich der Nadelanhätifung der Kiefern, zu sehr in Anspruch genommen wird. Solche .Vnsprüche macheu nun die Laubhölz'r iu ihrer Krone nicht, auch eignen sich ihre Wurzeln —schon der ver- schiedenen Locaütät wogen — nicht zur umfiiugreichcn Verwachsung: daher ihre allseitige Knospung, die in Stock- imd Wurzelausschlägen gipfelt — Mutterstockbildung (vcrgl. §. 2 und .3). Was die dritte Frage, wegen der Wipfelbildung, betrifi't, so will ich sie hier niclit weiter untersuchen, da selbst bei den Nadelhölzern der Grund für regclmäfsigen oder unregelmäfsigen Ersatz nach Kaupenfrafs, so wichtig derselbe auch ist, mit Sicherheit niclit gefunden werden kann. Hier heilst es wieder: -grau ist alle Theorie . . . ." Um so wichtiger und fester begründet erscheint mir dagegen das Criterium des Insekten-Conflicts (4. Frage), wenn auch schwer erklärlich. Aufweiche Insekten ich mich dabei berufe, das zeigt p. 85. Ueber das Warum? der Ausschliefsung von Nadel- holz-Borkenkäfern, die ich hier besonders befrage, vom Laubholze, würde die veränderte Safthewe- cuns der letztern, die ich ffleichsam als ein Reagens betrachte, am ersten Aufschluls geben. Sie ist von der Art im Stamme und in den Zweigen, dafs die betreflenden Laubholz-Xylophagen sich daran gewöhnen und sie auch nicht so leicht alteriren (s. Birke Ecropt.). Dafs sie in den Blattorg:inen eine boldt (in seinen ,6onf/(e»') huldigte, wird auf naturhistorischem (ieljiete vielfach Ausdruck ijeßeben. -Man rc.lct von der in- dividuellen Fähipkeit, geistige Momente zu schaffen, und spricht diese nur d en Lautihölzern zu, weil nur diese selbständif;.' llotive böten, den Nadelhölzern letztere aber abgingen, indem die von ihnen hervorgerufene Seelcnsliminung mehr von der Umgebung abhinge, u. s. f. (Klöbisch p. 4). Für den Maler tritt hier noch eine wichtige Krage hervor: .wie viel natur- historische Genauigkeit darf in einem Bilde herrschen, damit der malerische Effekt dadurch nicht gestört wird? Mit grofser Sachkenntnifs sprach darüber mein verewigter Freund Saxesen (meine Natuncifsenscha/ien ■'i'iti /.). Etwas mehr als gewöhn- lich möchte selbst berühmten Malern wohl zu wünschen sein und Rofsmäfsler (1. 1. -2221 hat Keeht, wenn er sagt: .die sehr oft nnvcrsirmdlichen Raumgestalten unserer Landschaftsbilder lassen sich gewöhnlich nur auf irt' nd eine Baumgattung mit un- terbrochenem Wüchse zurückführen." 86 /.wKiTE AnTiiEii.i NO. Die Laibhölzer andere ist, wenigstens in extenso, das zeigt die Erfahrnng der ad utrwm(|ue bereiten zahlreichen phyllo- phagischen Insekten (vergl. noch Bostrichus Tiliae bei Li7ule u. A.). Meine fünfte Frage habe ich gesondert, weil wenigstens Blüthen und F^rüchte zu geringe praktische Anknüpfungspunkte bieten. Von ihnen wird noch in besonderen Paragraphen gesprochen, und hier nur so viel über botanische Charakteristik der Laubhölzer: dafs ihie Bliuuen und Früchte durchweg von denen der Nadelhölzer verschieden, vollkommener ausgebildet sind. §. '2. Beschreibung des Aeufseni bei den Laubhölzern. Der wesentliche Charakter, zu welchem auch Morphologie Beiträge liefert, ist bereits in §. 1 erörtert. Daraus geht auch hervor, dal's die viel einförmigeren Nadelhölzer eine andere d(>scriptive Behandlung erfahren müssen. Bei ihnen kann nämlich nicht von Mut terstöcken die Rede sein, wenigstens ist nur ein Schatten davon beim Nadelholze vorhanden. Desto umfangreicher treten sie und die damit parallel gehenden unendlich variirten Kronen-Reproductionen Ix'im Laubhoize auf; und wenn auch nicht in botanischen Büchern von ihnen viel gesprochen wird, wenn nur hier und da schon von den Ausdrücken stfilones, sarmenta, radices repentes etc. Gebrauch gemacht und ungenügende Be- schreibung der Baumwipfel gegeben wird: so interessiren sie doch den Forstmann ungemein und er mufs die Mutterstöcke sogar bei Kräutern und Gräsern studiren, wenn er praktischen V ort heil von der Botanik haben will. Ich habe daher , Stcmdortst/ew. und Unkräuter p. 11) einmal eine Ver- gleichung zwischen Hölzern und Kräutern in dieser Beziehung nach PfeiTscher Manier öifentlich vor- getragen. Viele Jahre späterer Beobachtung, auf einsamen Gängen und Excursionen mit unsern Stu- direnden haben mich darin bestärkt, und ich werde daher auch jetzt der dort aufgestellten Terminologie und Begrifl'sbestimnnmg mich bedienen, wo es nöthig ist, und mich nicht an einzelne Ansstellinigen, die dagegen gemacht werden können, kehren — vollkduimen ist ja nichts unter der Sonne! Ihre Schilderung geht also voran , und dann erst folgen die beiden grofsen Ptlanzeidvörper : Wurzel und Stamm, und zuletzt der Wipfel, welcher am meisten alländert und durch seine re- productive Vielgestaltung einen Hauptuuterschied gegen die Nadelhölzer bildet. Auf die botanische Auffassung dieses Gegenstandes in Bd. I. §.3,4, namentlich was das ABC der Keproduction, die Knospen, Blätter und Triebe betrift't, verweise ich schon jetzt. Erste Behandlung der Mutterstöcke. Hier müssen Wurzel und Stamm, abgesehen von den Eigenschaften, welche jedes dieser Glieder für sich hat, zusammengefal'st werden. Denn die Entstehung neuer Knospen hängt bald von dem einen, bald von dem andern ab. bald liegen sie am Wurzelknoten oder Wurzelhalse selbst, wie es z. B. in meinen Abbildungen bei Birke und Er/« (Taf. 50) zu sehen ist, imd wie man es, wenn auch mit sparsamerer und unregelmäfsiger Verbreitung, bei an- dern Hölzern findet (s. 7wr;//p, Ahorn). Es mufs dieser Indifferenzpunkt, weil er auch sell)st dann, wenn wachende Knospen hier nicht zu finden sind, leicht Ausschläge liefert (mit und ohne Abhieb), beson- ders zu Rcproductionen disponiren, auch könnte man teleologisirend den Schutz anführen, den die Knospen hier, in ungünstigem Klima finden (s. Birke). Physiologisch: wahrscheinlich weil hier die aus der Wurzel in den Stamm übergehenden Säfte länger verweilen und die in der Wurzel massenhaft abgelagerten Reservestofl'c ihre erste Verwendung finden, was ja, ausnahmsweise selbst bei Nadel- hölzern *) bemerkt wird. Beim Keinding ist dieser Indifierenzpunkt scharf bestimmt und man unter- scheidet hier das Hyp o kotyledonarische von dem Epi recht gut. Später aber hört die scharfe Tren- nungsliuie auf, da immer mehr Holz- und Rindenlagen sich darüber legen, obwohl auch dann eine *) Das nns'ewi'Jlinlich zahlreiclie Erscheinen solcher Knospen schon am 2jähriij;en Keimlinge ist hüljsch in einer Ab- bildunn ausi^edn'ickt, welche ich mit Karsten in dessen ^Botanischen Untersuchungen'- Hft. II. lieferte. Es kommt also auch, wiewohl vii'l siiarsainer, huim Nadelhol/.e vor. vi. 2. Besciiiikibi Ni; des Aeisseu.n hei den 1.ai;hiiöi./ern. ^7 gewisse Weiche immer iioeli den Punkt anzeii^t. wo der Proeel's der Verkorkiiii speciell bei den Höl- zern in Betracht kommen, hier näher eingehen. Welchen Gei)rauch mag die Natur wohl von diesem umfangreichen VeijüMgungs--\p])arate neben der Keimlings-Entstehung und besonders ehemals, als die Axt unsere Wälder noch nicht berührte, gemacht haben? Der Stockausschlag ist gewifs auch da- mals das häufigste ■Verjüngungsmittcl gewesen, indem anstatt des Menschen die Naturkräfte, durchj)län- ternd, die Fällung besorgten. Auch gegenwärtig sind die Stockausschläge bei weitem die gewöhnlich- sten Anfänge unserer Schlagwälder; sie machen aber auch, da man über die dabei eintretende Behand- limg sich nicht vollständig einigen kann, die meiste Sorge, wozu noch die gerade bei diesen Repro- ductiousarten häufigen Angriffe von Frost und Frais kommen. Neben den Stockausschlägen wirken auch die Senker (s. Linde) bei der Verjüngung, häufiger sogar als man bei oberflächlicher Betrachtung denkt, da in Fällen, wo man die jungiMi Pflanzen als Wu rzelbr ut anspricht, diese aus uiederliegen- den Zweigen entstanden sind {s. Ilaynbuche, Weide, illustr. hc'\ Ahorn). Wurzelausschlag erscheint seltener als W^urzel b rut, dürfte aber diejenige Reproduction sein, die am öftersten ansnah ms weise an Wurzeln vorkommt, wie bei Ahorn (dort illustrirt), bei welchem ich niemals sicher Brut nach- weisen, wohl aber Fälle von Ausschlag finden konnte. Die Wurzelbrut dagegen gehört zu den constantesteu Charakteren gewisser Hölzer, wie bei Weifserle, Pappeln. Akacien etc.. und ihre Ent- stehung nuil's doch im Baue dieser Wurzeln begründet sein: das Flachlaufen derselben macht es nicht allein, denn sonst müfsten am ersten Fichten, welche über der Erde (z. B. durch Senker) leicht wurzeln, aus ihren flachliegenden Wurzeln Ausschläge bilden können, was indessen weder bei Fichten. noch Tannen vorgekommen ist. Indessen kann Brut auch ausnahmsweise erscheinen, dann aber immer nur aus einzelnen flach laufenden Wurzeln, wie bei Schirurzerle. Ttoihbnche \uul Riigter. vielleicht auch bei Linden und Eschen, bei denen sie gewifs nicht Regel ist. Darüber zu entscheiden ist nicht *) Für diese l'ntersuchiingen benutzte ich die möglichst piiten Boden liefcrndeEi Nord- und Nordwesthänge nahe Neu- stadt, weil sie von den Studirenden benutzt werden können. Es wurde dabei immer die I, upe zugezogen. 88 Zweite ABinEiniNi.. 1)ie Laubhölzer. so leicht. Pteil (deutsche llohxiucht 02) hat es sich zu leicht gemacht, iadeni er z. B. Aspe und Uliiie als wuizelbrütige in Eine Kategorie bringt, ferner Esche und Haynbnche zusammenstellt, der Linde reichliche giebt u. s. f. Auch Stocksprossen und Wurzelknotenausschlag gehören zu den typi- schen Erscheinungen, und mau kann auf sie beim Abtriebe sogar mehr, als auf Wurzelbrut rechnen. Zu minutiös darf man in manchen Fällen die Sache nicht nehmen (s. Ahovii) *). Zweite Behandlung der Wurzel. Ihrer ist am häufigsten Erwähnung geschehen, und sie lasse ich daher zunächst folgen. Sie hat auch überall, selbst da, wo man es früher nicht erwartete, auf das Gedeihen verpflanzter oder sonst wie in der Vegetation gestörter Stämme den gröfsten Eiii- flufs. Ihrer nml's daher immer bei pathologischen Schilderungen Erwähnung geschehen. Gerade bei den Laubhölzern ist dies der Fall, und nur bei diesen kommen alle die Moditicationen vor, welche wir an der Wurzel überhaupt kennen, wenigstens hier in verstäikteui Grade luid regelmäfsig das, was bei Nadelhölzern selten oder gar nicht vorkonunt, wie die eben vorher aufgeführten, vt)n ihnen aus- aeheuden Mutterstockbilduugen. Deshalb wollte ich auch im ersten Bande noch nicht näher auf s'e eingehen, und mul's hier daher mit einigen, die allgemeine Forstbotanik betreflenden Notizen be- ginnen. Wie der Stamm nach oben als caudex adscendens (Oberstock) geht, so die Wurzel nach unten als caudex descendens (Unterstock). Haupt- und Nebenaxen lassen sich daher auch bei der Wurzel unterscheiden. Erstere ist die Pfahlwurzel. Die Nebenaxen heil'sen bald Aeste, bald Zweige, jedoch kann man sie auch sämmtlich als Seitenwurzelu betrachten (Hartig z. B. bei Eiche). Indessen wird auf diese Terminologie nicht so grofses Gewicht gelegt, wie auf eine zweck- *) Pfeil ist der einzige, welcher uinständlich bespricht: ^imter welchen Verhähnissen man auf Wurzelbrut -ur Erzieliung tauglic/ier Bestände rechnen könne' (Physiologische Aphorismen in Irit. Blätter XX. 1. p. 221). Mau darf, besonders jetzt (1 Säculum nach .\bfassung) nicht zu scharf kritisiren, sondern mul's vielmehr dankbar sein für die mühevolle Arbeit. Pfeil hat auch die beiden Gesichtspunkte, von welchen man ausgehen soll, richtig zusammengestellt: Innere Disposition und äufserc Form (Richtung) der Wurzel, modificirt durch die obligaten Gelegenheitsnrsachcn ([..uft und Boden). In der speciellen Ausfüh- rung dieser Reproductionsbedingungen ist er indessen nicht immer glücklich gewesen: wo ihn die Erfahrung verliels, irrte er. ■wie beim Ableugnen bei Scliwarzerle (s. meine £rle) und bei Behauptung der Unwüchsigkeit der TJus^ern-Brntstärame (s. meine Rüster). Ausnahmslos ableugnen läfst sich die Wurzelbrut nur bei den Nadelhölzern. Noch Niemand hat sie bei diesen je aufgefunden, obgleich doch Stockausschläge und Senker bei allen mehr oder weniger leicht entstehen (s. Tanne, Lärche, auch Fichte). Hier scheint es wohl sicher, dafs nur da, wo schlafende Knospen angenommen werden können, also nur epicotyledonar, auch Ausschläge in späteren Jahren entstehen. k\\ den Wurzeln ist dies unmöglich, weil es hier schlafende Knospen nichl giebt. Da bei Laubhölzern, anch ohne letztere, Knospen und Ausschläge entstehen, so mul's deren Bildung da von ganz andern Bedingungen abhängen. Die kennen wir aber nicht, es ist das eine Aufgabe für feinere Anatomie, die vielleicht erst sehr spät oder nie gelöst wird. So viel wissen wir schon jetzt, dal's der anatomische Unterschied zwischen Stamm und Wurzeln gerade bei Nadelhölzern recht scharf hervortritt: wir kennen aber noch nicht den ganzen Umfang dieser Unterschiede, z. K. noch nicht einmal das Mark, welches nach Schacht und Schieiden vorhanden ist, nach Andern fehlt. Ohne darüber Gewifsheit zu haben, werden wir mit der Reproductionsfrage nicht in's Reine kommen: gerade das Mark, samrat den davon ausgehenden Mark- strahlen, spielen bei Reproductionen eine wichtige Rolle. Die Erledigung dieser Frage wird aber wohl immer nur eine wissenschaftliche Bedeutung haben: praktisch werden wir die Reproductionsfrage nur ausbeuten, wenn w'ir Pfeil's Physiologie folgen, und z. B. bei Verjüngung der Hnyn- hiiche (1. 1. p. 223) nach der betreffenden Localität sehen (frisch und tiefgründig oder trocken und flach), wobei es, meines Ei- achtens (s. Haipihuche), sogar gleichgiltig sein würde, ob wir den Ausschlag Wurzelbrut oder Senkerausschlag nennen. Es kommt hier also an: 1) auf die Indication, 2) auf die Behandlung. Letztere entscheidet schliefslich, und auf diese kann man nicht genug Aufmerksamkeit verwenden. Bekanntlich handelt es sich um Hoch- und Tiefhieb. Letzterer möchte wohl, mit sehr wenigen Ausnahmen (Schwarzerle), zur Regel zu erheben sein. Die Sache kam noch kürzlich wieder im schlesischen Eorstvereine zur Sprache ( Verhandlunr/en v. J. ISSH, p. 2äJ. v. Ernst hatte hier sehr hübsch über den Tiefhiel> bei Eiche gesprochen und über den reichlich folgenden Ausschlag am Wurzelknoten. Hartig fügte hier seine interessanten Erfahrungen ülier Wurzel- A usschläge (sie!) in llackwäldern der Eiche hinzu. Was er dann aber über Empfiiulliclikeit dei Buche gegen Tiefhieb sagt, begründet er nicht: das (auf p. 29) steht ja damit gar nicht in Verbindung, v. Aurich bemerkte dazu, dafs der Ausschlag der Buche im Gebirge besonders vom Gestein abhänge (kräftiger oder magerer), und das glaube ich auch — möchte den Satz mit Pfeil auch auf kräftigureu oder magerern Boden der Ebene anwenden. In zweifelhaften Fällen mufste der llolzzücliter sich mehr zur Skepsis wend;n, d. h. wenn bei Linde auch reichliche Wurzelbrut verheifseu wird (Burck- hardt, Pfeil), gute Beobachter (Hartig) sie alier leugnen, immer lieber säen als pflanzen! jj. 2 Hescureibi NG DES Af.cssebn bei den Laibiiolzern. 89 mälsigc und übercinstimmciidf I5i/nriiimiijir der letzten Verzweigungen (Enden) der Wurzel. ^Faser- wurzel* sagt man dafür am häufigsten, auch Wurzelfasern oder Zasern, dasselbe was, physioln- «risch ausoredrüekt, Sauijr wurzeln sind. So nennt sie Pfeil und macht daini noch einen Unterschied der ^theilweis oben aufliegenden"' (Thauwurzeln in deutsche Waldbäumc p. 60), um den Schaden, den tuivorsichtigts Strenreehcn anrichten kann, auszudrücken. Sie enden an ihrer Spitze rundlich ui:d bedecken das ganze Innere — Wurzelhaube (Schacht)*). Auf sie kommt so viel an, weil ^^il■ in analoger Weise, wie die Blätter am Stamme, die Ernähnuig der Wurzel besorgen helfen, daher auch vom Forstmanne und Ciärtuer beim Beschneiden möglichst geschont werden, ohne dals man das Mini- mum der zu conservirenden, ebenso wenig wie das der zu lassenden Blätter immer genau anzugeben im Stande wäre (vergl. I. 33, wo wichtige physiologische Bemerkungen). Noch viel weniger läl'st sich eine Norm für die Pfahlwurzel angeben, da sie; in vielen Fällen, wo man sie erwartet, auch fehlt, ofl gewifs in Folge eines beim Verpflanzen unangebrachten Schnittes (s. Eiche). Ebenso ist es mit den Wurzelzweigen. Im Ganzen bietet der Unterstock also viel weniger Kegelmäl'sige s, als der Stamm mit der Krone. Wenn letztere schon schwer zu be- schreiben ist: so wird es bei den Wurzeln einer und derselben Holzart fast unmöglich, sichere Anhalts- punkte zu "-ewinnen, denn die forstlichen Angaben von Massengehalt des Stockholzes, schwieriger oder leichter Kodinig desselben, lassen sich nicht in's Botanische übersetzen, über welches manchmal bei Einer Holzart die entgegengesetztesten Angaben zu finden sind (s. Ahorn). Die Gründe der Verschie- denartigkeit sind mannigfaltig und gewifs complicirt, sowohl bei den natu rw üc h sigen , verschiedeni'm Boden angelKirigcn Bäumen, wie ganz besonders bei gepflanzten, dann wieder bei jungen und allen. Ilartig zieht dies auch in Ueberleguug und untersucht „das Fil- dungen zu sprechen. Die Ivichtung, welche die Wurzel in den ersten Jahren (im Walde) hat, ist gewifs auch in der Folge wichtig. Nur zwei Hölzer. Eiche und Buche, schicken ihre Pfahlwurzel gerade in den Boden, wenn nicht etwa durch verkehrt nach S.). Gering ist das Wiirzelmark, wenn es da ist, gewifs, also wohl ohne physiologische Bedeutung. Mehr hat es bei Mouocotyledouen zu sagen, und bei diesen zeichnet es Schacht (Entunckelung d. Wurzil Fig. l'J) sehr augenfällig und stark vergr.üfsert. Hartig hat noch eine eigenthümliche Ansicht von der Verjüngung der Wurzel, welche alleriliugs wegen der Wurzel- brut problematisch ist. Diese entsteht, nach ihm, aus Wurzelbrutknospen (markhaltig!) und ist untermischt mitWurzel- knospen (marklos!). Erstere sollen von Hause aus Triebbau haben, letztere aber durch M ar kstrah I Umbildung entstehen (Lehrh. I. ISS. 29S), wie es eigentlich schon Ad. v. .Inssieu (Fermond, Phytoyeiiie p. Jy-'l) vortrug. Ich hege noch Zweifel deshalb und möchte mich lieber zur Auffassung von Schacht, welcher in Untersuchung von Wurzelbildnng sehr geübt war, bekennen. Er sagt (FlonO: .Die erste Anlage einer Wurzelkuospe innerhalb der Kinde läl'st sich von der ersten .inlage einer Stammknospe nicht wohl unterscheiden; beide entstehen am Verdickungsringe, bald aber diH'erenzireu sich ihre Gewebe. Die Wurzelknospe erhält die .\nlage zur Wurzelhaube, die Stammknospe bildet dagegen unter ihrem Vegetationspuukt Blattanlagen." Von Mark und Markstrahlen sagt er hier also nichts. Aehnliches im ,£<(»;«" /). m. J'ermoiid (Plii/tuffi'nie p. 173) scheint eine ähnliche Ansicht von Wurzelbildung aus einem ,petit amas de tissu cellulaire", also aus einem „W urzel-Phytogene " zu haben nml weist ihnen bei Stecklingen einen Platz in einer sich bildenden Lenticellen-Spalte an. Was Uartig (188) von „wenigen Holzarten, die Triebknospen an Wurzeln bilden können", sagt, widerspricht der Wirklichkeit und stützt seine Theorie keinesweges. Ich glaube, dafs alle Laubhölzer, wenn viele auch nur ausuahinsweise, solche bilden können, berufe mich auch auf Kräuter, wo zuweilen Wurzelbrut unerwartet erscheint (vergl. p. S7). §. 2. Beschreibl.ng des Aelssern bei den Laibiiulzern. 91 Astreiser." Demi wenn sie schon Perlen sind, also äul'serlicli sichtbar werden, so können sie nicht mehr Wurzeln werden. Allerdings kommen Wurzeln dicht neben Trieben hervor (s. Taf. 49, Fig. 3), dann waren sie aber schon in und unter der Rinde Wurzelknospen. Dritte Behandlung: Stamm und Krone oder Wipfel. Sie ist zu sehr versuhiedeneu Zwecken ausgeführt, bei Botanikern, wie bei Gärtnern und bei Laien. Die Versuche, Gemüthsstimmungen, welche durch den Baumcharakter hervorgerufen werden, malerische Effecte und dergl. auszudrücken, wurden schon kurz auf p. 8-i berührt. Die Eindrücke, ernst und heiter, begeisternd oder gleichgiltig, hängen ja doch von der Bildung, Empfänglichkeit etc. des Empfindenden ab (s. p. 85). Auch gehört dazu Phantasie, im Astbau des Bainnes sein Skelet und in der Belaubung Fleisch und Gewand zu finden (Klöbisch p- 4). Um alles Phantastische gleich abzumachen, spreche ich noch von einer Be- nierkung llofsmäfsler's, (Wald p.JSb)^ wonach „die Krunengestalt eines Baumes immer die Blati- gestalt wiedergebe-. Er erklärt dies selber für P^rtindung der Einbildungskraft. Meine Aufgabe wird, da ich später nic-ht jeden Wipfel separat beschreiben kann, nur die sein: einige allgeuieino Gesichtspunkte aufzustellen, nach wek-hen dergleichen Beschreibungen gemacht wer- den müfsten, um wenigstens bei den gewöhnlichsten Laubbäumen einen vollständigen Charakter zu liefern und diesen bei Altweichungen, die durch äul'sere Störungen, wie besonders Frafs und Frost, hervorgebracht sind, zu Grunde zu legen. Bisher war dies die schwächste Seite der Charakteristik und selbst die besten Botaniker üben Willkür und bleiben darin gegen ihre übrige, sonst so weit cultivirte Terminologie *) zurück. Für Kenntnil's der Verzwcigungsf'ehler geschah gar nichts. Auch in den Abbildungen, die als Erläuterungen erschienen, verniifst man, wenn sie dem Laien auch schön malerisch vorkonmien (Klöbischl), den Ausdruck des Wesentlichen. Hier und da ist dieser allerdings, und zwar in ganz kleineu Figuren, gelungen, wie z. B. in den Regioneubildern zu Rudolph 's pflaiizeii(ieof/r. Alias. Aber auch hier soll z. B. Esche, Ahorn. liiister Niemand herauserkennen. Rofs- mälsler s scliöne Kupferstiche geben herrliche Staffage, drücken aber wohl nicht immer den herr- schenden Ty[>us aus, was sicii allerdings in so kleinem Foi'mat, und da auch meist frei stehende Exem- plare zur Darstellung gewidilt wurden, auch kaum erlangen läfst. Dafür hat dieser baumgeübte Schrift- steller eine alliremeine Ciiarakteristik in Worten versucht, welche zu den gelungensten gerechnet wer- den dürfte. Er unterscheidet abgeschlossene und unterbrochene Kronen; die giebt es allerdings, und diese sind vorzüglich in den Rudolph scheu Abl)ildungen hervorgehoben. Auch sind die für die abgeschlossene gewählten speciellcren Ausdrücke kuppclförmig und länglich wohl passend und entsprechen den sonstigen Terminis, wie eiförmig, kuglig, gewölbt ii. s. f. Mit den Stammbeschrei- bungen steht es bei Botanikern im Ganzen nicht besser, und man sieht wohl, dafs auf diesem Wege für die forstliche Dendrologie nichts erzielt werden kann, wenn es auch sehr wünschenswerth wäre, besonders für Leute, denen die subtile Blatt- und Blüthenbeschreibung zu schwer wird, solche von Weitem in die Augen fallenden Merkmale zu haben, und sie wo möglich noch zu begründen, woran es bisher besonders fehlte. In einem Lvhrbitch für Förster (Hartig) dies gerade zu ignoriren. scheint mir nicht passend und z. B. bei den Ahorneu vom Kennzeichen der Rinde, dem einzig sichern und leichten von Weitem, gar nicht zu sprechen, ganz unpraktisch. Die hier vorkommenden Schwierigkeiten sind, wegi-n der noch zum Schiulse anzuführenden Gründe, allerdings grofs und ich konnte mich in meiner Einleitung (Bd. 1. p. 5) noch nicht zu einer umständlichen Behandlung des Gegenstandes eutschliclsen. Ich glaubte damals, es wäre genug, die I i< ji «ill nar, was die schwierigste Piniic, mu W ijiii-i uuer uie l\ loiic Kelrillt. ui' r iiiiif,'e Proben aus den Scliriften der berühiutestiMi l'eudrologen geben. So uenat ilin Ilayiie z. B. bei der .ßiir/ic .ausgebildet", w.'ihreDd Willkomui und Zuccariiii dafür ■ cifrirm ig" , der letztere nocli mit dem Zusätze ,s|>arrig", sagen und Kofsmärsler ihm einen .buch- tigen Umrifs" giebt. Jlit der Kinde steht es nicht besser. Im glatt und nicht glatt dreht birh zwar hier Alles, nud mit Recht; aber darin treten schon verwirrende Verschiedenheiten ein, dafs einmal Rinde, ein anderes Mal Horke (Tafel- borke!), dafs ferner z. B. feinrissig bei Esche wie bei .Spiiza/ioru gesagt wird ' WllU ..in m';. .ibglcich alte F~<-h,nrii„l, <,n tiefrissig ist, wie Eicht. 92 ZwF.iTi; AiiTiiKii.i Nu. DiF i.AUanüLZFti. W ich t iirkf' it J<^^ Wipfels zu l)i'riirk.siihti^en. uml wählte auch in dieser Beziehung möglichst kurze und Ijezeiciinende Ausdrücke, wie undurchsichtig, durchschimmernd, durchs eiiei nend, durchsichtig, nach mineralogischer Terminologie. Ich sehe jetzt aber, da ich zu den vielgestaltigen Laubhölzern komme, dals ich über jenes Minimum hinausgehen und für die Charakteristik der Species etwas thun mufs, vielleicht auch für Botaniker hier noch einige nützliche Winke geben kann. Ich beginne mit der Rinde, weil diese die sichersten Kennzeichen gewährt und da sofort ent- scheidet, wo man mit dem Bau des Wipfels, zumal wenn er sich auf schlankem Stamme in geschlos- senen Beständen 80 — 100' über Einem wölbt, nicht gleich ins Reine kommt. Ein Hauptunterschied besteht sicher im Glatten (Buche, Haijnlniche^ Birke) und nicht Glatten, und nur selten variirt das (s. aspen- und birkenrindige Buche). Wenn die Rinde (also auch die Borke!) nicht glatt ist, d. h. auf- gesprungen, wie gewöhnlieh, so gehen die tieferen oder flacheren Sprünge entweder nach der Länge (läno-srissig). oder auch so markirt nach der Quere, dals sie schup penförmige oder tafelförmige muschlio-e Scheiben, wie heim Bergahorn bilden. Ti ef rissig würde ich nun bei EicAe, Esche, Kork- rusler. Spitzahorn und einigen Pappeln sagen, flachrissig dagegen bei Weiden-, Feld- und, Flatter- rüster, auch Linde. Schuppig oder muschlig-längsr issig finde ich sie bei Erle und selbst bei Aspe (yrobschuppig, mit gegliederten Leisten b. Musholder u. s. f.). Rindenfaltung und Querfalten sind Ausdrücke, welche Sc ha e ht {Baum p. 222) noch Ijei Beschreibung der Rinde eingeführt hat. Rindenfaltung entsteht, wenn um einen Astabgang herum sich Runzeln bilden — durch Fortwachsen und Verschiebung des Periderm — und besonders oberhalb desselben ein Bogen oder Dreieck entsteht — stumpf- oder spitzwinklig (?) — : ich bemerke dazu, dafs diese Falten mit den Jahren stärker werden und z. B. bei Birken, wo sie auf der weifsen Rinde schwarz erscheinen, von Weitem wie ein Knebelbart am Stamme ab- und auswärts gehen. Sie finden sich aber keinesweges blol's bei den Lederkork-Hölzern, bei welchen sie aber bald rissig-borkig werden. — Querfalteu sind dann die feinen Runzeln, welche da entstehen, wo eine Knospe sich geöffnet und die Spuren der Deckschuiipen, die nun in die Breite wuchsen, hinterlassen hat — Schuppenansätze s. /. / . (f. Die Neigung zur Rindeufaltung am auffallendsten bei Tanne, besonders Schälstänmie (s. dort). Ich konune zum Wi[ifel und gehe, dem von mir erwähnten Princip gcmäl's, von Knospe u, Triilieu und Blättern aus. die ich nach ihren allgemeinsten Beziehungen bereits im ersten Bande o-eschildert habe, und nachher auch vom Bau ganzer Zweige. Hinsichtlich der Trie be bringe ich hier eine kleine Abänderung. Sie müssen nemlich unter die beiden Kategorien Dauer- und Pauseutriebe gestellt werden. Die pausirenden (I. p. lö) sind es, die als Voll- und Halbtriebe auftreten. Auch zu den Kurz- und Langtrieben (I. p. 14) mache ich hier noch kleine Zusätze. Die Kurz- triebe bei den Laubhölzern so wichtig, weil man sie beim Zählen der Jahresabsätze mit berücksichtigen mufs und sie, wegen Schwäche und Kürze, leicht übersehen werden (z. B. Taf. 4:r', Fig. L.\ Für die Knospen und Blätter nehme ich in Anspruch: 1) ^'ereinzelung, oder, wie ausnahmsweise bei £«cAe, eine Anhäufung, wodurch ein „schwerer Kopf", gewissermafsen „Knotenpunkte" (s. I. 105) ent- stehen, 2) Stellung- der Knospen, ob gegenständig oder zerst reut , ist allgemein bekannt. Weni- ger geachtet hat man auf die durch Zerstreuung hervorgerufene Mannigfaltigkeit. Ob cyclur oder cyclarchus (I. 8) ist dabei gleichgültig, und wichtig nur die Form der jüngeren (4 — 8jährigen) Zweio^e, welche aus dem Wipfelumrifs hervorragen, namentlicli Fäc h er- dder F cde rbuschform, die letztere zuweilen durch die von der Fläche des Fächers abweichenden Kurztriebe erzeugt (Birke), oder durch Allseitswendung der Blätter (Erle). 3) Näherung und Entfernung hat auch einen Einfluls, d. h. ob die seitwärts am Zweige stehenden Kurz- und Langtriebe einander genähert sind oder Zwi- schenräume lassen (Roth- und Weifsbuche) *). „Bäume mit entfernten Blättern ersetzen diese Aniuith durch Gröfse" (Wigand 63). •) l'nter den von K olsm äl's 1er für ilie .Triebstellao!!" gelirauchten Ausiliückoii i IWi/J 224) tirule ich aiui; .las Fächerförmiüe. ."Sicher bezieht er dies auf liur.y, ol'irleich bei dieser Ip. 370) nieliis (hivoii steht. Aiith iWe Lutih- i>t hier 1:;. 2. |{i;.scnnKiBiNu ni-s Aelsseh.n i.i;. ihn l,\i'i!ni')i,zF.riN. 93 Ferner hetraclite icli als bestiinineiid iiocli die Aeste iiiil Z\vfir Niemand erklärt dies. Das Gehäufte erklärt sich leicht ans der uugewöhuliclieu Menge, besonders an der Spitze. Will man daraus das Knickige erklären, so nuil's man. meines Erachtens, an die bei Eiche gerade häufige Entstehung von Johaimistrieben. namentlich E rsatzt ri etxMi denken, denn diese machen oft normale Verlängerung in gerader Linie unuiöglirli. wie man an jedem Strauche schon sieht, aber besonders an den so oft unter Frost fehlerhaft verzweigten Stämmen bemerkt. Sollte man, wie es Pfeil schon anzunehmen scheint {liril. Bl. 2i. J. p. JOOj, nicht zur Erklärung der oft so verschiedeuartigiii \'er- zweigung auch die Absprung«' herix'iziehen. da diese gerade bei Eichen so häufig sind und manch- mal Jahr für .fahr eintreten'). Erklärung des Knickigeu s. noch bei Berijtihnrn. gemeint, denn (p. ."lö',») bfi ilir ist von .Haclier, .scliirnilörmiiier iler .\estc" liiu Uedf. .Seine li üsc licli pe nnd -pit/. kegel- förmige Stellnn-j verstand ioli niclit ;echt zu denten. oli^leicb aus den Beispielen von Buchf und Uüsitr l.ervor^ieht, ilals er hier Kegelform anbringl ,mit he raiistretenden .Spitzen " , also mein eingeschnittene r rrorifs. Dar.'ilelinngeii der Fran- zosen, wie z. B. bei Kermond (Phi/lugdme p. Tt f.), sind rein botanisch. *) Sie -.ind schon ansffdirlioh lichandelt in IJd. I. und kommen bei der li'n-Ut wieder vor. Der Terminus techuicus steht fest und kein Korsimann wird ihn mit Abfällen der Kiefern \erwei:liselii, wie es in der h-iinn. Zeituiiy, .1. lUd.'i. .\u. .'H, 94 Zweite Abtheilunu. Die Laubhölzer. Ik'i der Biiclie verfolgen viele Zweige eine Zickzacklinie und das erkläre ich mir aus der Anlage, die schon beim jährigen Triebe sich zeigt. Meine Gegensätze von Compactem und Ein- geschnittenem würde ich noch an Bäumen, die oft beisammen stehen, veranschaulichen: Erlen und dann Weiden (besonders Baum weiden von alba und f'rafiiiis) und Birken, diese beiden noch locker, wegen der langen, dünnen, kleinblättrigen Trielie. Im Garten kann man das Comiiactere am Apfel, das Eingeschnittene an Birnen sehen. Von Ahorn und Esche spreche ich hier am wenigsten, da sie durch Gegenblätter und Gegenknospen sich vor allen auszeichnen und das Opponirte auch an alten Stämmen, obgleich es sich hier etwas verwischt, immer noch zu erkennen ist (s. §§. Verzweigungsfehler und Verbeifseu). Unterehiander imterscheiden sich die Wipfel dann wieder durch Form inid Menge der Blätter, sowie durch ihre Be- schränkung auf die Sjiitzen der Zweige oder Vertheilung bis in"s Innere. Wenn die hier gebrauchten Ausdrücke nicht recht passen, so wird es wohl daran liegen, dafs man sie an frei erzogenen oder wohl gar durch Schnitt verunstalteten Bäumen vergleicht, etwa au solelien, wie sie meist zu Illustrationen (z. B. von Rudolph) benutzt werden. Wo bleibt da die leichte, wie ein Wölkchen auf dem langen Schafte schwinnnende Krone der Buche?! Wie soll mau an einem aus 3 — 4 übereinander gelagerten Etagen zusammengesetzten Baume eine Linde erkennen? wie nun o-ar aus einer compacten Laubmasse ohne äufserlich sichtbare Zweigspuren den Bergahorn ansprechen?? Von Eichen und Birken, allenfalls auch Kopfireiden, geräth jede Zeichnung. Von den Keimlingen spreche ich zuletzt noch besonders. Das Studium derselben hat nicht blol's bei den Nadelhölzern seine Schwierigkeit: auch manche Laubhölzer, wie Birken, Erlen, Riislern, kann man, da sie sehr kleine Keimhldtlchen haben, in der ersten Jugend verwechseln. Hartig's Taf 113, 114, welche eine hübsche praktische Zusammenstellung liefern, sind dennoch nicht ohne Feh- ler der Bestiuunnng — Guimiiel's, des Kupferstechers, Schuld. An den grofsblättrigen Keim- lincren, wie Buche, Esche, Ahorn, Linde, kann der Forstmann, wenn auch nicht so groi'sartig wie bei Exoten (besonders iiederblättrigen) , hübsche morphologisch - physiologische Studien machen, insofern 1) die ersten und zweiten Blätter in der Form den künftigen ähnlich oder unähnlich sind, 2) auch noch die zweiten (plumula) in der o])ponirten Stellung abweichen bei Buche, Haynbuche, Linde (Wigand 80). Sehr hübsch parallelisirt Wigand {Baum öO) die Kno spenkeimblättchen mit den Cotyledonen, insofern sie als die untersten Knospenschuppen der Seitenaxen opponirt sind, selbst in Fällen der spiraligen Anordnung der späteren Blätter (s. die Halbtriebe der Buche Taf. 43, Fig. 4), oder insofern sie Cotyledonen-Form zeigen, wie bei Esche. Das Hypogeische von Eiche, Kastanie, Roßkastanie und Hasel kommt bei Nadelhölzern nicht vor. §. o. Anatomie, Physiol(.)gie, Patlioloii'ie, Technoloitie. Diese vier verwandti'u Disciplinen müssen auch bei den Lauljhölzern eine allgemeine Behand- lung erfahren. Im ersten Bande (Einleit. §. 6 — 8) nahmen sie, Laub- und Nadelholz berücksichtigend. in einem seltenen Grade von Unwissenheit nml Oberflüchlichkeit geschieht. Hier will ich mich ihirauf hinweisen, dafs ich Ab- sprünge unter den heimischen Lauliliöl/ern nnr bei Kirim und Puppd habe finden können. Letztere ist insüfcrn besonders interessirt, als der aus der Pfanne sich lösende Kopf eine enorme Anschwellung xeigt. I.)a diese aucli bei abgelösten Eichenzweigen vor- handen ist, so mnfs man hier ein Stagniren des Saftes, welches Ursache des Sprunges sein könnte, annehmen. Weitere phy- siologische Erscheinungen fehlen, wie auch die neueste dem Gegenstände gewidmete Abhandlung von Rose (die Abs])rünge der Bäume in botan. Zeil. 1865. Nu. li) annimmt. Ich werde, da sich das Meiste aus diesem Aufsatze auf Anatomie und Morpho- logie bezieht, hier uicht weiter darauf eingehen dürfen. Verfasser tadelt alle seine "Vorgänger, mag aber das „perfectum est" .. . selbst beherzigen, denn er selbst weii's nicht, dafs es aul'ser den von ihm gekannten „Abbissen" der Fich/c auch wirklic he al)gegliederte .Alisprüuge" giebt (s. tili I. Tnf. 2H, Fig. 3). Und das ist doch für uns, sammt den wichtigen Conse- quenzen, das allein Beachtenswerthe. Die den Forstmännern in diesem Aufsatze zugemuthete Oberflächlichkeit müssen wir dem Herrn Autor zurückgeben. §. 3. Anatomie, I'iiv--i(ii.iii,ii:, P.vTiifii ogik. TEcnNOLor.iE. 95 einen nocli allgoincineron Standpunkt oin: ich vcrsuciitf dort die Katejforion jeder dendroiogi- schen Untersuchung festzustellen und zui,dni(h die so ülx-raus wielitige Methode anzugehen und zu hegriindcn. nach welcher der Forstmann jene Unteisuchung vorzunehmen und den Umfang der- selben zu bestimmen hätte. Ich hob dabei hervor, dal's der Ilolzkörjier von grölster Wichtigkeit*) sei, indem sich in ihm alle IvebensvorEränge am deutlichsten al)spie. //J .Yo/lzern typisch (wie wir schon bei den Nadelhölzern sahen), entsteht aber auch erst mit vorschreitendem Alter — durch Metamorphose könnte man auch hier einfach sagen. Aber auch trockene und frische Rinden machen darin einigen LT^nterschied, wie Karsten an China- Rinden, die er an Ort und Stelle (N eu-Granada) untersuchte, darthat (Gesamtn. Beiträge p. 288). Grofs kann der Unterschied aber, wenn man das Eintrocknen abrechnet, ebenso wenig sein, wie die Verschiedenheit einer frisch gepflückten luid einer Herbarium-Pflanze. In manchen Gattungen scheinen die Unterschiede ständiger (C/it«a-Rinde?), in andern unbeständiger {Eiche). Boden und Klima ver- ändern mehr (wieder besonders von Karsten au China nachgewiesen). Es dreht sich hier Alles um das Werden und das Gewordene. In ganzer Ausführlichkeit kann ich dies hier nicht vortragen — das glückliche Zeitalter der Erledigung vieler Fragen dürfte überhaupt auch für den Anatomen noch nicht gekommen sein. Die schwierigsten Punkte mul's ich hier mit kurzen Worten übergehen, nämlich Vorkommen und Bildung von den sogenannten Krystall-, Faser-, Harz- etc. Zellen, weil sie, wenn sie ein Fachmann zu untersuchen verpflichtet ist, dies immer nur der Arzt oder Phar- mazeut sein wird, von welchen die Physiologen dann auch lernen und namentlich von dem Inhalte Genaueres erfahren. Allerdings wird davon auch der Forstmann Anwendung machen können, aber bis jetzt nur wenig erkannte und nur mit groi'sen Zeitopfern zu erlangende. Wichtig bleibt, meiner Mei- nung nach, neben der Untersuchung der Bastzellen ihrer Bündel und Schichten, die der ziemlich all- gemein genannten Stein- oder Knorpelzellen, deren ich schon bei der Tanne sammt den Armzellen (s. p. 8) erwähnen mufste, denn sie sieht man in der Rinde oft sclion mit blofsen Augen und sie haben, da sie so grofs und oft stark gehäuft sind, gewifs eine hohe Bedeutung, wie der Name Steinze llen- ■tinde" (s. später), und der Ausdruck „Steinzellenparenchym " von Sanio, der es nur selten Vermifste, anzeigte (s. Eiche §. 3 Schlufsnote). Ich brauche nur auf die weifsen Punkte, mit denen EicAewrinde wie mit Sandkörnern gepflastert ist, hinzuweisen, um einem Jeden sofort die Anschauung zu verschaflen. Wigand hat manche Regelmäfsigkeit dabei beobachtet, die der Ungeübte nicht sofort bemerkt, luid deshalb erlaube ich mir seinen Schnitt bei Eiche im Holzschnitt zu geben. Bei den Steinzellen ist auch das Werden vielfach zur Sprache gekommen. ÜAri'ig (Jahresber. iö") scheint sie für metamorphosirte Bastzellen zu halten — wenn sein Ausdruck „pachyderme Zellen" hierhergehört. Phöbus (Deinndre-Boiichard. p. 26), wi^lcher durc^h Behandlung mit Reagentien besondere Aufschlüsse erlangte, möchte sie auch wohl in die Kategorie der metamorphischen Zellen bringen. Diese Ansicht bekommt ja bei Phöbus (p. 28) einen noch viel mehr erweiterten Horizont, indem er noch andere mit besonderen Namen belegte Elementarorgane, vor deren Verwechselung mit Bastfasern z.B. V.Berg ausdrücklich warnt, dennoch nur für „verkümmerte Bastfasern" (Hemmungsbildun- gen) erklärt und sie dadurch in die Moustrositätenlehre der ganzen organischen Natur geistreich ein- ordnet. Eine andere Richtung von Ansichten vertritt Schacht und zum Theile Hanstein („knorpel- » § 3. Anatomie, Physiologie, Patiioi.(h;ie, Technologie. 99 hafte Zellen" oder ^verholztes 1* a rr nc li s iii " identisch? p. 41. 48). Schacht (Baum p. 217), der aber auch noch eine andere Ansicht von un voll kommen er Bastbildiing — wiewohl wieder bei angeblich andern Organen — hat (Phöbus p. 28), schiebt Alles auf Dehnung der alljährlich vergröl'serten Rinde und auf die Nothwendigkeit von ^Z wischenschiebung" neuer verholzter Zellen zwischen die nun in kleinere Gruppen zersprengten Bastzelleu. Eine Dehnung tritt natürlich ein, auch Neubildungen von Zellen: warum sollten diese aber so ganz und gar anders als die übrigen neu gebildeten (mehr parenchymatischen) Zellen sein? Warum ständen so oft die Knorpelzellen in Reihen? und dann mit nocli unveränderten Bastzellen untermischt':' (vergl. z. B. die Wigand'sche Zeichnuiif bei Eiche). Ich mul's mich mit dieser Darstellung begnügen und darf nicht über den mir vorgeschriebenen Raum hinausgehen. Andere wichtige Schriftsteller, die den Gegenstand bearbeiteten, theils unter den Anatomen, wie Karsten, v. Mohl, Schieiden u. A., theils unter den Ph.irmakognosten (besjirochcn bei China von Phöbus), nnilste ich übergehen, da ihre Arbeiten älter oder monograpiiisch sind und von den hier angeführten Autoren in den Hauptsachen benutzt wurden. Audi bei meinen Abbildungen habe ich mich auf einige Darstellungen, nur contourirt, beschränken nnisseu, meist von jungen Zweigen, die bei Frais und Frost (Taf. 4:3», Fig. V., A'.) die Hauptrollen spielen, hergenommen. Hier sich mit indivi- duellen Verschiedenheiten zu beschäftigen, ist ganz unmöglich, das sieht man schon, wenn man zwei Schriftsteller, wie Wigand und Berg, vergleicht, welche ganz gleiche Rinden in ganz gleichem Alter abbilden — und wie verschieden! Wichtig wäre es allerdings, wenn ein guter Anatom auf einem Blatte die Verschiedenheiten des Bastes aus alten und jungen Bäumen, Stamm, Zweig etc., darstellte. In vielen Fällen würde man den Bast gleichsam als phlöotomischen Horizont ansehen, d. h. ihn als Zone betrachten können, durcii welche innerste und äul'serste Rinde zu unterscheiden wären*). Auch in dieser Bezieiiung mögen Specialia folgen. Die innerste wäre mm Burgsdorfs Safthaut, also das Canibium mit einbegrift'en. Die Trennung desselben in mehrere Schichten würde dem Forstmanne sehr schwer werden, wie z. B. die Trennung einer unmittelbar die Bastbündel begrenzenden, welche Hartig „Zwisclienzellge webe'' neiuit. Das C'ambium und Zwischenzeligewebe enthalten allerdings einige im Baue verschiedene Elementarorgane, indessen wissen wii nur von den Functionen des Cam- binms etwas (Bd. I. p. 19). Haustein und Schacht lassen auch, wo sie es abbilden oder beschrei- ben, das Cambium dicht an die innersten Bastbündel treten **). •) Es werden iilso im (irundc drei Ilauptzoiicn der Rinde sich ergeben und daraus auch leicht die Eingangs erwähn- ten und hei Eiche dargestellten vier — womit dort auch Sanio in der Schlufsnote zu vergleichen — entstehen, je nachdem man die Grenzen durch diese oder jene untergeordnete Schicht liestimmt. Treviranus (1. I. p. 137 f.) hat äufsere Rindenlage, mittelste Rindenlage oder Bast, und innere Rindenlage (auf Mirbel's Deutung des Duhamel' sehen Cambiums sich beziehend). Nach Borckhausen: Oberhaut, Rinde, Bast, llercklin unterscheidet: 1) Uindenhaut, 2) Grünrinde und 3) Bastlagen (oder statt ihrer Knorpelzellen), untermischt mit Parenchym- und Gitterzellen (llartig's Siebröhren), s. Taf. 49, Fig. 8. Damit stimmt Willkomm (I, 20). Wigand (Pharmakngu. Ho) nennt nur zwei Hauptschichten: 1) zellige Rindenschicht (fast wie Duhamel), 2) Bastschicht; er bekommt aber drei, indem er nachher von der ersten noch Epidermis oder deren Stellvertreter Kork unterscheidet. Fast ganz übereinstimmend, nur mit andern Worten, nach v. Mohl: Bastschicht, zelligc Uülle (d. h. Grünschiebt) und di-; dermatische Hülle (Epidermis uud Periderma). Dieser Moblschen Auffassung schliefst sicbfal'ste vergleichende Xylofornie geben und eine Motivirung. Aideitung etc. voranschicken. Ich habe auch in Beziehung auf das Holz, und am meisten bei diesem, von einem „nöthigen Quantum" gesprochen und beziehe dies auf die elementare Unterscheidiuig von Gefäfsen, Holzzellen und Markstrahlen, nur in seltnen Fällen noch das Holzparenchym berücksichtigend. Die Sache wird dadurch ja doch schon etwas complicirtcr, als eine (nur Holzzellen und Mar kstrahleu berücksichtigende) Nadelholz-Beschreibung. Von jenen 102 Zweite Abtbeilung. Die Lai:bhölzer. Ausdrücken, die selbst noch von Fachanatomen gebraucht werden (I. p. 19), abzugehen, ist gar kein Grund. Man mul's sich daher wundern, dal's Rofsmann in seinem „den Forstleuten und Technikern" gewidmeten Büchelchen eine ganz andere terminologische Bahn betritt und den praktischen Wcrth seiner Schrift dadurch sehr verkümmert. Wer soll z. B. aus seinen Abbildungen wohl das Libri- form, die Tracheiden und dergl. mit Sicherheit auffinden und in einem Werkholze nachweisen?! Die Art und Weise (vergleichend und entwickelnd), wie Sanio den Holzkörper behandelt (bot. Zeit. 1S63, No. 47 f.), würde, zumal sie auch Ausländer und Kräuter berücksichtigt, wissenschaftlich ver- ständlich, aber für den praktischen Forstmann und überhaupt für Ungeübte unzugänglich sein. Von Farbe, Schwere, Härte spreche ich hier nicht, da sie als physikalische Merkmale vom Praktiker, auch ohne Anatomie, richtig und leicht gewürdigt werden. Wohl aber mufs ich der Structur, d. h. ganzen Gewebsschichten, noch eine allgemeine anatomische Betrachtung widmen. Solche Schich- ten treten in den Jahrringen in so grol'ser Verschiedenheit auf, dal's man selljst für die Schätzung von Varietäten sich vorher in ganz normalen Jahrringen üben mufs, geschweige denn für kranke Ringe. Ich werde gleich nachher am Holze von Ringelstämmen zeigen, wie wenig oder gar nicht, selbst den Anatomen, kranke Jahrringe bekannt sind. Das Auffälligste ist dabei immer das Zusammentlicfseu mehrerer Jahrringe, theils durch zu starke Annäherung der Porenschichten, zwischen welchen man bei gehöriger Aufmerksamkeit immer noch eine Grenze von Breitfaseru findet, theils durch das schon vorher angedeutete Ausbleiben der Grenze (Taf. 45, Fig. 1"). In solchen Fällen ist das Zählen der Ringe manchmal unmöglich, meist aber doch bei angestrengter Aufmerksamkeit*), wie z. B. durch *) Ich mul's hier eiaen Augenblick bei vor weltlichen Hulzern verweilen, weil nur in Bezug auf sie rlie Ringfrage, die von den Anatomen bisher so stiefmütterlich behandelt wurde, und die ich schon Bd. I. p. 2!) berührte, zur Sprache kommt. Dort war hauptsächlich von tropischer Verdoppelung die Rede, jetzt vom Verschmelzen. Unger (botan. Zeit. J. 1847^ p. 272) giebt ein Resume der in seinen paläontologischen Schriften gesammelten Erfahrungen kurz in folgenden Worten: „In den ersten Perioden der Pflanzenbildung besteht (wegen fehlender Holzringe) noch kein Wechsel der klimatischen Einflüsse, nicht einmal ein solcher, wie er in unseru Tropeugegendcn stattfindet. Erst viel später (Kcupcr und Lins), und zwar ganz unmerk- lich, trat er ein und stellte sich endlich (Tertiär-Periode) in der Art fest, wie er noch jetzt erscheint." Ich würde demnach dreierlei Verschmelzungsursachen annehmen: 1) normale klimatische, 2) abnorme klimatische („wie ein milder Winter die jährliche Zone fast verschwinden machen kann". De Cand. /. /. /. 154), 3) trophologisch abnorme oder pathologische. Ist es nun wohl zu schwer, alle drei zu parallelisireu?! Nehmen wir dazu noch die Verdoppelung und Vervielfältigung, die freilich recht deutlich erst bei den Nadelhölzern vorkommen (Bd. I. 32): wie mannigfaltig gestaltet sich da schon das den- drologische Tagebuch! Verdoppelung erst am zehntletzten Triebe bemerkbar (s. Bluthuche). Das ist Alles erst spät und langsam so weit gekommen: warum? Weil es ein so schwieriges Kapitel ist und mit blofser Histologie nicht ausgemacht werden kann. Das soll folgendes Ereiguifs beweisen. Göppert hatte bei Untersuchung jetzweltlicher Araucarien und auch des vor« eltliehen Araucnrites, von welchen er kolossale Stämme im K. botanischen Garten aufstellte, ebenso wie von den hochnordischeu fossilen Nadelhölzern (foss. IT. von v. Middendorjfs sihir. Reise), die Jahrringe mit grofser Bestimmtheit angegeben, ja gezählt. Unerhörter Weise bestritt Schacht (Baum 187) die Jahresringe mit der Be- merkung: „eine concentrische Zeichnung ist noch kein Jahresring, wie die Runkelrübe und viele Holzarten mit bandförmig an- geordnetem Holzparenchym beweisen." Göppert (Die versteinten Wälder Böhmens und Sc/ilesiens p. 5) konnte also wohl mit Recht ausrufen: „Ich traute meinen Augen nicht, als ich jene kühne Behauptung las." Die Eingangs erwähnte Stiefmütterlichkeit möchte ich u. A. auch von unserm verdienten, sonst so umsichtigen 11 artig behaupten. Er hat es in der Doppelringfrage bewiesen (Nördlinge r's krit. Bl. Bd. 42. H. 1. p. TS), noch ganz kürzlich wieder, indem er sagt (Verhandlungen des schles. Forstvereins. 1866. p. 19): „Ich glaube auch nicht, dafs Doppelringe in einem Jahrringe ansetzen; dagegen habe ich mich überzeugt, dafs in der Mitte, wo die Bäume sehr unterdrückt sind, ein Aussetzen von Jahresringen stattfindet. In meinen Forsten habe ich bei 28jährigen Pflanzen im Schatten des Mittelwaldes — wie Raben- posen dick — nur 20 Jahrringe herauszählen können. Wenn die Büschel frei stehen, erhalten sich kleine Pflanzen noch leben- dig. Ich habe eine Difl'erenz bei 30jährigen von 10—12 Ringen gefunden. Es findet also ein Aussetzen statt, und das ist besonders bei Taxationen sehr wichtig." Der Vordersatz ist offenbar unrichtig. Nachdem H. Cotta die Doppelringe theoretisch begründet und ich sie wirklich gezeichnet hatte, wäre wohl ein Urtheil von Hartig am Orte gewesen. Sein Nachsatz ist richtig und wichtig, aber erst anno 18661 Im Jahre 1860 hat Hartig noch nichts davon ge- wufst, sonst hätte er nicht Nördlinger so kritisirt {Irii. Bl. 42. 1. p. 78 erste Reihe). Die kurze Notiz im Vereinshefte er- fordert hier noch eine Ergänzung. Wahrscheinlich ist dort von Buchen die Rede, bei welchen ich das stärkste Aussetzen — besser Verschmelzen — von Ringen beobachtete. Bei Nadelhölzern ist es geringer; so zähle ich bei unsern 33jährigen t; 3. Anatomie. Piivsioi.oi;if.. pATiioi,o(.in, Technologie. 103 Absuchen dor ganzen Pcriphcrio des Stammes, niikroskopisclier Anwendiin-^ verscliiedenor Vergröfse- niii'1-cn und besonders diucli Vcrgk-icliung der King/.alilen mit denen der iiniseren Internodien, die ihrerseits aber auch wieder oft Schwierigkeit machen (z. B. Tat". 45% Fig. 4, 5, von Ruche) u. s. f. Hartin- spricht von , Aussetzen" der Jahresringe und ich ändere es in -Verschmelzen" (s. Note). -Aussetzen" erscheint mir ganz unphysiologisch, denn es würde eine Art von .W intersclilaf i m Sommer" begreifen. Dals auch die geringste Thätigkeit im Sommer sich wenigstens durch einige Zellenschichten ankündigt, zeigen die Fälle von verspätetem Treiben, wie bei Kiefer (1. p. 173) und l)ei Eiche (s. Augusttriebe). Wenn der Jahrring also auch nicht immer unterscheidbar ist, so ist er doch vorlianden, wenigstens am Stamme (wegen Zweige s. I. p. 174). Ob chemische Keagentien bei dieser Untersuclumg jemals tiue Rolle spielen werden, ist mir zweifelhaft. Vergleichende Anatomie leistet hier, wie bei den Thieren, Alles! Gehen wir nun zur speciellen Beschreibung. Hetrachtet man die Laubht'ilzer auf dem Querschnitte mit der — niclit genug zu empfehlenden — einfachen Lupe, so wird man bei den meisten, wenn ich mich eines fremdartigen Vergleiches bedienen darf, an die Porphyre erinnert, welche eine ffleiehmäfsicrc, dichte Gruudmasse haben, in welchen Punkte von anderer Beschaffenlieit — beiden Porphyren die Krystalle — eingesprengt sind. Dies scheint H artig (Lehrb. f. Förster I. 287) und Roi'smann bestimmt zu haben, für die herrschenden Elementarorgane die Benennung Grundmasse zu wählen. Was in denselben dann gesondert hervortritt^ eingesprengt, Hart ig — und wenigstens mit der Lupe deutlich unterschieden werden kann, das sind die Gefäfse (Ilolzröhren, Hartig) der Botaniker. Gröfse und Vertheilung derselben bildete die eine Seite der anatomischen und pathologischen Charakteristik (z. B. Taf. 45) und die andere die Markstrahlen. Der Unterschied von „grofsen" und „kleinen", dessen Bd. L erwäiint, tritt bei mehreren Laubhölzern sehr auffallend hervor (grofs- und kleinstrahlige). Auch die Üefinungen der Gelafse sind oft, besonders in der Innenschicht {Innenröhren Hartig, Cttll. J-iö), mit blofsen Augen zu sehen (gro Isp orige ). Wo man sie nicht mit blofsen Augen sieht, da werden sie wenigstens bei schwacher niikroskopisclier Vergrftfserung deutlich und auch dann erscheinen ihre OefFuungen, wie bei den grofsporigen , im Anfange des Frflhlings- holzes am gröl'sten und ihre Reihe am geradesten und regelmäfsigsten. Das ist seiir wichtig, weil es bei schwacher Ringgrenze (Taf. 45, Fig. l«^) den Ausschlag giebt, neben der (breittasrigen) Verdichtung der Holzzellen am Ende des Jahrringes. Mit diesem kleinen anatomischen Apparate würde man schon die wichtigen deutschen Waldbäume an ihrem Holze erkennen und abnorme und normale Verhältnisse abschätzen lernen (s. §. 4). Grofs])orige und grofsstrahlige giebt es nur in einer Gattung: Eiche (s. Taf. 42, Fig. 8). Bei den übrigen grofsixuigen, wie bei Esche (Taf. 47. Fig. '2"), Rüster, sind die Markstraiilen nur eben mit blofsen Augen zu erkennen und stehen sehr dicht: Ixi der ersteren die Poren auf eine schmale Schicht im Frühiingsholze l)eschräiikt, bei Rüster in wellenförmigen feinen I>iiiden, ghwclisam punktirt (Lil)riform;, durch den Jahrring sich wiederholend (Taf. 50, Fig. 1 1, 12). Bei Pßdiimen- und h'irschholz-, alleufalls auch noch bei Bergahorn (Taf. 50, Fig. 14 — 16), ist eine feine Schicht oft'ener Poren nur noch eben mit blol'sen Augen zu erkennen. Die kleinporigen zeigen Oeflnungen nur noch unter der Lupe. Unter ihnen sind grol'sstrahlige: Roth- und Weifsbuche, bei ersterer die Markstrahlen (mit Ausnahme monströser, krum- mer oder zickzackartiger; gerade, bei letzterer stets gekrümmt. Auch Erle, die überdies als Rothholz kennt- lich ist, hat noch Grofsstrahlen, aber seiir vereinzelte und ungleich vertheilte. Am kleinsten, aber nocii hiipi- schen, sind die M.irkstrahlen bei Ahorn und Linde. Beide, wenn sonst noch Zweifel wären, auch sehr leicht Tannen an den iinterdrücktesten, fintrerdicken .Stämmen wenigstens 28 — 30 Kinpe schon mit der Lupe, frsäi-hliche Momente noch sehr nnklar, anceileiitet durch meine Kig. 1", 1h (Tiif. 4.i). Würdige, aber mühsame, und wegen der nöthigen [llu- strationen zeitrauhende Aufgabe für JInnograpbien. Das Zählen für wissenschaftliche Zwecke, dessen ich schon früher (1.31) erwähnte, ist ziemlich sicher, so lange man an der Überfläche des Stammes oder der Zweige bleibt. Um die Sicherheit mei- ner Zählungen zn motiviren, berücksichtigrtc ich auch immer die Verzweigung, durfte es aber nicht immer so illustriren, wie ich es :. B. beim Buchen-Maikäffr, beim Ahorn und bei Nadelhölzern that. 104 Zweite ABtnEiLUNG. Die Laubhölzer. durch die Rinde (s. I. Einl. p.23) zu unterscheiden. Die Markstrahlen so fein und dicht (150—200 pro Linie), dafs man sie auch mit der Lupe nicht ordentlich unterscheidet, bei Bii-ke (Taf. 50, Fig. 4 — 6), Pijrus, Roß- kastatiie, Pappel und Weide. Die beiden letztern mit fast gleichmäfsig durch den ganzen Ring ziehenden Gefäfsporen und nur an der äufsersten Peripherie erkennbarer Breitfaserschicht, gegen welche dann die folcrende vollständige Porenreihe contrastirt. Beide kaum noch mit dem feinsten wissenschaftlichen Apparate untereinander unterscheidbar, die drei ersten ziemlich allgemein wegen Farben bekannt: Kastanie weifs, ßtr/ie fein gesprenkelt, beide weich, ^;j/"e^ und ßi/'w/io/s brauiischichtig, hart. Meyen's Ansicht von „Compression " als Ursache der Markstrahlen-Entstehung, s. Phijlotomie p. SO. Dafür auch die Härte derselben (s. I. und Buche §. 5). III. In meiner weiteren Schilderung wären noch die physiologischen und pathologischen Zwecke zu berücksichtigeuj krankhafte Bildungen, welche zugleich ein Licht auf Anatomie und auf die Physiologie werfen: ich möchte sie \on Buche und Eiche entnehmen, also von zwei von mir verschieden (mit und ohne Beglasung) operirten Hölzern, welche sich hinsichtlich der gleich näher zu besprechen- den Poren ganz verschieden verhalten und die auch wegen der durch Thiere verursachten Hemmung der Vegetation (s. deshalb auch §. 5 und Eiche) am meisten Interesse für die „Waldverderbnifs" haben *). *) Die mit ihnen von mir angestellten Versuche sind die gewöhnlichen Ringeluugen oder Gürtelungen (Nord- liuger) vulgo Zauberringe — nicht zu verwechseln mit den durch Pilze am Boden erzeugten Zauberringen, z. B. in botan. Zeit. 1S51 V. I>antzius-Beninga. Man hat unzählige Male damit experimentirt, oder, was dasselbe ist, Entrindungen in ihren Krankheitsformen beschrieben, theils für gärtnerische (Frucht-) Zwecke, theils für technologische (z. B. Nördli nger Techn. 482 und Pfeil), theils um daran weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu knüpfen. Letztere haben zum Theil sehr verschie- dene Resultate geliefert. Meyen und Dutrochet, eine Bedeutung der Markstrahlen verkennend, hielten die Ausschwitzung des nackten Holzes für blofses Zellge"wehe. Erst Trecul (accroissemcnt p. 270 f.) und Hartig (Cult. nd Taf. 7(9, auch hntan. Zeitung) zeigten die Zuwachs-Natur derselben und ich selber habe einige Data dazu geliefert (■Standortsr/eu: 241). Aber noch Niemand hat vor mir das, was hier Hauptsache ist, anatomisch untersucht, noch Niemand hat die entrindeten Hölzer ober- und unterhalb der Entrindung zergliedert, noch Niemand gefragt: wie gelangt der Saft durch den nackten Ring nach oben? wie können sich Ober- und Unterstamm verschieden verhalten? Nördlinger in seinem schönen Aufsatze der krit. Blätter 4i). 1. p. 112—135. ist der erste, der physio- und technologische Resultate gleichzeitig berücksichtigte und einzelne Jahrringe würdigte. Er beobachtete auch früheres und späteres Absterben (133), Winter- und Sommer-Ringeln, Stockausschlag, Saftzieher u. s. f. Ueber Total-Entrindung von Bäumen vorher noch ein Wort. Früher konnte ich nur dürftige Mittheilungen ülier ein- zelne in der Literatur vorkommende Fälle machen. Jetzt kenne ich aus eigener Anschauung wenigstens einen Fall, der über- haupt sehr interessant ist und auch specicll aiuitomisch mir klarer geworden ist, als irgend eiu früherer. Hr. Bouche, Inspector des K. botanischen Gartens bei Berlin, hat einen aus 3 Sorten zusammengesetzten kostbaren Birnbaum. Die Veredelung des Wildlings wurde dicht über der Erde vorgenommen. Der Stamm wuchs heran und wnrde in einer Höhe von ca. 8' abermals mit dem Pfropfreis von einer andern edlen Sorte versehen — wahrscheinlich weil man an dem ersteren Edelstamme eine ge- wisse Empfindlichkeit der Krone bemerkt hatte und diese durch Aufsetzen der neuen Sorte beseitigen wollte. Es bildete sich ein neuer schöner Wipfel und auch am Stamme vortrugen sich die 3 Sorten so gnt, dafs Absätze, die so oft bei Veredelungen vorkommen, nicht entstanden. Plötzlich trat aber eine Veränderung ein. Im kalten Winter 1863/64 erfi'or der Stamm, so weit die erste Veredelung reichte, also bis ca. 8' Höhe, während unten und oben die Rinde scharf abgeschnitten gesund blieb. Die Rinde starb schon im Frühjahre 1864 und liefs, als man sie abrifs, eine jauchige Flüssigkeit an der Bastseite bemerken. Trotz- dem bildete sich schon im Jahre 1864 und 186.5 eine so vollständige und gleichmäfsig den Stamm überziehende Rinde, dafs der Wipfel fortdauernd freudig grünte. Der Anfang der Reproduction konnte leider nicht genau beobachtet werden; es läfst sich jedoch aus der Dünne der Rinde und der abschülfernden Blätter im Jahre 1866 ersehen, dafs auch hier Periderm die erste Heilung bewirkte (s. Trecul in Liter.). Eine sehr curiose Ringelung kam früher einmal in den Militairgrenz-Forsten des öster- reichischen Staates in dem danach sogenannten „ ßinselwalde" vor. Es sollten hier die werthvollen Tannen erhalten und die verdämmenden Laubhölzer durch Entrindung getödtet werden. Das Ergebnifs der von Soldaten ausgeführten Operation ist nicht genauer bekannt geworden und ich benutze aus den Ueberlieferungen nur ein Factum, das allerdings physiologisch einigen Werth hat und von verschiedener Lebenskraft der Hölzer spricht. Es zeichneten sich dadurch nämlich aus: Linden, Rüstern, Ahorn, hauptsächlich aber die Rothbuche (s. dort). Obgleich 8 — 12" breite Ringe herausgenommen wurden, so haben sich doch selbst an 1.50jährigen Stämmen die Wunden wieder überwallt und geschlossen und das Fortleben möglich gemacht, obgleich in sehr verkümmertem Zustande. Was würde ein Anatom, dem so reiches Material zu Gebote gestanden hätte, da gelernt haben ! ! (S. seilies. Forstver. 1862. p. 120 f.). In uusern Wäldern giebt's gewifs noch Stämme, welche, wenn sie bekannt und sorgfältig untersucht würden, neue physiologische Aufschlüsse gäben. Wir dürfen selbst die aus fremden Wäldern kommenden desfallsigen Nachrichten nicht §. 3. Anatomie, Physiologie, Pathologie, Technologie. lOö Die Esche spielt zwar aiicli eine liolle. iudcbseu sind die bei ilir btiiierkteu Alnveicliun"'eii denen (äcr Eiche sehr äliulich (s. Taf. 47). 1) Bedeutung der Gefäfse. Sie sind es überall, welche hier aus doppelten Gründen iu den Vordergrund treten, einmal wegen ihrer Sichtbarkeit und zweitens wegen ihrer physioloi'ischeu Wichtigkeit, so dal's sie auch dadurch zeigen, dal's man sie auch in der wissenschaftlichen Anatomie am meisten betonen uuils. Kein Physiologe wird leugnen, dai's ihre Bedeutung für das Leben des Baumes und überhaupt aller Gefäl's-Pflanzen von grol'ser Wichtigkeit sei und dal's man die Nachfbrschiin"en in dieser Beziehung immer fortsetzen müsse, denn die Schätzung derselben schwankte in früherer Zeit gar sehr und ist auch jetzt noch nicht fest. Meyen war derjenige, der ihre Saft leit ung ins hellste Licht setzte. Seine Angabe, ,,dafs Wasser in Strömen aus den Siiiraigef'afsen des Holzes hervortrete und sogar von den Jägern zum Trinken benutzt werden könne" (Besuch von Lu^on auf seiner Reise lim die Erde II. ^69), verdient als eine von einem tüchtigen Anatomen herrührende vollen Glauben (vergl. Trecul in PfeiTs /iril. Blatt. Bd. 41. II. 2. p. 223). Neuere Anatomen, wie ■/.. B. Schacht (Baum 2!)) und Hartig, welcher Wurzelsaft und Imprägnat ionsflüssigkeit unterscheidet (Lehrb.' f. Förster I. ■Klff), nehmen die Saftfülirung der Gefäl'se (llartig's Ilolzrökren) nur bedin;i-uuTsweise an. Es dürften denmach immer noch Erfahrungen, welche die Physiologie der Gefäl'se erweitern und übersehen. Im l'arlameuts-Blaubuche „Chiuchona-Plant" (s. Liter.) sind besonders die auf Reproduction der Rinde der C/nua- bäume, welche viel Aehnlichkeit mit der z. B. bei Birke gelieferten hat, bezüglichen Notizen wichtig. Bäume und Zweige, nach dem Entrinden mit JIoos liedcckt (cwemd wil/i moss p. 2), berindeten sich schneller und stärker und gaben dann mehr Alkaloide. L'eber den Zusammenhang derselben mit der Saftcirculatiou z. B. p. 1.54. Eine solche Untersuchung liefere ich hier zum ersten Male und werde, wenn kleine Kehler dabei vorkommea sollten, auf die Nachsicht späterer Experimentatoren, die nun schon durch mich vorbereitet sind, rechnen müssen. Auch wird sich in der Auswahl und Menge der Versuche wohl noch manche Vervollkommnung vornehmen lassen, wenn Jemand, der dieselben wieder aufnimmt, mehr Zeit dazu hat, als mir zu Gebote stand. Leicht sind diese Versuche nicht und müssen mehrere, selbst viele Jahre verfolgt wenlen, wenn man mit allen Modificationen ins Reine kommen will. Ich sah bei meinen Versuchen auf folgende Imstande: 1) Die Stämme wurden im tiefsfen Schatten ausgewählt, damit dem unnatürlichen Trocknen des entblölsten Holzes möglichst vorgebeugt würde. 2) Es wurde, lun die Versuche mit der Nacktholzigkeit des .Mäusefral'ses in fänklang zu bringen, mehr nackte Stämme als beglaste (deren Herstellung überdiels groise Schwierigkeit hat) berücksichtigt, dann aber der beglaste dicht neben dem nackten (Taf. 45) operirt. 3) Es wurde zwischen hohen Ringelu (3— 4' hoch über der Erde) und tiefen (an der Erde) unterschieden. 4) Die nach 1 — 2 Jahren absterbenden Stämme wurden sofort abgeschnitten (Taf. 45, Fig. 2), die länger vegetirenden blieben stehen: die Buche .'»Jahre (ISGl — I8G.')), die y^Vc/ic S Jahre (1858— löG5). Bei beiden licl'sen sich groise Veränderungen nicht mehr erwarten, ja die Binhe. wäre gewil's im Jahre 1SG6 abgestorben (s. vorher Note d. Rinde und ilüiise), da sie nur noch wenige lebende Knospen hatte und der V'erstopfungsring nur noch einen offenen Ring aulsen übrig liefs. Ich mufste, wenn ich mit jenem 5jährigen kostbaren Präparate noch 1 Jahr länger gewartet hätte, befürchten, dafs es gestohlen werden konnte, da Uolzsammler in der Gegend ihr Wesen trieben und sogar schon an den Saftziehcrn geschnitten hatten. Im Spessart sah ich geringelte Buchen, welche im 4. Jahre eingegangen waren (Reisen />. 106). L'nter den schon nach 2 Jahren abgestorbenen erwähne ich des folgenden: Er wurde dicht über der Erde geringelt und trieb sogleich Saftzicher — fast genau s" wie der auf Taf. 44, Fig. 1, abgebildete mäusefräfsige. Am Oberslamm das Holz sehr hart. Der letzte Hing (Todesjahr) äufserst schmal und unferlig wegen der schon im zweiten Sommer sterbenden Belaubung. Der vorletzte (Ringeljahr) hat eine Grofsporenreihe, die nur .', — | der ganzen Hingbreite einnimmt und stark braun markirte Breitfaserschicht. Der dritt- letzte normal, d. h. die Grofsporen durch , der Ringbreite reichend, l'nlerslaum von normaler Weiche: die letzten beiden Ringe normal, nur wenig schwächer. — Wie der Jahrring im Anfange seiner Bildung, wenn diese plötzlich unterbrochen ist, aussieht: das hat Hurtig sehr schön Taf. 70, Fig. 2 dargestellt (JCiche). Vergl. auch Trucul's uhserv. (s. Liter.). Trotz vielfacher und mannigfaltiger Betheiligung der .\utoren an der Kingelung (s. noch besonders bei ifäusen und Taf. 44, 45), haben sich doch nur wenige mit der Ringzahl olicr- und unterhalb, und Niemand mit dem rnterstaminausschlagc und seiner Wirkung beschäftigt: allerdings ist hier auch ein sicheres Zählen nicht leicht. Nur in de t'andolles' Vorlesungen (I. 170) wird von jenen Zahlen gesprochen, aber, da dies nur um Petit-Thouar's Theorie (Bd. L p. 5, 27) zu prüfen ge- schieht, so hat es nur theoretischen Werth. Die Stelle ist nicht einmal recht verständlich. Sicheres ist leider über den Frucht - ring nicht bekannt, wenigstens was die Dauer seiner Wirksamkeit und das Vcrw allen des nackten Ringes betrifft (s. meine Standijrl.tijew. p. 241). Wenn auf einen Obstwildling ein Edelreis gepfropft wird, so erlangt der aus letzterem sich bildende (Ober-) Stamm oft ansehnlichere Dicke als der rnterslamm. Das rührt aber nicht von Vermehrung der Jahrringe, sondern von Verbreiterung her. Hartig'sche Versuche (z. B. mit Hängezweigen) in bot. Zeil. I>i02 u. 1S03 (s. auch meine .Linde"). II. II 106 Zweite Abtheil^ng. Die Laübbölzer. befestigen, braiiclibar sein. Ich empfehle die folgenden als solche, welche die Holz saftf ührnng der- selben positiv nnd negativ beweisen, d. h. Itald ein deutliches Ausstrcimen zeigen, bald in Folge ihrer Stopfung eine Stronum terbrecliuiig verrathen. Ich schildere zuerst die mit mei- nen Buchen und Eichen vorgenommenen Versuche und deren Resultate und gehe dann zu den anato- mischen Erklärungen und physiologischen Consequenzen. Ueber die deutlieh bemerkbare, hier zu parallelisirende Saftbewegung in der Rinde s. Ahorn. Meine gleichsam den Mäusefrai's nachahmenden Versuche sind die des von Alters her soge- nannten Ringeins {alias Gürteins), wodurch also der geringelte Stamm in zwei Hälften getrennt wird, in einen Ober- und Unterstamm (Taf. 45). Die Art der Ausführung derselben schildert die Note. Die Resultate waren folgende: Nach Wegnahme eines Rindenringes, er sei auch noch so schmal, am Stamm oder an den Zweigen (Pfeil kril. Bl. A'A7K. 1. p. 114 f.) — hier um Wurzeln an Senkern zu erzielen — , entsteht eine Stockung der Vegetation, die man am Verfärben des Oberstammes, Klei- nerwerden der Blätter etc. oft schon im Versuchsjahre sollist bemerkt und die die Gärtner zu Gunsten des Fruchtansatzes herbeiführen. Die Rindentheoretiker (Bd. I. p. 25) würden diese Wahrnehmung freilich für ihre Ansicht ausbeuten wollen; dann aber müfste, wenn auch im ersten Jahre noch ein Vegetiren des Wipfels (Oberstammes) möglich wäre, dieses doch im zweiten oder dritten Jahre auf- hören, da so lange die Belaubung unmöglich ohne Saftzuführung sich zu "rhalten im Stande wäre. Letztere mnfs also nothwendig, da die Rinde abgesperrt ist und der so isolirte Oberstamm noch viele Jahre leben kann, durch das Holz erfolgen. Diese Theorie, die einzig richtige, obwohl im Laufe der Jahre öfters durch mihi-Dunkel verdunkelt, tindet neue Bestätigung in meinen neuen Ver- suchen. Die erste Frage, die ich mir stellte: wie sieht's denn im Innern des Nacktholzes aus? kann hier nicht eine bestimmtere Ursache des Saftdurchganges, als man sie bisher annahm, anatomisch nachgewiesen werden?? Diese hat sich nun auch unverkennbar mikroskopisch gefunden: es bildet sich gleich im ersten Jahre ein Verstopfungsring, d. h. die grol'sen (Innen-) Gefäl'se desselljen werden ganz oder gröi'stentheils schwarz, dann folgt ein zweiter u. s. f. Dies geschieht aber von innen nach aulsen, und die früheren Angaben, „das Fortwachsen erfolgt so lange, liis das langsam von Aufsen nach Innen fortschreitende Austrocken der Holzscliichten bis zum Marke vorgeschritten ist" (Hartig in bot. Zeit. /hrt : so schält man jene nur und zwar bis auf bedeutende Höhe des Stammes. Leider ,^. ;?. A.vatumii;, l'iiYsioLouiK, PATUui.o(;tK. Technologie li)7 habe ich iliii l^rtoli' nie »clbtT ;'i'!>i'hcii und beziehe mich daher aiii' eiiiii^e irlauljwürdii'o Aii"enzeui''en. Ilr. übertorstmcister Grunert liels eiuigc so entrindete Stauimalisclinitte aus seinem früheren Departe- ment kommen und an diesen eriiannte ich schon nach IJehobeln älinliche, wie bei der Buche beschriebene Vorgänge (Verstopfungsring). Von Hrn. Forstmeister Lehmann erfuiir idi, dafs die von ihm entrindeten Aspen noch drei Jalire nach der Operation wir de r Lcnin geworden seien, aber immer ivh'inere und geibeie IJiätter bekommen hiitten. Kr war, da die .'^tämnie nun schlecht aus- sahen, genötiiigt, sie abzuhauen. Nach Grunert forsll. Bl. I. OD) stirbt die Wurzelbrut im vierten Jahre nach dem Schälen ab. Die geschältiii Aspen sollen daini noch vor dem Tode kerufaul werden. Bei der, der zweiten Frage geinäls angestellten, anatomischen Untersuchung von Über- und Unterstanini fand ich an dir Buche die auffallendsten Verschiedenheiten und, da ich von dein einen Versuchsstanune auch eim' Abl)ildung zur rechten Zeit nehmen liels (Taf. 'Jö). so beziehe ich mich auf diesen am liebsten. Die Eiche soll erst in zweiter Linie benutzt werden. Der L'nterstainm der ßf/cAe (Fig. 1'^') zeigte ziendich deutlich im Allgemeinen ein Sparsamerwerden der Gefälse vom Ringeljahre (1861) au bis zum Fällungsjahre, im Vergleiche mit den Vorringeljaliren, allein die Breite der Ringe und iiire Abgrenzung war am Unterstammc wenig gestört. Die Saftzielur unterhali) des UiuTels (Unterstammausscliläge) (Fig. 1) — im Allgemeinen in die Kategorie der S aft ab lenke r (L ^•V) "-ehörend — hatten gewiis darauf eingewirkt, obgleich sie einen ganz normalen Zuwachs noch nicht wieder hatten bewirken können (Taf. 45, Fig. 1'^'): ob sie hoch oder tief entspringen, scheint nicht gleichgidtig zu sein, worüber beim Mäusefrafs erst weiter zu berichten sein wird. Ich komme nun zum Oberstamme, von welchem ich (Fig. !•) einen ganzen Durchschnitt gezeichnet und ein Stück aus den letzten sechs Jahren mikroskopisch (Fig. 1'; gegeben habe. Hier zeigt sich, dafs im zweiten und dritten Jahre (186263) die Gelalse äufserst sparsam waren und eine durch dieselben gebildete Ringgrenze durchaus nicht wahrgenommen werden konnte, ja dafs schon im Jahre 1861 die Gefalsreihe, besonders wenn man sie mit 1861 in Fig. 1'"' vergleicht, schwächer blieb. Daher auch die plötzliche Entlaubung, wie sie das Bild zeigt (Taf. 45, Fig. 1). Aufser den Gefafsen sind die Markstrahlen die auffallendsten Organe. Oflenbar ist die enorme Anschwellung, die man bei vielen bemerkt und die erst in den letzten Ringen so stark (trichterförmig) wird, Folge einer unregelmälsigen Vegetation. Ich möchte darin ein Bestreben erkennen, den Verlust, welchen der Baum durch Entblöfsung eines ganzen Ilolzringes er- leidet, wieder zu ersetzen (vergl. nachher EfVAe; — vielleicht hängt damit das Ringbl uten zusanmieu (s. Schlufs). Weitere Betrachtungen liefert noch der Bilderweiser, den ich auch wegen Fig. 1'' nach- zusehen bitte; zu einigen physiologischen Schlüssen dürfte auch diese Figur führen. Wichtiger für den jetzt vorliegenden Zweck ist noch die Besprechung der Eiche, da sie wegen ganz anderer Gefälsvcrtheiluug und wegen der, im Gegensatze von nacktholziger Buche, bei ihr vor- genommenen Beglasung, welche bald zu einer Vernarbung des nackten Ilolzringes führte, ganz andere Erscheinungen brachte. Ich schnitt im Herbste 1865 zwei Stänmie ab, einen schwachem und einen stärkern. Von dem schwächern ist die Abbildung auf Taf. 45", Fig. 12, entnommen (viermal vergr.), und zwar vom Oberstanmie. Als Wirkungen des Ringelns nuil's ich hier schon den äufserst sehmalen, aber noch ringsum deutlichen 58er Ring ansehen. Die vier folgenden (1859 — 1862) sind vollends so ab- norm, dals man sie nicht an allen Stellen mit Sicherheit zählen kann. So liricht die Porenreiiie des OOers au dem einen grolsen Markstrahl ab und setzt sich dann fein punktirt jenseits desselben fort, u. s. f. Ueberhaupt ist hier noch schwerer verfolgbar, als bei normalem Bau, das plötzliche Abbrechen einer Porenreihe. Das auffallendste an diesem Oberstannne war aber das Zusammenfl iefsen der letz- ten 3 Jahre (1863—1865) zu einem grolsen, un rege 1 m ä Isig und dicht pnnktirten Ringe. Er hat also reichlich die Breite von 3 Ringen, nur nicht die Porenschicht iing. In ganz ähnlicher Weise zeigte es sich auch in der andern Versuchs-£icAe, dem stärkeren Stamme. Markstrahl-Er- weiterung fand sich auch hier wie b(>i den Buchen, wenn auch nicht in so auffallender Weise. Von einem Aussetzen der Ringbildung (Hartig) kann man also auch hier nicht reden. Beide Stämme waren, da durch Verglasung das Verwallen des Ringelns und die Verbindung von Ober- und Untcr- If 108 Zweite Abtheilunc;. Die Laubhölzer. stamm bald wieder hergestellt worden war, auch fortge wachsen (s. Fig. 11). Eine deutliche Verkümme- rung in der Verzweigung der Krone dieser Stämme war nur im Jahre 186.3 eingetreten. Die Triebe von 18G4 waren schon stärker und die des Jahres 1865 glichen schon denen der ungestört in der Nähe erwachsenen Eichen. Es entsteht die Frage: ob, wenn diese Stämme stehen gehlieben wären, nicht später wieder normal abgegrenzte Jahrringe entstanden wären? Ich glaube, dal's dies der Fall gewesen sein würde, wenn die Stämme erst den Einflul's der Ringverwallung überwunden hätten. Diese ist, wie Fig. 11 zeigt, so tumultuarisch erfolgt, dal's daraus jener abnorme zusammengeflossene Dreijahrring erklärt werden könnte. Solche Höcker und Wülste bildet vielleicht keine andere Holz- ijattung:, wie die Eiche, die schon im normalen Zustande so tief aufijerissene verkorkte Rinde hat und ohne äul'serlich nachweisbare Ursache einen cul (,, Arsch" in forstlicher Sprache) hat, auf welchem man am Fufse starker Bäume bequem sitzen kann. Zu solchen narbigen Auswüchsen neigten beson- ders im Forstgarten die jungen, zu meinen Versuchen gewählten Eichen nahe dem alten Raupenzwinger. Die Erweiterung der Markstralilen, welche mit ihrem mächtig entwickelten Parenchym in die Rinde treten, wie ein grofser Strom in"s Meer, mögen zu jener Rinden Wucherung wohl mit beigetragen haben. Dafs nachgebildeter Kork oft stärker wuchert, als der in normaler Weise fortschreitende (in nicht verletzter Rinde), erfuhr Mercklin (Bullet, p. 30S). Aber auch H olzwucheruug erfolgt dabei, und deshalb citire ich hier noch die Wirkung der Spechlhiebe auf Taf. 51, Fig. 3, auch Grindrose der Esche. 2) Saftzieher und Gefäfsstopfung, So nannte ich die am Unterstamme sich entwickelnden Ausschläge, weil schon vor alten Zeiten die Zweigelchen, welche man in Plantagen an verschnittenen Bäumen (S chnitt-Saftzieher) stehen liel's, um Säfte zur Ernährung des astlosen, kahlen Stammes herbeizuziehen, so genannt wurden. Zu diesen beiden Species — Riugelungs- und Schnitt-Saft- zieher — möchte ich nun noch eine dritte, symptomatische Saftzieher, bringen, und zwar, weil diese, sonst auch unter dem Namen der „Stammsprossen'' bekannten, von den Forstmännern und Gärtnern als bedenkliche Symptome angesehen werden, indem sie nun die Säfte anziehen und dieselben nicht zur Krone srelanoen lassen — vielleicht weil, wie bei den Rinccelungs-Saftziehern , die Gefäfse sich zu verstopfen beginnen. Andeutungen, wenn auch unerklärte, von Saftziehern bei Gaudichaud Taf. XVII. „Saft" ist hier das Mittel, und der Zweck: „Rettung", d. h. das auf verschiedene Art gekränkte Individuum macht einen Versuch, sich durch neu geschaifene Triebe luid Blätter vor dem Untergange zu retten. Ueber das „Wie" habe ich bei Buche, wo es die gröfste Bedeutung hat. Näheres angegeben, mit Benutzung von Taf. 45. Dabei wird also der Ob er stamm preisgegeben. Es kommen aber auch Rettungsversuche am Oberstamme vor und zwar durch Luftwurzeln (s. Birke). Die verschiedenen Mittel zur Rettung, zumal wenn man damit die gewöhnlicheren Luftwurzeln der Eric (s. dort) vergleicht, führen zu allerlei physiologisch interessanten Betrachtungen (vergl. auch I. p. 25, 41 Noten m. Haust'ein). Ob und wie hier überall eine Gef äl'sstopfung als Ursache vorkommt, und ob nicht noch andere Ursachen, die wir noch anatomisch werden nachweisen lernen, die Jahrringe alteriren: das will ich jetzt noch nicht entscheiden und nur die Gefäfsstopfung als wahrscheinliche Ursache des Kümmerns hinstellen, da mir dieselbe wenigstens schon in dem einen Falle, dem der Ringelung, zur Gewifsheit geworden ist. Das Speciellere für ,,Bu.clien-Mäuse^' versparend, erinnere ich hier schon an Taf. 45, wo Fig. 1'' und 2 die nötliigen Beläge liefern. Au Fig. 2 sieht man, dals schon nach einem einzigen Sommer die Holzentblölsung einen Jahrring verstopfte, und — was ich hier beiläufig erwäh- nen will — zwei kleine Unterstamm- Ausschläge hervorgerufen hatte, dals dann nach 5 Jahren der Holzentblöfsung liereits der gn'ifste Theil der Peripherie verstopfte inid mu- noch der äufserste Jahrring für das Saftsteigen ofi'en geblieben war (Fig. 1'). Wahrscheiidich wirken darauf Nebenumstände ein, denn das Absterben des Oberstannnes kann ja zu sehr verschiedener Zeit erfolgen, wie das meine Versuche mit bestimmten Angaben, und die N ördlinger'schen, und die von Gaudichaud im All- gemeinen ausdrücken. Gaudichaud's Linde, welche schon in verschiedenen Büchern, aber ohne Angabe der Quelle, angefülu't wird, ist auf T. XVII. F. 9 abgebildet (blofs Stamm), aber der Beob- §. 3 Anatomie. Physiologie. Patholoc.ik. Technologie. 109 achtun